Fünf Wege für radelnde Italiener zum Bahnhof Lienz

Die Stadt prüft alle Varianten. Wir zeigen die Karten dazu und lassen die Leser urteilen!

Heute Montag, 29. Juli, soll im Mobilitätsausschuss des Lienzer Gemeinderates eine Vorentscheidung darüber fallen, auf welchem Weg künftig die mehr als 100.000 italienischen Radfahrer, die im Juli und August von Innichen der Drau entlang nach Lienz strömen, bis zum neuen Verladepunkt für ihre Räder am Bahnhof geführt werden sollen. Wie berichtet sollen im künftigen „Mobilitätszentrum“ die Ciclisti in den Süden des Gleiskörpers rollen, dort ihre Drahtesel loswerden und dann via Unterführung in die Innenstadt schlendern.

Das ist der Plan des neuen Bahnhofs. In der Mitte sieht man gut den geplanten neuen Radverlade-Bahnsteig. Um ihn vom Drauradweg aus zu erreichen, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten.

Dieses Vorhaben ist ein wesentliches Argument für den Bau einer breiten Brücke von der Tristacherstraße über die kleine Drau zum Bahnhof. Allerdings wurde in letzter Zeit vermehrt Kritik an der Wegeführung der Radler vom Dolomitenbad bis zum neuen Bahnhof laut. Als ruchbar wurde, dass eine Variante den Kahlschlag der Baumallee in der Tristacherstraße bedeuten könnte, wurde der Widerstand lauter.

Jetzt tüfteln die Verkehrspolitiker im Gemeinderat, welche von insgesamt fünf Varianten wohl die beste sein könnte. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik zählte diese Varianten in einem Telefonat mit dolomitenstadt.at auf. In der vorletzten Gemeinderatssitzung forderte Grün-Gemeinderätin Gerlinde Kieberl eine Skizze ein, die diese Wegeführung plakativ und verständlich darstellt. Offizielle Darstellung gibt es bis heute keine, deshalb griff die Redaktion zur Selbsthilfe und erstellte kurzerhand eigene Skizzen. Und hier sind sie!

5 mögliche Wege der italienischen Radler zum Bahnhof

Variante 1: Vom Dolomitenbad rechts der Tristacherstraße bis zur neuen Brücke

Diese Variante würde einen Radweg rechts der immer stärker befahrenen Tristacherstraße erfordern. Ob dafür ausreichend Platz ist, müssten Experten entscheiden. Problematisch wäre auch die Querung der Straße auf der Höhe der neuen Brücke. Wir geben diesem Szenario deshalb eher wenig Chancen.

Variante 2: Vom Dolomitenbad links der Tristacherstraße bis zur neuen Brücke

Diese Variante hat gegenüber der ersten den Vorteil, dass man einen Radweg ohne Querung der Tristacherstraße über die Brücke führen könnte. Über die Amlacherstraße beim Stadion müssen die Radler auch derzeit. Das wäre nichts Neues. Statt aber durch die Unterführung zu brausen, ginge es am Drauufer zur Brücke. Riesenproblem: die Bäume! Sie müssten nach Ansicht der Verkehrsplaner weichen, wenn ein ausreichend breiter Radweg hier realisiert werden soll. Protest – auch aus unserer Redaktion – ist vorprogrammiert! Dennoch ist dieses Szenario noch nicht vom Tisch.

Variante 3: Vom Dolomitenbad über die Amlacherbrücke und durch die Industriezone mit Tanklager zum Bahnhof

Diese Variante wäre mit ein paar Kübeln Farbe einfach realisierbar. Statt durch die Unterführung Richtung Stadt zu rollen, würden die Radfahrer vor der Unterführung rechts abbiegen und zwischen den Industriegebäuden die Gleise entlang bis zum Zielpunkt gelangen. Hier ist – auch heute schon – die Überquerung der Amlacherstraße ein Thema. Für die Variante spricht, dass sie wenig kostet und einfach ist – angesichts von zehn Monaten ohne Radfahrer ein nicht zu unterschätzendes Argument. Das traditionell auf Romantik fixierte Stadtmarketing könnte Stress mit der industriellen Optik der Gebäude am Straßenrand haben. Wir empfehlen Streetart als künstlerische Begrüßung der Radler.

