Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter ist auch mit 65 alles andere als amtsmüde und hat sich politisch „noch viel vorgenommen“. Foto: Expa/Michael Gruber

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter ist auch mit 65 alles andere als amtsmüde und hat sich politisch „noch viel vorgenommen“. Foto: Expa/Michael Gruber

Platter wird 65 und denkt nicht an den Ruhestand

„Die Arbeit macht mir soviel Spaß und Freude wie noch nie zuvor.”

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) begeht am 7. Juni einen „Halbrunden“, seinen 65. Geburtstag. Dass mit Erreichen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters auch der politische Ruhestand einhergeht, dürfte ausgeschlossen sein. Der seit dem Jahr 2008 amtierende Landeschef kann indes auf eine bemerkenswerte Polit-Karriere zurückblicken.

„Die Arbeit macht mir soviel Spaß und Freude wie noch nie zuvor. Ich denke überhaupt nicht ans Aufhören. Alles weitere wird man sehen“, erklärte Platter im Vorfeld seines Geburtstages gegenüber der APA. Seine schwarz-grüne Landesregierung, mit der er in zweiter Auflage regiert, bringe gerade viel weiter, insbesondere in den Bereichen Verkehr, Wohnen, Bildung und Forschung habe man sich in den kommenden Jahren zudem noch viel vorgenommen, so der Landeshauptmann. Auch wenn Platter einen definitiven Wiederantritt bei der Landtagswahl 2023 noch offen lässt – zumindest derzeit scheint die Tendenz wohl in diese Richtung zu gehen.

Seinen 65er feiert der frühere Verteidigungs- und Innenminister im Familienkreis. Offizielle Feiern von Land und Partei seien nicht geplant. Nur am Donnerstag, dem Vortag des Geburtstages, werde es das traditionelle „Ständchen“ seitens einiger Abordnungen von Traditionsverbänden im Landhaus geben.

Was politische Machtpositionen anlangt, hat kaum ein Tiroler Schwarzer eine solche Karriere hingelegt wie der gelernte Buchdrucker und Gendarm aus dem Oberländer Zams – abgesehen vom legendären Langzeitlandeshauptmann und ÖVP-Ahnherrn Eduard Wallnöfer und Franz Fischler, der Landwirtschaftsminister und fast zehn Jahre lang EU-Kommissar war. Platter ist bereits jetzt mit elf Jahren der am zweitlängsten amtierende Tiroler Landeshauptmann nach „Walli“. Dieser dürfte mit seiner knapp 24-jährigen Regentschaft aber wohl uneinholbar bleiben.

Platters bisher größter politischer Triumph ist etwas mehr als ein Jahr her: Bei der Landtagswahl am 25. Februar 2018 legte die ÖVP, nach einem ganz auf den Landeshauptmann zugeschnittenen Wahlkampf, um 4,91 Prozentpunkte zu und erreichte 44,26 Prozent. Seit diesem Sieg sitzt Platter fester im Sattel denn je zuvor. Kein potenziell gefährlicher „Parteifreund“ in Sicht, kein sich regelrecht aufdrängender Nachfolgekandidat. Der Landeshauptmann umgibt sich in Partei und Regierung fast ausschließlich mit loyalen, langjährigen Mitstreitern ohne besondere Ambition auf die erste Reihe. Und kann sich dies mittlerweile auch politisch gut leisten.

Fünf Jahre zuvor, vor der Landtagswahl 2013, war Platter – nach gerade einmal fünf Jahren im Amt – nach Meinung nicht weniger politischer Beobachter knapp vor dem Aus gestanden. Eine bürgerliche Gegenliste formierte sich, die ÖVP schien in ein Debakel zu schlittern. Doch der schwarze „Super-Gau“ sowie der daraufhin wohl unabwendbare Sturz Platters wurden abgewendet. Er fuhr zwar mit 39,35 Prozent das schlechteste Ergebnis der Tiroler Schwarzen aller Zeiten ein, der große Absturz blieb jedoch aus.

Und der Landeshauptmann erfand sich quasi neu – mit der Installierung der ersten schwarz-grünen Koalition. Der vormals oft hölzern wirkende und agierende Platter war teilweise wie ausgewechselt, leichtfüßiger. Zudem stimmte die Chemie mit seiner Grünen LHStv. Ingrid Felipe – eigentlich bis heute. Debatten über Jagdausflüge oder die „eigenwillige Begrüßung“ von Teamspieler David Alaba, die ihm in seinen ersten Regierungsjahren noch das Leben schwer machten, gehörten seitdem der Vergangenheit an.

Platter ist kein großer einnehmender Redner, kein intellektueller Quer- und Vordenker mit visionärem Programm. Aber der auch beim deklarierten politischen Gegner als umgänglich geltende Oberländer mit kernigem Dialekt spielt beharrlich seine Trümpfe aus, die da lauten: Bodenständigkeit, Fleiß, Sachlichkeit, Volksnähe, politisches Gespür. Mit diesem Rüstzeug beackert er auch die landespolitischen Themen, dreht an Stellschrauben, tariert parteiinterne Konflikte aus. Und bundespolitisch verstand er es im Laufe der Amtszeit zunehmend, sich Gehör zu verschaffen.

Platter wurde am 7. Juni 1954 in Zams geboren. 1969 begann er eine Buchdruckerlehre, die er vier Jahre später mit der Gesellenprüfung abschloss. Zwei Jahre lang übte Platter den Beruf des Buchdruckers aus, ehe er 1976 seine Tätigkeit als Exekutivbeamter aufnahm, die er bis 1994 ausübte. 1978 heiratete er, der Ehe entstammen zwei Söhne.

In den 1980er-Jahren startete Platter seine politische Karriere, zuerst als Gemeinderat (1986-1989), dann als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Zams (1989-2000). 1994 kam er als Nationalratsabgeordneter erstmals politisch nach Wien, ging 2000 als Sport- und Kulturlandesrat zurück nach Tirol, wurde dort ÖAAB-Chef und unterlag Van Staa in einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz, was wiederum seine zweite Wiener Periode einleitete. Von 2003 bis 2007 war er Verteidigungsminister unter Wolfgang Schüssel, von 2007 bis 2008 Innenminister im Kabinett von Alfred Gusenbauer. Dort geriet er im Zuge der Causa Arigona Zogaj ins Schussfeld. 2008 löste Platter Herwig Van Staa nach dessen Wahlniederlage als Landeshauptmann und später auch als Parteichef ab.

Privat geht der Tiroler Landeshauptmann unter anderem gerne in die Berge und fährt Ski – auch regelmäßig dokumentiert auf Social Media. Auch Gitarre-Spielen, Gesang (Allzeit-Favorit: „Proud Mary“) und Brauchtum haben es ihm angetan.

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