EU könnte noch mehr für Brennertunnel zahlen

BBT-Vorstand Bergmeister: „Das wäre eine große Hilfe für Österreich und Italien“.

Der Vorstand der Brennerbasistunnel Gesellschaft (BBT SE), Konrad Bergmeister, sieht „gute Chancen“, dass die EU-Finanzierung für die Arbeiten an den beiden Haupttunnelröhren in der neuen Finanzierungsperiode ab dem Jahr 2021 von derzeit 40 Prozent auf 50 Prozent erhöht wird. „Das wäre eine große Hilfe, auch für Österreich und Italien“, sagte Bergmeister im APA-Interview.

Derzeit werden die Haupttunnel-Maßnahmen seitens der Europäischen Union mit 40 Prozent kofinanziert, jene am Erkundungsstollen mit 50 Prozent, so das BBT-Mastermind. Von 2016 bis 2020 pumpt die EU 1,181 Mrd. Euro in das Megaprojekt. Die übrigen Kosten bzw. Ausgaben teilen sich Österreich und Italien je zur Hälfte.

Bergmeister ging jedenfalls davon aus, dass der Brennerbasistunnel auch in der kommenden Finanzierungsperiode als prioritär eingestuft wird und somit eine Kofinanzierung erhält, denn: „Das Projekt ist unter Kontrolle“. Der BBT-Vorstand rechnete weiter mit einer Kosten-Punktlandung bei insgesamt 9,3 Mrd. Euro.

Konrad Bergmeister, Vorstand der Brennerbasistunnel Gesellschaft (BBT SE): „Das Projekt ist unter Kontrolle.“ Foto: APA

Indes sieht Bergmeister den BBT nicht nur in finanzieller Hinsicht buchstäblich „auf Schiene“, wie er der APA bei einem Lokalaugenschein bei den Arbeiten im Inneren des Berges auf der Baustelle Ahrental südlich von Innsbruck erklärte. Bei der avisierten Inbetriebnahme im Jahr 2028 werde es, wenn keine weiteren Risiken auftauchen, bleiben – ab Dezember desselben Jahres sollen die Züge durch den Tunnel rollen. Die bau- und bahntechnischen Arbeiten sollen im Jahr 2027 abgeschlossen sein, dann folge ein Testbetrieb.

Die Halbzeit hat man schon etwas überschritten, denn am 20. Juli 2007 hatten die Arbeiten am Zufahrtstunnel Mauls in Südtirol begonnen, am 4. Dezember 2009 erfolgte der Startschuss für die Arbeiten auf österreichischem Staatsgebiet. Im vergangenen Jahr hatte Bergmeister erklärt, dass sich Fertigstellung bzw. Inbetriebnahme um ein Jahr auf 2028 verzögern würden – vor allem aufgrund der Beeinspruchung des Zuschlags für das Baulos „Pfons-Brenner“, dem größtem auf österreichischem Gebiet.

Optimistisch zeigte sich Bergmeister auch, was die Entwicklung bei den Zulaufstrecken im Norden und Süden angeht, die die Gesamtstrecke München-Verona komplettieren. „Es gibt eine absolute Trendwende. Eine solch positive Entwicklung wie zuletzt haben wir in den Jahren zuvor noch nie erlebt“, erklärte der BBT-Manager. Er sei davon überzeugt, dass die Zulaufstrecken bei Inbetriebnahme des Tunnels im Jahr 2028 „schon sehr weit fortgeschritten“ sein werden, ja einige wie die Strecke „Waidbruck-Franzensfeste“ schon fertiggestellt sein wird.

Der grenzüberschreitende Abschnitt bis Kufstein entwickle sich „sehr positiv“ – und in punkto Bayern bzw. der nördlichen Zulaufstrecken verwies Bergmeister auf die dort stattfindenden Bürgerforen, bei denen mehrere Trassenvarianten diskutiert würden. Den Grund dafür, dass Bewegung in die Zulaufstrecken-Causa gekommen sei, ist für den BBT-Vorstandschef ein eindeutiger: „Der Brennerbasistunnel wird immer mehr Realität. Die Baufortschritte liegen auf der Hand“, ortete er quasi einen Nachzieheffekt.

Dass der Brennerbasistunnel ein wesentliches, wenn auch nicht das einzige, Mittel sein wird, um dem überbordenden Transitverkehr über den Brenner mit derzeit 2,5 Millionen Lkw pro Jahr Herr zu werden – davon zeigte sich Bergmeister überzeugt. Er halte es für realistisch, dass fünf Jahre nach Inbetriebnahme des Tunnels 50 Prozent der Güter auf der Strecke mit der Bahn transportiert werden – statt bisher 30 Prozent. Eine Verlagerung auf die Schiene sei jedenfalls zu erwarten, und: „Diese Verlagerung wird schnell passieren.“

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