Variante 4: Über den neuen Drausteg und durch den Draupark bis zum Tanklager und weiter zum Bahnhof

Die beiden letzten Varianten brechen aus dem bisherigen Denkmuster völlig aus und lenken den Radlerstrom schon vor dem Dolomitenbad über die Drau. Der Weg zum anderen Ufer würde über das neue „Raika-Brückele“ führen, das ja breiter und komfortabler werden soll als die vom Hochwasser hinweggespülte Vorgänger-Variante. In Variante 4 würden die Italiener mit voller Wucht durch den sommerlichen Draupark rollen und die Amlacherstraße im schlechtesten Fall bei der evangelischen Kirche überqueren, in einer weniger gefährlichen Variante eventuell Richtung Wirtschaftskammer abzweigen und dann die Brücke über die Straße bis in die Industriezone südlich der Gleise nehmen. Von dort geht's weiter wie bei Variante 3.

Variante 5: Über den neuen Drausteg und nördlich der Wirtschaftskammer bis zum Tanklager und weiter zum Bahnhof

Die letzte Variante liegt dem Vernehmen nach nicht schlecht im Rennen, weil sie einen herausragenden Vorteil hätte: die Radler müssten keine einzige Autostraße kreuzen um ans Ziel zu gelangen und würden auch sonst kaum jemandem in die Quere kommen. Nach der Überquerung der Drau über den neuen Steg, der im Spätherbst gebaut werden soll, würde der Weg über ein derzeit völlig brach liegendes Grundstück der Stadt geführt und nördlich von Wirtschaftspark und Wirtschaftskammer über die bestehende Straßenbrücke bis zum Tanklager führen. Nachteil aus der Sicht von WIFI & Co: die Wirtschaftler müssten wohl einige Parkplätze opfern und hätten im Hochsommer plötzlich einen Touristenstrom vor der Nase. Nachdem der ganze Aufwand ja primär der Lienzer Wirtschaft dienen und nützen soll, wohl eine zumutbare Belastung.

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26 Postings bisher
Lz

2 Legislaturperioden SPÖ und was hat sich geändert zu früher? Nichts! Ungelöste Probleme wie Nordschule, Stadtsaal und Hochstein! Die Sensation ist aber die Konzeptlosigkeit beim Verkehr! Beda Webergasse, Defreggestraße und B 100! Mobilitätszentrum für Geisterbusse! Ob groß oder klein tagsüber immer leer! Gibt es eigentlich kein Konzept die Querverkehre bei der B 100 abzuschaffen, Niederflur zu unteführen oder sonstiges. Der Verkehr wird immer schlimmer und was wird getan. Nichts! Lienz ist anders!

wolf_c

... die Kompetenz des Gemeinderates der Bürgermeisterin und der Bewohner von Lienz ist manifest und nachvollziehbar im Entwicklungskonzept abgebildet und lässt aufschlußreiche Interpretationen über die Wurschtigkeit aller Beteiligten zu den wichtigen Fragen zu ...

Talpa

Wahrlich, ich sage euch: Die Wege des Italieners sind unergründlich.

bergfex

Außer bei Variante 1 & 2 frage ich mich warum eine so teure Brücke gebaut wurde. Bei allen anderen Varianten ist der Verkehrsstau wegen dem Überqueren der Amlacher Strasse vorprogrammiert. Warum fährt man nicht unter der Draubrücke durch.

