Matthias Scherer mit Chancen auf ein Nationalratsmandat

Die Tiroler ÖVP präsentiert ihre Kandidatenliste und ihre Ziele für die Wahl im September.

Zumindest das Ergebnis der EU-Wahl (42,63 Prozent) erreichen, im Bundesländervergleich das beste ÖVP-Ergebnis einfahren und ein Mandant dazugewinnen – diese Ziele hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter am Montag, 8. Juli, für die Nationalratswahl ausgegeben. Zur Tiroler Spitzenkandidatin wurde vom Parteivorstand wie erwartet Margarethe Schramböck gekürt. „Sie ist eine absolute Macherin. Sie ist hart, aber herzlich“, sagte Platter über die Ex-Ministerin bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Sein Wunsch sei es, dass sie wieder Ministerin werde.

„Nach einem ernüchternden Ibizia-Frühling, braucht es einen starken Tiroler Herbst“, stimmte die ehemalige Wirtschaftsministerin und gebürtige St. Johannerin schon auf den bevorstehenden Wahlkampf ein. Sie hätte noch gerne weitergemacht und noch viele Dinge umgesetzt, aber „die rot-blaue Allianz hat beschlossen, dass wir unsere Arbeit im Interesse des Standorts nicht mehr fortführen können“, so Schramböck.

Margarethe Schramböck will wieder Ministerin werden. Foto: APA

Hinter Schramböck kandidiert Seilbahn- und Wirtschaftsbundchef Franz Hörl auf Platz zwei. Auf Platz drei folgt Alexandra Tanda, Geschäftsführerin des Roten Kreuz Innsbruck-Stadt. Damit dürften sowohl Schramböck, als auch Hörl wieder in den Nationalrat einziehen. Bei einem Mandatszugewinn könnte es auch Tanda schaffen.

Spannend aus Osttiroler Sicht wird es hinter diesem Trio. Den vierten Platz auf der Landesliste erhielt nämlich der Obertilliacher Bürgermeister Matthias Scherer. Damit zog die ÖVP einen Namen aus dem Talon, der nicht schon Tage zuvor durch die Boulvardmedien geisterte. Scherers Chancen auf ein Mandat im österreichischen Parlament sind dann nicht schlecht, wenn Schramböck tatsächlich wieder auf der Regierungsbank Platz nimmt.

Die Chance lebt. Matthias Scherer hält ein ÖVP-Kampfmandat auf einen Sitz im Nationalrat. Foto: Brunner Images

Den größten Wahlbezirk (Innsbruck-Land und Schwaz) führt erneut der Langzeitabgeordnete (seit 1999) und Bauernbündler Hermann Gahr vor Abg. Rebecca Kirchbaumer an. Beide dürfen mit einem Mandat rechnen. Auch im Oberland kandidiert erneut Abg. Elisabeth Pfurtscheller vor Christoph Schultes – und im Unterland ist wie gehabt Wirtschaftbündler Abg. Josef Lettenbichler auf Platz eins vor Andrea Watzl. Sowohl Pfurtscheller als auch Lettenbichler dürften damit erneut ins Parlament einziehen. Es sei denn, der auf Platz fünf im Unterland kandidierende Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger erreicht – mit entsprechender Bauernbund-Wahlkampfhilfe – die gesetzlich notwendigen Vorzugsstimmen und überholt damit Lettenbichler.

