Gletscherausbau war Thema im Tiroler Landtag

Nur Liste Fritz klar dagegen. Günther Platter beruft sich auf den Rechtsstaat.

Der geplante Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Pitztal und Ötztal hat am Mittwoch zu einer kontroversen Diskussion im Tiroler Landtag geführt. LAbg. Markus Sint (Liste Fritz) wollte von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) in der Fragestunde wissen, ob Tirol damit nicht ein falsches Signal sende. Der Landeshauptmann verwies einmal mehr auf das laufende UVP-Verfahren.

„In einem Rechtsstaat hat sich die Politik nicht in ein laufendes Verfahren einzumischen“, betonte Platter. Die schwarz-grüne Landesregierung habe den Zusammenschluss außer Streit gestellt, weil die Situation im Pitztal eine sehr schwierige sei. Auch die kommende Generation im Pitztal soll eine Zukunftsperspektive haben.

„Es geht nicht darum, sich in Behördenverfahren einzumischen, aber schon darum politische Rahmenbedingungen festzulegen“, betonte Sint. Gletscherschutz sei auch Menschenschutz. Die Grenzen des Wachstums im Skizirkus seien in vielen Fällen schon erreicht und in mehr noch überschritten, so der Liste Fritz Abgeordnete. „Eine Debatte vom Schreibtisch aus zu führen, ist immer sehr leicht“, meinte daraufhin Platter. „Gehen Sie hinein ins Pitztal, dort gibt es einen massiven Rückgang bei den Betten und auch einen Rückgang bei den Nächtigungen“, so der Landeshauptmann, der gleichzeitig einmahnte, die Emotionen in der Diskussion zurückzunehmen.

Ins selbe Horn stieß auch NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer. „Es zählen nicht mehr Sachargumente, sondern nur mehr populistische Begriffe“, meinte Oberhofer, der dem Landeshauptmann das Versprechen abringen wollte, dass das Projekt bei einem positiven UVP-Bescheid von der schwarz-grünen Landesregierung keinesfalls verhindert wird – was er sogleich vom Landeshauptmann auch bekam.

Auf die Frage des grünen Landtagsabgeordneten Georg Kaltschmid, welchen Weg der Tourismus in Tirol denn in Zukunft einschlagen werde, betonte Platter einmal mehr die Wichtigkeit des Tourismus. „Jeder vierte Arbeitsplatz hängt mit der Tourismus- und Freizeitwirtschaft zusammen und jeder dritte Euro wird dadurch verdient“, erklärte der Landeschef. Und auch in der Weltwirtschaftskrise 2008 sei der Tourismus „ein Fels in der Brandung“ gewesen.

Die wirtschaftliche Zukunft werde für das Pitztal ohne Zusammenschluss sehr schwierig, meinte Platter auf eine entsprechende Frage der Landtagsabgeordneten Evelyn Achhorner (FPÖ). Elisabeth Blanik von der SPÖ forderte indes ein, dass die kleinen Skigebiete von den großen unterstützt werden sollten. Genau darum gehe es ja, bei dem Projekt Pitztal-Ötztal, sagte daraufhin Platter. „Die Pitztaler brauchen den starken Partner im Ötztal“, fügte er hinzu.

Der Zusammenschluss der beiden Gletscherskigebiete hatte in den vergangenen Wochen für Aufregung gesorgt. Eine Online-Petition, die sich gegen das Projekt ausspricht, zählt inzwischen mehr als 146.000 Unterschriften (Stand Mittwoch). Eine Allianz bestehend aus WWF, Alpenverein und Naturfreunde wehrt sich ebenfalls gegen die Fusion. Die Projektbewerber dagegen sahen eine gezielte Verbreitung von Falschinformationen über das Projekt seitens der Gegner. Eine Plattform, bestehend aus Pitztaler Jungunternehmern, spricht sich ebenso für die „Gletscherehe“ aus. Die mündliche UVP-Verhandlung soll Anfang kommenden Jahres stattfinden.

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