    ManD

    @bergfex stimmt genau

    rebuh

    warum sind eigentlich so viele der Meinung diese Brücke wird wegen der Radfahrer gebaut. @Talpa, was die Radfahrer anbelangt, auch diese der Lienzer/ Osttiroler.

    meinlz

    Bei variante 1 muss die Tristacherstrasse auf Höhe der Brücke nochmals gequert werden! Das wird lustig und nennt sich dann moderne Verkehrsberuhigung - autos werden zumindest wieder auf die B 100 ausweichen.

le corbusier

die diskussion geht meiner meinung nach in eine völlig falsche richtung. jetzt überlegt man im grossen stil wie man einen radweg für die radtouristen anlegt und ist bereit zu investieren doch für die radtechnischen bedürfnisse der einheimischen passiert seit jahrzehnten so gut wie nix.

erste priorität hat das radnetz für die lienzer und talbodengemeindler. wenn das perfekt klappt finden auch die italiener den weg von amlach bis zum bahnhof.

Rudi

Es ist müssig über die Route zu debattieren.Ich bin mir sicher,dass die Italiener oder auch andere RadlerWege finden ,den Bahnhof zu erreichen(Gehsteig)

thomas78

Stimmt schon, die neue Brücke ist ja für Park and Ride gedacht, glaub ich zumindest. Die Radströme müssen aber anders geleitet werden. Ob der angeblich heilbringende Kreisverkehr jemals gebaut wird, wie hier angedacht, steht auch in den Sternen. Und selbst dann wäre es meines Erachtens besser die Italiener wie bei Variante 5 zu lenken.

chiller336

nachdenken wär angebracht. die neue brücke über die drau steht in erster linie für den pkw verkehr/park and ride zur verfügung. variante 5 ist für radfahrer meines erachtens doch die beste - entfällt damit doch die überquerung der amlacherstraße, ein manchmal hochgefährliches unternehmen unserer italienischen radfahrer. für mich liegt der/die vorteil/e auf der hand: radfahrer und autofahrer kommen sich nicht in die quere, sollten sich die radfahrer auch an die vorgegebene route halten, des weiteren bleiben die kastanienbäume entlang der tristacherstraße erhalten und zu guter letzt müssen sich die anwohner der tristacherstraße weniger sorgen bezüglich lärm und chaos der radfahrerei machen. und nicht zu vergessen: die öbb stemmen den löwenanteil dieser umstrukturierung - heisst in dem fall auch einen grossteil der kosten für die neue brücke

osttirol20

Im Ernst ?????!!!!!!

Da verschleißt Blanik eine Menge an öffentlichen Geldern für eine Brücke, welche an Sinnlosigkeit nicht mehr zu übertreffen ist und kommt, nachdem diese so gut wie fertig, wohlgemerkt jedoch noch über ein Jahr nicht benutzbar, ist drauf, dass sie nun noch keinen blassen Dunst hat, wie oder ob die italienischen Radfahrer, welche tagtäglich für mehr als gemeingefährliche Situationen in diesem Bereich verantwortlich sind zum Bahnhof umgeleitet werden.

Und das Stadtmarketing macht sich Sorgen, dass das Industriegebiet nicht genügend Romantik für den italienischen Rad-Durchzugsverkehr versprüht!

Gertrude

Nicht zu verstehen- zuerst wird etwas gebaut und dann überlegt sich die Gemeindeführung eine Variante für die Ital. Radler.

    Insider

    aber die Frau Bürgermeister hat ja wieder einmal alles so gut durchdacht 👌😉

      Talpa

      @Blanik-Nörgler: Ich weis es ist einfach, eine Einzelperson für etwaige Missstände verantwortlich zu machen, aber da gibt es so einen Gemeinderat, der sowas beschließt, also mehrere Personen die von euch Lienzern gewählt wurden...nennt man glaub ich Demokratie oder so...

      senf

      talpa@ blanik-nörgler: kenntnisse von verwaltungsstrukturen sind halt nicht jedermanns sache und deshalb kommt halt solcher meinungsstumpfsinn heraus. zu oft und zu gerne leider auch mit absicht in der politik, um jemanden schlechtzureden und zu schaden. ich glaube dennoch, dass diese tricks veraltet sind und nur mehr bei wenigen gleichgesinnten in der heutigen gesellschaft ankommen. solange daraus kein parteipolitischer fanatismus entsteht, kann und sollte man es ignorieren.

