Das ist für Naturschützer in jedem Fall das falsche Werkzeug im Umgang mit streng geschützten und seltenen Beutegreifern wie dem Wolf. Foto: Sebastian Pociecha/Unsplash

Das ist für Naturschützer in jedem Fall das falsche Werkzeug im Umgang mit streng geschützten und seltenen Beutegreifern wie dem Wolf. Foto: Sebastian Pociecha/Unsplash

WWF: Keine Jagd auf das seltenste Säugetier des Landes

Naturschützer fordern Rückkehr zur Sachlichkeit statt Demontage des Artenschutzes.

Vor nicht einmal zwei Wochen ging die Weltartenschutz-Konferenz in Paris mit einer Warnung vor dem drastischen Schwund von immer mehr Tier- und Pflanzenarten zu Ende. „In Österreich scheint sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt zu haben“, kritisiert der WWF mit Verweis auf die Debatte in der Sitzung des Nationalrats am 16. Mai. Einmal mehr stand dabei die Forderung nach „wolfsfreien Zonen“ und einer Demontage des EU-Artenschutzes im Fokus. „Mit gerade einmal 30 Tieren ist der Wolf in Österreich noch immer massiv vom Aussterben bedroht“, unterstreicht Christian Pichler vom WWF. In der emotional geführten Debatte würden biologische Fakten schlichtweg ignoriert und vermeintliche Lösungsansätze in den Raum gestellt, die in der Praxis nachweislich nicht durchführbar oder sogar kontraproduktiv seien, beklagt der Experte.

So sei es fachlich und rechtlich unmöglich, angesichts tausender weitwandernder Wölfe in Europa ein Bundesland in Österreich wolfsfrei zu halten. Dazu müssten sämtliche Wölfe im Alpenraum systematisch getötet werden. Dagegen sprechen sich nicht nur Naturschutzorganisationen wie der WWF vehement aus, sondern dies würde auch dem vorliegenden Stimmungsbild der österreichischen Bevölkerung widersprechen. Pichler: „Es ist schwer vorstellbar, dass es in einem der reichsten Länder der Welt tatsächlich mehrheitsfähig sein kann, geschützte Arten ein zweites Mal ausrotten zu wollen.“

Der WWF hält den Herdenschutz für eine machbare Lösung, die allerdings angemessen gefördert und fachgerecht umgesetzt werden müsste. Foto: Max Rossberg/EWS

Für den Rückgang der Almwirtschaft in Österreich sei nicht der Wolf verantwortlich, erklärt der WWF mit Hinweis auf aktuelle Studien. Die Ursachen lägen vielmehr in betriebs- und förderstrukturellen Rahmenbedingungen, gefolgt vom zu großen Almauftriebsaufwand und der Möglichkeit, Flächen im Tal zu pachten. „Wölfe können nur dann zwischen ‚erlaubter‘ und ‚verbotener‘ Beute unterscheiden, wenn ihnen mittels Herdenschutz beigebracht wird, dass sie Nutztiere nur mit hohem Aufwand erbeuten können. Ihre natürliche Nahrung setzt sich zu 99 Prozent aus Wildtieren wie Hirschen, Rehen und Wildschweinen zusammen, die in Österreich mehr als in allen Nachbarstaaten vorhanden sind“, stellt Pichler klar.

Jedes Jahr verenden in Österreich tausende Schafe durch Blitzschlag, Unwetter oder weil Herden ungenügend betreut werden und verletzte oder kranke Tiere zu spät bemerkt werden. „Der Verlust von jährlich 10.000 Schafen wird von der Landwirtschaft als ‚natürliches Risiko‘ angesehen. Gehen einige Verluste auf das Konto des Wolfes, wird das große Bauernsterben prophezeit“, so Pichler. Aus Sicht des WWF wären viele dieser Verluste zu verhindern, wenn Herdenschutz angemessen gefördert und fachgerecht angewendet werden würde. Österreich sei eines der letzten Länder Europas, in die der Wolf wieder von selbst einwandert. Deshalb gäbe es ausreichend Erfahrungswerte aus Nachbarstaaten.

Ignoriert werde in der aktuellen Debatte außerdem die Tatsache, dass einzelne Wölfe bereits jetzt entnommen werden dürfen, wenn der begründete Verdacht auf eine Gefährdung der menschlichen Sicherheit bestehe und keine andere Lösung zum Ziel führe. Das garantieren bestehende nationale Gesetze im Einklang mit den EU-Naturschutzrichtlinien. Pichler: „Wölfe sind keine Kuscheltiere, aber auch keine wilden Bestien. Bei ein paar tausend Wölfen in Mitteleuropa gibt es keinen einzigen dokumentierten Fall, in dem ein Mensch von einem gesunden, wildlebenden Wolf angegriffen wurde.“

Der Abschuss von Wölfen zum Schutz von Nutztierherden habe sich im internationalen Versuch als kontraproduktiv erwiesen. Werden erfahrene Wölfe getötet, dann werde auch die ausgeprägte soziale Struktur in Wolfsfamilien zerstört. „In Folge ändern Wölfe ihr Jagdverhalten: Unerfahrene Jungtiere weichen eher auf leicht zu erbeutende Tiere wie ungeschützte Schafe aus.“

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F_Z

An die Damen und Herren vom WWF: Auf ihren Info-Seiten im Net kann man folgendes lesen "...2016 war es dann soweit. In Allentsteig hat es nach mehr als 100 Jahren erstmals Nachwuchs in Österreich gegeben..."

Nun ja, vielleicht können sich ja noch einige Osttiroler erinnern das es 1954 bei uns mehrer Wölfe gab - inklusive Nachwuchs... Nachzulesen in: Die Säugetierfauna Österreichs (2001) oder einfach in Wikipedia 😉