Kurz: Mehr Kompetenzen für Südtirol realistisch

Thema Doppelpass steht dagegen nicht mehr auf der Agenda der österreichischen Regierung.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hält die Rückholung verlorener Kompetenzen für Südtirol für realistisch. „Das ist den Südtirolern ein sehr wichtiges Anliegen. Entsprechend ernst nehmen wir das in Österreich“, sagte Kurz im Interview mit der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“. Das Thema Doppelpass stehe dagegen nicht mehr auf der Agenda.

Das umstrittene Vorhaben kommt im türkis-grünen Regierungsabkommen nicht mehr vor. „Die Südtiroler Volkspartei möchte dieses Thema weiterhin bei verschiedenen Gelegenheiten zum Thema machen und wir werden auch dazu im Austausch mit der SVP und der Südtiroler Landesregierung bleiben“, versicherte der Bundeskanzler aber gegenüber den „Dolomiten“. Einen Zeitplan für die Rückholung der verlorenen Kompetenzen, wie im Regierungsprogramm als Ziel festgelegt, gibt es laut Kurz vorerst nicht. „Nun gilt es, erstmal in Gespräche darüber einzutreten“, sagte er.

Kurz lobte die Südtiroler Autonomie einmal mehr als „Vorzeigemodell für Minderheitenschutz“. Südtirol sei ihm ein Herzensanliegen, betonte er. „Unsere Schutzfunktion und die traditionell sehr engen Beziehungen zwischen Österreich und Italien bieten uns die Möglichkeit, stets offene und gute Gespräche mit Rom zu führen“, so Kurz.

Zum Thema der Tiroler Lkw-Fahrverbote, die bei den Unternehmen in Italien und Südtirol auf Kritik stoßen, antwortete Kurz, dass große Teile der Tiroler Bevölkerung sehr unter dem Transitverkehr leiden würden. „Deshalb habe ich dem Land Tirol meine volle Unterstützung in Verkehrsfragen zugesagt. Es wird langfristig Lösungen brauchen, die die Bevölkerung entlasten. Wie diese im Detail aussehen, werden wir prüfen. Es ist auch klar, dass es weiterhin einen guten grenzüberschreitenden Dialog dazu geben wird“, erklärte der Kanzler.

In Bezug auf die Brenner-Grenze betonte Kurz einmal mehr, dass es zu keinen Änderungen in der bisherigen Migrationspolitik kommen werde. „Die Linie bleibt gleich. Solange es keinen konsequenten Schutz der Außengrenzen gibt, wird es an Binnengrenzen Kontrollen geben müssen. Uns ist natürlich bewusst, dass der Brenner historisch eine besondere Bedeutung hat, und wir gehen hier deshalb mit der nötigen Sensibilität vor“, so der Bundeskanzler.

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