Anika Tragseil, Pia Marschhauser und Luisa Mistelberger. Foto: Silvia Ebner

Anika Tragseil, Pia Marschhauser und Luisa Mistelberger. Foto: Silvia Ebner

Ein Sommer in der Bucht von Blackpool Sands

Drei Mädchen aus Lienz absolvieren ihr Erasmus-Praktikum in Devon.

Während ein No-Deal Brexit wie ein Damoklesschwert über England hängt, die Pro-Europa Demonstranten auf der einen und die eingefleischten Brexiteers auf der anderen Straßenseite vor dem Parlament in London ihre Stellung halten und Boris Johnson seine Landsleute immer noch mehr polarisiert, absolvieren auch dieses Jahr wieder Osttiroler Schülerinnen ihr Pflichtpraktikum in England – unter ihnen auch zum ersten Mal drei Mädchen aus der Fachschule der Dominikanerinnen.

Pia Marschhauser aus Matrei, Anika Tragseil aus Prägraten und Luisa Mistelberger aus Sillian sind bereits seit Anfang Juni in Dartmouth, Devon, und arbeiten dort bei der renommierten Venus Company. Wie schon Schülerinnen der HLW und Hotelfachschule Lienz in den letzten Jahren, war für sie ein Auslandspraktikum zugleich ein Wunsch, der in Erfüllung ging, eine Chance, die sie nicht missen wollten und eine Herausforderung, die ihnen am Anfang Überwindung und Durchhaltevermögen abverlangte. Jetzt, fast zwölf Wochen später, sind sie nicht nur stolz auf sich, sondern sehen dem nahen Ende ihres Englandaufenthalts mit gemischten Gefühlen entgegen.

„Wir freuen uns auf daheim, auf die Familie und Freunde, den ersten Leberkässemmel, Schlipfkrapfen und Knödel, aber eigentlich geht es uns jetzt fast zu schnell. Plötzlich sind diese drei Monate vorbei und man hat das Gefühl, man möchte eigentlich noch länger bleiben“, erzählen sie in ihrem Haus in Dartmouth, das sie zeitweise mit 14 anderen Praktikanten aus Tirol gemeinsam bewohnt haben. „Wir haben uns hier in Dartmouth vom ersten Augenblick an wohlgefühlt. Jeder hat uns offen aufgenommen und wir fühlten uns wirklich willkommen. Dartmouth ist schön, entspannt und sicher und für uns war es ein perfekter Platz für unser Praktikum.“

Schön ist vor allem ihr Arbeitsplatz in Blackpool Sands, eine Bucht, die an sonnigen Tagen fast schon kitschig wirkt. Michael Smith, der Besitzer und Geschäftsführer der Venus Company, könnte seine Strandcafés und -restaurants nicht ohne seine österreichischen Praktikanten führen. „Der Tourismus und die Landwirtschaft in England braucht ausländisches Personal.“ Er schätzt, dass allein in diesen beiden Sparten fast eine Million Menschen aus dem Ausland beschäftigt sind. Zurzeit leben an die 3,2 Millionen EU-Bürger in England, unter ihnen auch viele Fachkräfte und Angestellte im ohnehin schon ständig unter Personal leidenden Pflegebereich.

Dennoch glaubt Michael Smith ebenso wie viele andere Engländer, dass der Brexit dem Land schlussendlich nützen würde. Wann dieser Schluss endlich erreicht ist, ist jedoch auch für ihn noch offen. Genauso wie die Frage nach der besten Lösung. Er hält sich da an Boris Johnson, der den Ball den Europäern zuspielt und – auf seine populistische Art für viele überzeugend – anscheinend nur an der Sturheit der Europäer, allen voran der Franzosen, daran gehindert wird, einen erfolgreichen Brexit durchzuführen.

Dass es zu keiner Win-win Situation in diesem Brexit-Debakel kommen wird, ist wohl jedem klar. Zu hoffen ist nur, dass so erfolgreiche Projekte wie das Erasmus+ Programm, das tatsächlich für beide Seiten eine Win-win-Situation bedeutet, beibehalten werden. Michael Smith hofft jedenfalls, dass er auch in Zukunft auf Schüler aus Lienz zählen kann und Praktikantinnen wie Pia, Luisa und Anika würden einen Sommer in England allen interessierten Schülern wärmstens empfehlen.

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