In 20 Jahren 42 Prozent der Brutvögel verschwunden

Biodiversitätsrat schlägt Alarm und fordert Priorität im Regierungsübereinkommen.

Im Rahmen des Forums Biodiversität Österreichs in Wien präsentieren heute, 18. Dezember, die Mitglieder des Österreichischen Biodiversitätsrates ein Maßnahmenbündel, um das derzeitige Artensterben aufzuhalten.

Die Vielfalt der Arten und Ökosysteme nimmt weltweit, aber besonders auch in Österreich derzeit drastisch ab: In 20 Jahren sind 42 Prozent der Brutvögel in der heimischen Kulturlandschaft verloren gegangen, jede dritte Art steht auf der Roten Liste, rund 80 Prozent aller Arten und Lebensräume der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sind in einem ungünstigen Erhaltungszustand. „Die wissenschaftlichen Fakten sind eindeutig: Es ist allerhöchste Zeit etwas gegen den Verlust von Arten und natürlichen Lebensräumen zu tun“, sagt Johannes Rüdisser vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck. Die derzeitigen Gegenmaßnahmen oder auch politischen Zielsetzungen „reichen jedenfalls bei Weitem nicht aus, um Österreichs Biodiversität für die nächsten Generationen zu erhalten“, so Alice Vadrot vom Leitungsteam des Biodiversitätsrates.

Vor diesem Hintergrund hat der Österreichische Biodiversitätsrat, dem 22 renommierte Umweltforschende und ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis angehören, fünf Kernforderungen zum Schutz der Biodiversität in Österreich entwickelt: Sie fordern unter anderem die Ausrufung der „Biodiversity Emergency“ durch den Nationalrat, einen nationalen Biodiversitätsfonds, der mit einer Milliarde Euro dotiert ist sowie Biodiversität als Priorität im künftigen Regierungsübereinkommen.

„In der Landnutzung und Raumplanung müssen wir naturschädliche Förderungen und Subventionen durch biodiversitätsfördernde ersetzen, es braucht dringend eine sozial-ökologische Steuerreform, um Klima- und Biodiversitätsschutz gemeinsam und gleichrangig umzusetzen“, erklärt Franz Essl, Biodiversitätsforscher an der Universität Wien, „und eine wirklich umfassende Ökologisierung der Gesellschaft.“ Ziel ist es, den „Biodiversitätsverlust bis 2030 zu stoppen“. Bildung und auch die Wissenschaft müssten massiv gestärkt werden, so die ExpertInnen: Es brauche ein verlässlich finanziertes nationales Forschungsprogramm, ein Zentrum zur Erfassung der Artenvielfalt in Österreich und „ein Riesenplus im Bereich Wissenstransfer und Ausbildung“, so Christian Sturmbauer von der Uni Graz.

Als erster Schritt müssten europäische und internationale Verpflichtungen „endlich tatsächlich eingehalten werden“, sagt die Politikwissenschafterin Alice Vadrot. Darüber hinaus schlagen die ExpertInnen vor, den Schutz der Biodiversität durch ein Bundesrahmennaturschutzgesetz sowie ein Transparenzgesetz zu stärken: „Bei allen Investitionen und Gesetzen sollen die Auswirkungen auf die Biodiversität überprüft werden“, fordert Vadrot. „Auch Österreich braucht einen ‚Green Deal‘. Wir müssen die andauernde Biodiversitätskrise und die wissenschaftlichen Fakten endlich ernst nehmen und massiv gegensteuern“, sagt Ökologe und Biodiversitätsforscher Johannes Rüdisser.

Diese Kernforderungen werden im Rahmen des 2. Österreichischen Forums zu Biodiversität und Ökosystemleistungen in Wien präsentiert und mit den TeilnehmerInnen in Arbeitsgruppen diskutiert.


Weitere Informationen: Netzwerk Biodiversität

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