Die Osttiroler Liste führt Matthias Scherer vor Christina Staffler an und in Innsbruck ist Landeslistendritte Tanda vor Franz Hitzl gereiht. Kira Grünberg, die Tiroler Spitzenkandidatin bei der letzten Nationalratswahl und nunmehrige ÖVP-Behindertensprecherin, soll auf der Bundesliste „gut positioniert“ werden, sagte Platter. „Das absolute Ziel ist es, dass gegen uns keine Regierung gebildet werden kann“, betonte der Landeshauptmann. Sollten SPÖ und FPÖ nach der Wahl eine Mehrheit haben, dann werden sie eine Regierung bilden, warnte er. Es sei nicht der Wunsch der ÖVP gewesen, dass die Bundesregierung gesprengt wird, das Handeln des ehemaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz sei nach dem Ibiza-Video alternativlos gewesen. „SPÖ und FPÖ haben sich zusammengetan, um die Regierung zu stürzen. Ob das auch der Wählerwille war, werden die Wähler am 29. September entscheiden“, meinte Platter, der eine „gute Stimmung für die ÖVP“ ortete.

Zur Frage einer möglichen Koalition nach der Wahl gab sich Schramböck zugeknöpft. „Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt zu spekulieren“, meinte sie am Rande der Pressekonferenz zur APA. Zuerst müsse man das Ergebnis abwarten.

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10 Postings bisher
iseline

Wenn das Land schon den Klimaschutz rechtlich verankern will, sollte man die Spitzenkandidaten auch auf ihre Klima-Umwelthaltung anschauen und gut überlegen, ob man sie wählen will.

Margarete Schramböck hat das Standortentwicklungsgesetz zu verantworten, das Umweltanliegen und Bürgerbeteiligung massiv schwächt. Franz Hörl ist ein Hardliner im Seilbahnen- und Liftbau und hält wenig von den Fakten zur Klimaerwärmung in den Alpen. Mathias Scherer kann sich eine "Alemagna" durch Osttirol vorstellen.

blaubaer

toll dass sich das jemand antut und uns vertreten will! an die Kritiker: einfach mal selber was für andere machen; traurig dass man immer alles schlecht reden muss!

beobachter52

Der ÖVP-Kandidat soll also am besten kein Parteimitglied sein, weil das sind "Parteibonzen" und kein Bürgermeister, weil die haben politische Erfahrung .... - so stellt es sich zumindest @kilian1990 vor!

Die Nominierung von Mathias Scherer als NR-Kandidat für Osttirol ist das Beste, was unserem Bezirk passieren kann: Ein junger, aktiver und ehrlicher Politiker mit viel Erfahrung: als Dienstnehmer, als Bürgermeister, als Geschäftsführer des Biathlonzentrums, als Tourismusfunktionär ... - bei dem aber immer der Mensch im Mittelpunkt steht und nie auf seinen Eigennutz bedacht! Wer an meinem "Lob" zweifelt, braucht sich nur anzusehen, was sich in Obertilliach unter seiner (führenden) Mitarbeit entwickelt hat!

    Biker

    Sie sind wohl ein Beobachter mit türkisgetönter Brille? :-)

      beobachter52

      Durchaus möglich, leicht türkis getönt ... Aber da sieht man wenigstens durch, im Gegensatz zu dunkelrot, dunkelgrün oder dunkelblau getönten Brillen :-)

      rebuh

      wen erwartest du, das die türkis-schwarzen aufstellen, vielleicht die bla-bla?

    miraculix

    @beobachter52 Bleibt denn bei der schon langen Liste an Ämtern, Tätigkeiten und Funktionen überhaupt noch Zeit für ein Nationalratsmandat?

    Übrigens: Der Türkis ist kein transparenter Kristall, sondern völlig undurchsichtig! Kann es sein, dass "leicht türkis getönt" leicht untertrieben ist?

Kilian1990

Keine gute Wahl der Osttiroler ÖVP, den Mathias Scherer als Kandidat aufzustellen. Aber es wird wohl noch ein bisschen Zeit brauchen, dass es auch bis nach Osttirol durchgedrungen ist, dass man nicht immer nur auf die Bürgermeister und sonstigen Parteibonzen setzt.

bergfex

Herr Scherer ist ein Macht-Mensch. Aber Vorsicht, wer hoch steigt, fällt tief.

    lokal

    und ein fähnchen im wind, wenn man die tourismuswahlen betrachtet......