BKH-Lienz dementiert Vorwürfe der Liste Fritz

„Keine Dienstverhältnisse mit Ärzten, die nicht in der Ärzteliste eingetragen sind.“

Sprengstoff enthält eine Anfrage der oppositionellen Liste Fritz, unterzeichnet von Markus Sint, die für die kommende Landtagssitzung eingebracht wurde und an den für Gesundheit zuständigen Landesrat Bernhard Tilg addressiert ist. Wir bieten diese Anfrage unten zum Download an. Sie ist – wie alle Anfragen – auch auf der offiziellen Website des Landes öffentlich zugänglich.

Markus Sints Fragen haben eine Vorgeschichte. Der Oppositionspolitiker, ein gebürtiger Osttiroler, versucht seit einiger Zeit, über Landtagsanfragen Licht ins Dunkel der derzeit laufenden Umwälzungen in der notärztlichen Versorgung des Bezirkes Osttirol zu bringen. Wie auch auf dolomitenstadt.at mehrfach berichtet, wird seit Monaten versucht, Gernot Walder, den populären Arzt und Initiator des Osttiroler Notarztverbandes vor allem im Iseltal aus dem Notarztsystem zu drängen, um Platz für eine alternative Lösung zu schaffen, die dem Salzburger Hubschrauber-Unternehmer Roy Knaus und dessen Ärzteteam mehr Einfluss sichert.

Oppositionspolitiker Markus Sint (Liste Fritz) will Licht ins Dunkel der notärztlichen Versorgung Osttirols bringen und bricht eine Lanze für den populären Landarzt Gernot Walder. Foto: Liste Fritz

Kritik an Walder kommt aus dem Bezirkskrankenhaus Lienz, artikuliert von BKH-Sprecher und Notarzt-Koordinator Andreas Mayr, wohl auch stellvertretend für den BKH-Verbandsobmann und Matreier Bürgermeister Andreas Köll. Mayr und Köll favorisieren das System von Knaus und halten Walder für überfordert. Massiven Zoff hat der Landarzt aus dem Villgratental zudem mit der Tiroler Ärztekammer, die ihn mit Disziplinarverfahren eindeckt und ihm die Koordination der ärztlichen Notdienste im Iseltal entzog. Eines der wesentlichen Agumente der Ärztekammer ist ein Vorfall zu Silvester, der den Medien gezielt zugespielt wurde. Auch Dolomitenstadt hat darüber berichtet.

Die Ärztekammer im Wortlaut: „Anfang des Jahres 2019 wurden in einem Osttiroler Sprengel Ärzte zum Dienst eingeteilt, die nicht in die Österreichische Ärzteliste eingetragen und somit nicht zur Ausübung ärztlicher Tätigkeiten in Österreich berechtigt waren. Diesbezüglich hat es auch mediale Berichterstattung gegeben. Die Ärztekammer für Tirol, als verantwortliche Institution, hat daraufhin die Diensteinteilung für diesen Sprengel selbst übernommen.“

Hier hakt Markus Sint in seiner Anfrage ein und wird sehr konkret. Laut Sint sei dokumentiert, dass auch das BKH Lienz mehrfach Ärzte beschäftigte, die zum Zeitpunkt ihrer Anstellung nicht in die Österreichische Ärzteliste eingetragen waren. Ein Tatbestand, den BKH-Sprecher Andreas Mayr gegenüber Dolomitenstadt in einem Interview Ende März 2019 kategorisch ausschloss.

Primar Andreas Mayr, Sprecher des BKH Lienz, dementiert die Vorwürfe von Sint. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Sint führt allerdings nun die konkreten Namen der Ärzte und die Abteilungen des Krankenhauses in seiner schriftlichen Anfrage an. Es geht um zwei deutsche Mediziner, die in der Gynäkologie und in der HNO-Abteilung tätig waren. Dolomitenstadt.at konfrontierte Primar Andreas Mayr mit den Vorwürfen und den konkreten Namen. Mayr schließt in einem schriftlichen Statement nach wie vor aus, dass nicht gemeldete Ärzte im BKH arbeiten:

„Ich kann weiterhin bestätigen, dass es im BKH Lienz keine Dienstverhältnisse mit Ärzten/Ärztinnen gibt, die nicht in der Österreichischen Ärzteliste eingetragen sind. Jeder Anstellung eines(r) Arztes/Ärztin geht ein genauestes Prüfungsverfahren der Berufsberechtigung voran und bevor die vollständigen Unterlagen dazu nicht vorhanden sind – inkl. der Bestätigung der Eintragung in die Österreichische Ärzteliste – darf kein(e) Arzt/Ärztin im BKH Lienz tätig sein. Vor kurzem gab es gegen eine größere Abteilung des BKH Lienz ebenfalls den Vorwurf, dass dort nicht in die Ärzteliste eingetragene Ärzte tätig gewesen seien. Diese Beschuldigung konnte allerdings von unserer Seite nach eingehender hausinterner Prüfung und Prüfung durch die zuständige Behörde sofort und eindeutig widerlegt werden.

Bezüglich etwaiger kurzfristiger, tagesweiser Vertretungen durch Ärzte/Ärztinnen aus anderen Häusern – diese erfolgen ja nicht über ein Dienstverhältnis – hat heute eine stichprobenartige Kontrolle stattgefunden und ergeben, dass der betreffende Arzt sehr wohl ebenfalls in der Österreichischen Ärzteliste eingetragen ist.“

Markus Sint hat aber nicht nur die Vermutung, dass gegenüber Gernot Walder mit zweierlei Maß gemessen und selektiv vorgegangen wird. Er will von Landesrat Bernhard Tilg generell wissen, was sich seit einem „runden Tisch“ aller Konfliktparteien in Osttirol verbessert habe und beantwortet seine Frage gleich selbst, indem er wörtlich anführt: „Seit dem runden Tisch am 2. 5. sind im Iseltal mehr als 20 Tage nicht notärztlich besetzt gewesen. Das ist mehr als in den letzten acht Jahren zusammengenommen.“

Die Anfrage der Liste Fritz zum Download

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