Cornelia Trojer und Anton Huber werden künftig keine nächtlichen Bereitschaftsdienste an Wochentagen absolvieren. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Cornelia Trojer und Anton Huber werden künftig keine nächtlichen Bereitschaftsdienste an Wochentagen absolvieren. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Ärztekarussell in Matrei: Schuster folgt Mairinger

Anton Huber und Cornelia Trojer steigen wochentags aus dem Bereitschaftsdienst aus.

Die Matreier Ärztin Cornelia Trojer und ihr Virger Kollege Anton Huber lassen keine Zweifel aufkommen: „Ende Dezember läuft unser Vertrag endgültig aus, das bedeutet, ab 1. Jänner stehen wir für die allgemeinmedizinischen Bereitschaftsdienste am Abend und in der Nacht an Wochentagen nicht mehr zur Verfügung.“

Damit schließen die niedergelassenen Mediziner ein Kapitel, das der Matreier Bürgermeister Andreas Köll vor etwas mehr als einem Jahr aufschlug. Im September 2018 verkündete Kölls publizistisches Sprachrohr „Kleine Zeitung“ vollmundig: „Zwei neue Ärzte lassen sich im Matreier Rathaus nieder. Zudem werden Pläne für ein Primärversorgungszentrum gewälzt.“ Köll selbst informierte die Matreierinnen und Matreier per Amtsblatt darüber, dass der Salzburger Flugarzt Marcus Mairinger gemeinsam mit Daniela Kerschbaumer in eine von der Gemeinde adaptierte Ordination im Rathaus am Rauterplatz einziehe und nicht nur den pensionierten Arzt Josef Moser ablöse, sondern auch gleich die Koordination der Notarztversorgung im Iseltal übernehme.

Gleichzeitig kündigte Köll in seiner Funktion als Obmann des Krankenhausverbandes eine komplette Neuaufstellung der notärztlichen Versorgung im Iseltal rund um Mairinger und den Flugunternehmer Roy Knaus an. Den bis dahin zuständigen Osttiroler Notarztverband aus niedergelassenen Ärzten – darunter Gernot Walder, Anton Huber und Cornelia Trojer – erklärte Köll im Iseltal für handlungsunfähig. Dolomitenstadt.at berichtete über Verlauf und Ausgang der Geschichte: Roy Knaus zog nach kurzem Intermezzo ab und auch Marcus Mairinger verlässt nun Matrei wieder in Richtung Salzburg. Seine Kollegin Kerschbaumer warf schon früher das Handtuch.

Statt Knaus und Mairinger managt jetzt das Rote Kreuz die Notarztversorgung, hoch dotiert mit einem Extrabudget des Landes. Ob das neue System effizienter ist, als das alte, ist wohl eine Frage der Perspektive. Teurer ist es in jedem Fall, das bestreitet niemand.

Neben der notärztlichen Versorgung geriet durch den Wirbel in Matrei auch ein zweites Standbein der medizinischen Nahversorgung der Bevölkerung ins Wanken: die allgemeinmedizinische Bereitschaft. Sie steht ein wenig im Schatten der Notarzt-Diskussion und hängt mit dieser zusammen. Beide Dienste werden oft in Personalunion geleistet, weil der Notarzt-Dienst relativ gut bezahlt ist, die „normale“ Bereitschaft dagegen schlecht dotiert.

Niedergelassene Ärzte sind verpflichtet, an Wochenenden auch Bereitschaftsdienste zu leisten. Auf freiwilliger Basis können solche Dienste auch wochentags in den Abend- und Nachtstunden angeboten werden. Im Iseltal übernahmen bisher Anton Huber, Cornelia Trojer, Gebhard Oblasser, Marcus Mairinger und Dieter Bogusch diesen Service abwechselnd an Wochentagen. Huber, Trojer und Oblasser kündigten ihre Verträge und Mairinger verlässt Matrei. Wie geht es also weiter?

Günter Atzl, Direktor der Tiroler Ärztekammer, freut sich über die rasche Nachbesetzung der Kassenstelle in Matrei und bedauert Lücken im Bereitschaftsdienst. Foto: Ärztekammer Tirol

Wir haben bei der Tiroler Ärztekammer nachgefragt. Deren Direktor Günter Atzl gibt vorweg Entwarnung im niedergelassenen Bereich: „Hier haben wir in Osttirol wenig Probleme. Wie in Abfaltersbach konnten wir auch die Kassenstelle in Matrei rasch nachbesetzen.“ Laut Atzl wird die Ärztin Elisabeth Golnar-Schuster demnächst die Kassenstelle von Marcus Mairinger übernehmen. Der Ärztekämmerer räumt aber ein, dass der Rückzug von Cornelia Trojer und Anton Huber aus der allgemeinmedizinischen Bereitschaft an Wochentagen eine Lücke hinterlässt, die derzeit nicht geschlossen werden kann.

Selbst wenn Dieter Bogusch und die neue Ärztin einige Dienste übernehmen, dürfte künftig bei gesundheitlichen Beschwerden der Matreier außerhalb der Ordinationszeiten nicht immer ein Arzt zur Verfügung stehen. „Einer oder zwei können das nicht machen,“ erklärt Günter Atzl. Die Ärtzekammer teilt die Dienste ein und auf ihrer Website ist bereits sichtbar, dass es in der ersten Jännerwoche in Matrei Lücken gibt. Tatsächlich bieten einige, aber nicht alle Tiroler Sprengel eine 7-Tage/24-Stunden-Bereitschaft niedergelassener Ärzte an, obwohl das wünschenswert wäre, wie der Direktor der Ärztekammer unterstreicht. Seit einer Woche gibt es auch eine offizielle Zusage der weiteren Kostenübernahme durch das Land. „Allerdings nur für ein Jahr“, informiert Atzl.