      wenn frau bürgermeister die macht hätte, alleine über derart große investitionen zu entscheiden, dann hätten wir ja eine diktatur.

      dauernörgler, sind wir uns zumindest da einig!

meinlz

Wieder ein erfreulich guter Artikel Herr Pirkner! Gratulation! Und die variantenmöglichkeiten gut bewertet.

thomas78

Also ganz ehrlich, Variante 5 wäre doch glorreich. Eine schon seit vielen Jahren bestehende Brücke wird zur Überquerung der Amlacherstraße genützt und man fährt davor durch den schattigen Draupark. Hätte es dann überhaupt die neue Brücke gebraucht???

    meinlz

    Man fragt sich generell, wozu eine solche sinnlose Monsterbrücke überhaupt gebaut wurde. Lienz, die Stadt der Brücken. Die eine Brücke kann gebaut werden , die andere ein paar Meter flussaufwärts (eine wirklich wichtige Brücke!!!) kann wegen fehlenden Niedrigwasssers nicht gebaut werden. Eigenartige Sache!

Franz Brugger

Von den Varianten 3 - 5, die alle über das Tanklager führen, wäre meiner Meinung nach die Variante 3 die mit wenigsten Bauafwand. Qerung der Amlacherstrasse soll ja über den geplanten Kreisverkehr relativ gefahrlos möglich sein. Nachteil bei Variante 4 und 5 sehe ich die bestehende Brücke über die Straße, die ja jetzt schon ein "Nadelöhr" in der Zufahrt zu WKO und zum Wirtschaftspark ist.

Redcap

Variante 5 könnte auch einen wesentlichen Anteil der Radfahrer aus der Friedensiedlung aufnehmen ( → Bahnunterführung → Draupark), um dadurch die Querung der Tiroler Straße bei der Amlacher Kreuzung zu vermeiden. Finde ich positiv, insbesonders, wenn man mit Kindern unterwegs ist. PKW-Zufahrt für WKO/WPO an der evangelischen Kirche vorbei.

    Franz Brugger

    Wer von der Friedensiedlung kommt wird die Radbrücke nördlich der Gleisanlage benützen, bzw. dann beim Sporthotel über die Kreuzung Tirolerstraße fahren..

    WKOWPO Zufahrt muss für größere Fahrzeuge, sowie für Fahrzeuge die dann vom neuen Bahnhof, Tristach kommen doch auch über Tanklager und die eben schmale Brücke erfolgen, somit ergibt sich doch eine intensive Begegnungszone.

      Redcap

      Variante 5 ermöglicht mir, dass ich von der Bahnunterführung bis zum Bahnhof und weiter zum Hauptplatz vollkommen frei von jeglichem PKW/LKW-Verkehr bin! Die Route über Gilmweg – nordseitige Radbrücke – Querung Lastenstraße – Querung Tiroler Straße – und auch die Fortsetzung ist für Radfahrer alles andere als sicher! Ich habe noch nie einen LKW zur Wirtschaftskammer zufahren gesehen, den gibt es einfach nicht! Und zum Wirtschaftspark sind es eigentlich nur Paketzusteller. Dieser „Schwerverkehr“ wird so wie bisher problemlos zufahren können, er wird auch nicht über die neue Brücke fahren.

    cheerio

    🙈🙈 Dann bist du dort wohl auch noch nie wirklich gewesen. Lkw Verkehr mag zwar nicht direkt beim owp sein, sehr wohl aber bei der zuegg Tankstelle. Dort würde schon ein tankender/parkenden LKW für Chaos und gefährliche Situationen sorgen. Alles andere als über die Tristacher Straße und die neue Brücke wäre für mich unverständlich.

      Lienzerin1

      "Nur unverständlich"... Wenn man nur selten in dieser Gegend ist und nicht weiß, dass sich die Italienischen Gäste nicht an Verkehrsordnungen halten, in Kolonnen ankommen und die Tristacherstraße jetzt schon eine Ausweichstrecke der B100 ist und zunehmend chaotischer wird, sind diese Varianten über die Tristacherstraße absolut auszuschließen!