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Neos sehen im Defereggental nur ein „Clusterchen“

Politisch verkauft werde aber ein „Meilenstein“. Oberhofer fordert Schulcluster in Städten.

Wenn der Tiroler Neos-Chef Dominik Oberhofer über Bildung spricht, dann wird er emotional. Der ehemalige Waldorf-Schüler fühlt sich in diesem Fachgebiet sichtlich wohl und unterstreicht, dass Neos „für Bildung brennen. Ohne das Thema Bildung gäbe es Neos nicht“. Das erklärt, warum Oberhofer am 6. September im Lienzer Grandhotel zu einem Pressegespräch lud, dessen Thema vor dem Hintergrund des aktuellen Wahlkampfs fast entrückt wirkte: Es ging um den soeben gestarteten Schulcluster im Osttiroler Defereggental.

Der ehemalige Waldorf-Schüler und Tiroler Neos-Chef Dominik Oberhofer ist beim Thema Bildung in seinem Element.

Bemerkenswert wie das Thema war beim Pressegespräch auch ein ungewöhnlicher Gast: Elisabeth Bachler, Pflichtschulinspektorin und Leiterin der „Tiroler Bildungsregion Ost“ lud sich selbst zur Neos-Presseveranstaltung ein und nahm mit Block und Stift bewaffnet neben Oberhofer am Pressetisch Platz. Der nahm die Situation gelassen: „Ich finde das großartig.“ Den Journalisten ersparte Bachler mit ihrem Einsatz einen Anruf, man konnte Oberhofers Thesen quasi in Echtzeit gegenchecken.

Worum ging es? Den Neos gefällt der Schulcluster im Defereggental an sich gut, doch Oberhofer hält das Projekt für ein „Clusterchen“ und nicht für den bildungspolitischen Meilenstein, als den die schwarzgrüne Landesregierung die Zusammenlegung der Defereggentaler Volksschulen verkaufen möchte. Man habe lediglich eine Kleinstschule mit zwei Klassen in einen bestehenden Schulverbund eingegliedert und mache darum jetzt viel politisches Trara. Wenn man das Clusterthema auf entlegene Täler im ländlichen Raum reduziere, laufe man Gefahr, dass Zusammenlegungen am Ende zu Schließungen von Kleinstschulen führen.

„Die richtige Dimension für einen ambitionierten Schulcluster hätten Bezirksstädte wie Hall oder Lienz“, meint der Neos-Politiker, der nicht einsehen will, warum drei Volksschulen oder zwei Gymnasien in Lienz nicht auch eine gemeinsame Verwaltung haben könnten. Das würde die Lehrpersonen dieser Schulen von Verwaltungsaufgaben entlasten, sich damit direkt auf die Qualität des Unterrichts auswirken und auch Verwaltungskosten sparen, während im Defereggental eher das Gegenteil der Fall sei: „Da gibt es ein Monitoring, ein Controlling, eine Projektleitung, einen Prozessberater – kurz mehr Häuptlinge als Indianer.“

Schulbeamtin Elisabeth Bachler lud sich selbst zum Neos-Pressegespräch ein und steuerte ihre Meinung zum Thema bei. Fotos: Dolomitenstadt/Pirkner

Elisabeth Bachler, die selbst am Clusterprojekt im Defereggental mitwirkt, wollte das so nicht stehen lassen. Man habe sehr lange und intensiv auf den nun gestarteten Cluster hingearbeitet und eine begleitende Betreuung sei ohnehin Teil ihres Jobs. Generell signalisierte die Osttiroler Bildungsbeamtin aber Zustimmung zu den Thesen der Neos und der Idee, auch städtische Schulen zu Verwaltungsclustern zusammenzuschließen. Bachler verwies auf bereits bestehende Synergien etwa im Lienzer Schulzentrum Süd mit HAK und HLW.

Die Neos wollen das Thema jedenfalls nicht auf den ländlichen Raum reduzieren, hinterfragen auch die Einteilung in Schulsprengel und wollen „bei echten Schulclustern weiter Druck machen“.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe und Kommunikationswissenschafter arbeitete Jahrzehnte als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Lienz zurückkehrte und dort 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief.

7 Postings

banana181
vor 5 Jahren

Alibi-Projekte gibt es schon zu genüge. Siehe ,,Modellregion Bildung Zillertal".

 
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Bergziege
vor 5 Jahren

Was mich - und nicht nur mich - extrem stört ist, dass bei wirklich jeder Wahl eine "Bildungsreform" angestrebt wird. Jeder von uns ist in die Schule gegangen und glaubt somit zu wissen, wie "guter Unterricht" oder "gute Schule" zu sein hat. Leider habe ich noch nie zu Ohren bekommen (...und ich hab nachgefragt), ob sich irgendeine Partei jemals die Mühe gemacht hat, bei PädagogInnen nachzufragen, was sie, die jeden Tag in den Klassen stehen, für sinnvoll erachten. Es gäbe tolle Vorschläge von äußerst guten PädagogInnen, die sich über Jahrzehnte mit den verschiedensten Möglichkeiten auseinandergesetzt haben - ABER - sie werden nicht gehört! Also, liebe NEOS! Fragt die, die es wissen, wie es geht oder noch besser: begleitet doch einmal ein Schuljahr lang PädagogInnen in allen Schulstufen und Bildungseinrichtungen - bin gespannt, welche Bildungsreform ihr dann vorschlagen würdet.... ...und noch was stört mich - bei allen Reformen, die oft nicht gut durchdacht waren in den letzten Jahren, werden unsere Kinder zum Spielball der Politik! Und das finde ich unerhört!

 
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janoschfreak
vor 5 Jahren

Sehr treffend - mehr Häuptlinge als Indianer bzw. Prestigeprojekt Hat es für die Clusterleitung schon eine Ausschreibung gegeben? Administration bzw. pädagogische Leitung? Hoffentlich ist wenigstens hier ein universitärer Abschluss Grundvoraussetzung.

 
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    banana181
    vor 5 Jahren

    @janoschfreak: Sicher nicht!

     
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Domenik Ebner
vor 5 Jahren

Es ist halt immer die Frage wie ernst man es mit wichtigen Themen nimmt. Cluster sind eine großartige Sache - wenn es vernünftig und ambitioniert gemacht wird.

Die beste Bildung für unsere Kinder - das ist ein wesentliches Zukunftsthema für unsere Gesellschaft :-) Wir forden einen Schulcluster in Lienz! #MachtSonstKeiner

 
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banana181
vor 5 Jahren

Vielleicht kann mir jemand folgende Fragen ausführlicher beantworten: - Welche admin. Aufgaben genau fallen für die Lehrpersonen weg? - Welche Mehrarbeit fällt nun für die SchulleiterstellvertreterInnen an? - Wo genau werden Kosten eingespart? - Welche Vorteile bringt der Cluster für SchülerInnen, Eltern, PädagogInnen und Gemeinden?

 
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banana181
vor 5 Jahren

Gratuliere Herrn Oberhofer fuer den schnellen Durchblick! Ein Prestigeprojekt!

 
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