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16 Postings bisher
HussaHussaTrollolo

Köll hat hat wieder seine Fake-Accounts ausgepackt, wie peinlich.

spitzeFeder

Vielleicht sollte man seitens des Betreibers dieses Online-Forums eine andere Form von "DaumenHoch" und "DaumenRunter" überlegen...

Jeder Klick auf "stimme zu" oder "stimme nicht zu" nur möglich mit einer Begründung - sprich einem Kommentar bzw. einer Antwort auf den zu bewertenden "kritisierten" oder "befürworteten" Kommentar?

gerimesser

ein unglaublicher Zuwachs an „stimme nicht zu“, in wenigen Stunden (über Nacht) von 0 auf 23, 27, 28………, bei allen kritischen Postings, hatten wir das nicht schon des Öfteren? Die Maschinerie funktion anscheined immer noch

    Biker

    Da ist sicher ein bezahlter Kampfposter am Werk. In Indien gibts Firmen die bieten solche Dienstleistungen an :-)

Bellavista

Witzig. Innerhalb einer Stunde wie von Geisterhand plötzlich konstant 23 bis 27 „Nichtzustimmen“. Wo die immer herkommen? Hat fast wieder Charme (wenn‘s nicht so peinlich wäre)...

    steuerzahler

    Offensichtlich ist dem Matreier Bürgermeister nichts zu peinlich. Bei kritischen Äußerungen zählen nur die Gegenstimmen, ganz egal, wie durchsichtig diese Manöver sind.

Hui Buh

Notarztverband für "handlungsunfähig" erklärt? Wann oder wo? Und kommt Frau Dr Elisabeth Golnar-Schuster nicht aus dem BKH Lienz? Die ist doch dort in der Internen Abteilung tätig.

Franz Brugger

Gibt es so viele Graubereiche bei Gesetzen, Verordnungen?

Gibt es überhaupt formal eine Kontrollinstanz, in der Praxis scheint diese durch Rücksichtnahme oder Einfluß von Partei oder sonstiger Packelei nicht existent.

Die BürgermeisterInnen lassen nichts von sich hören, offensichtlich ist der AK in gewissen Bereichen sehr "praktisch" und hilfreich für diese.

Biker

Ein Dank gebührt den zuständigen Politikern! Ihr seid echt super und arbeitet immer zum Wohle der Bevölkerung und der eigenen Befindlichkeiten. Ein Wahnsinn was da auf dem Rücken der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung abläuft. Jedem Unternehmer würde man sofort Fahrlässigkeit unterstellen.

bla

"Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber." – Bertold Brecht Man hört nichts Gutes über Köll, trotzdem wird er gewählt. Kann mir bitte ein Matreier erklären wie so ein durchschnittlicher Köll-Wähler tickt? (Das ist keine rhetorische Frage, ich wills wirklich verstehen.)

    Biker

    Da gibts nichts zu verstehen man hat immer ÖVP gewählt und wird weiterhin ÖVP Wählen ohne Wenn und Aber. Die Partei gibt Unsummen für Marketing u. Messagekontrol aus. Die Wahlkämpfe werden nach neuesten Erkenntnissen der Werbestrategen ausgerichtet und der Wähler läuft dem "Messias" fast schon Sektenartig nach. Er wurde in der Stadthalle ja auch gesegnet (Kurz nicht Köll :-))

vitl

Ist der Ruf erst runiniert, lebt`s sichs gänzlich ungeniert... Ein schwarzes Loch, indem viele Millionen Euro verschwinden ist die eine, charakterlose, egoistische, opportunistische Sache. Dass nun aber, und davor wurde eindringlich von allen(!) Seiten im Vorhinein mit schlüssigen Argumenten gewarnt, tatsächlich dieser Engpass in der Versorgung eintritt, hat Andreas Köll allein zu verantworten und ist weder mit "flächemäßig zweitgrößte Gemeinde", "Kameralistik", oder einem "mehrheitlichen Gemeinderatsbeschluss" oder sonstwelchen Märchen zu rechtfertigen. Weniger Betten im BKH, ein zerstörtes Notartzsystem und ein paar Monate Kommunalsteueren - das Fazit eines totalen Desasters - das alles habe ich zumindest gehört, gelesen oder bei Dritten gesehen.

    Bellavista

    Aber trotzdem darf man die willigen Helfer auch nicht vergessen. Prim Mayr hat doch genickt und gesagt „Jaaaaa - ganz genau!“. Nur sehr wenige Bürgermeister haben öffentlich ihre Bedenken geäussert. Das Land hat sogar seinen Segen gegeben. Ich gebe Ihnen Recht, aber die anderen Herrschaften sollten sich auch fragen, was sie da mitgetragen haben!

bergfex

😞Wie lange wird A.K. noch ungestraft seine Spielchen spielen ???👎👎👎👎👎👎

spitzeFeder

Gut gemacht, Herr Bgm Köll. Die gesamte Iseltaler Patientenschaft bedankt sich vermutlich für den Wahn, den Sie aufgeführt haben: Huber, Trojer und vermutlich Kerschbaumer vergrämt, Mairinger hoffnungslos überfordert (aus eigener Erfahrung), Heli Tirol - wenn überhaupt - nur in der Hauptsaison verfügbar.

Frage an die Landesregierung: Herr Tilg, sind Sie jetzt zufrieden mit Ihrem so hochgelobten Notarztprojekt Iseltal?

Schämt euch. Und gesteht endlich Fehler ein, die begangen wurden.