„Niemand muss Angst haben, unbehandelt zu bleiben“

Primar Martin Schmidt meldet sich wieder aus dem BKH Lienz zu Wort.

Martin Schmidt leitet den „COVID-19-Einsatz- und Krisenstab“ am Bezirkskrankenhaus Lienz, der zweimal täglich zusammentritt und alle organisatorischen und strukturellen Angelegenheiten sowie die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Behörden koordiniert. Schmidt informiert mit einem offiziellen Bulletin die Medien. Wir veröffentlichen auch dieses zweite Statement im Wortlaut.

Primar Martin Schmidt informiert über die Arbeit des wohl wichtigsten Osttiroler Gremiums in diesen Tagen, des „COVID-19-Einsatz- und Krisenstabes“ im Bezirkskrankenhaus. Foto: BKH/Lugger

Primar Schmidt schreibt:

Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Organisationen und Behörden von Bund, Land, BH als Gesundheits- und Sanitätsbehörde sowie den Gemeinden läuft sehr gut, ebenso exemplarisch mit den niedergelassenen ÄrztInnen im Bezirk, den externen Screening- und Epidemieärzten unter Leitung Dr. Franz Krösslhuber, dem Test-Labor unseres KH-Hygienefacharztes Dr. Gernot Walder, dem ÖRK, der Exekutive, den Medien zur Weiterleitung notwendiger Informationen, u.v.a.m.

Ich möchte mich bei allen Systempartnern sowie insbesondere bei allen MitarbeiterInnen im Hause für ihren außerordentlichen Einsatz in diesen herausfordernden Zeiten bedanken.

Aktuelle Fallzahlen:

Von den 49 in Osttirol positiv getesteten Fällen befinden sich zwischenzeitlich ein(e) PatientIn auf einer Infektionsstation und ein(e) PatientIn unbeatmet auf einer Intensivstation. Beide PatientInnen sind stabil.

Am Stand der positiv getesteten MitarbeiterInnen aus dem BKH hat sich gegenüber Medieninformation 2020/1 nichts geändert: Diese befinden sich nach wie vor zur Gänze in Heimquarantäne.

Krankenhausbezogene Maßnahmen:

Krankenhausbezogene Maßnahmen bleiben gegenüber Medieninformation 2020/1 grundsätzlich unverändert. Seit heute steht zusätzlich zum KH-Personal permanent ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma am Triagepunkt 1 zur Verfügung. Dies wird auch in anderen Tiroler Krankenhäusern so gehandhabt.

Für die klinische Tätigkeit ist es wichtig, dass PatientInnen in den Triagepunkten 1 und 2 richtige Angaben zu ihren Symptomen und möglichen Krankheitsverläufen machen. Es muss niemand Angst haben, unbehandelt zu bleiben: Wenn eine klare Behandlungsindikation vorliegt, wird Jede(r) behandelt und dies auch dann, wenn man als Verdachtsfall eingestuft worden ist oder bereits ein positives Testergebnis auf COVID-19 vorliegen sollte. Alle PatientInnen erhalten selbstverständlich die gleiche Behandlung.

Hygienemaßnahmen:

Unsere Hygienemaßnahmen bleiben gegenüber Medieninformation 2020/1 unverändert. Schutzmasken und Schutzbekleidung sind aktuell ausreichend vorhanden und wir haben auch einen möglichen „Anteil“ für das BKH Lienz aus den heute und in den nächsten Tagen zu erwartenden Lieferungen aus China im Wege der Europaregion Tirol (Tirol/Südtirol) angefordert.

Veränderung von Versorgungsstrukturen:

Die Versorgungsstrukturen im BKH Lienz sind seit Medieninformation 2020/1 nach wie vor unverändert. Wir planen derzeit eine mögliche Ausweitung auf eine dritte Infektionsstation (oberhalb „SÜD-EG“ und „SÜD 1-West“) sowie einen möglichst ressourcenschonenden Personaleinsatz für mehrere Monate.

Seitens des Landes Tirol wurde uns mitgeteilt, dass ein Hotel in Krankenhausnähe (rd. 50 Zimmer) für „leichtere COVID-19-Verläufe“ (QuarantänepatientInnen) vom Land im Wege der Bezirkshauptmannschaft Lienz vertraglich angemietet bzw. organisiert werden könnte. Entgegen anderslautenden Meldungen/Medienberichten steht ein Innenstadthotel im Bedarfsfalle nur für negativ getestete Pflegebedürftige zur Verfügung, da in den nächsten Wochen bei einigen Personen die 24-h-Pflege wegbrechen könnte. Auch diese mögliche externe Struktur zu organisieren, liegt im Zuständigkeitsbereich des Landes Tirol und der BH Lienz.

Für das BKH Lienz sind diese möglichen externen Strukturen daher nur insoferne relevant, als wir mitteilen möchten, dass die Gesundheits- und Krankenpflegeschule Lienz für derartige Zwecke (im Einvernehmen mit den zuständigen Behörden) nicht zur Verfügung stehen wird.

Auch ein organisatorischer und personeller Einsatz von Krankenhauspersonal in diesen beiden Einrichtungen ist zur Zeit nicht möglich, da wir uns in unserer (vor allem personellen) Ressourcenplanung auf die mögliche Herausforderung der kommenden Wochen/Monate einzustellen haben.

Über weitere geplante Maßnahmen des Einsatzstabes werden wir Sie laufend informieren.

Mit freundlichen Grüßen
ÄD Prim. Dr. Martin Schmidt
Leiter des „COVID-19-Einsatz- und Krisenstabes“ im BKH Lienz

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6 Postings bisher
auslaender

Osttirol hat 48833 Einwohner, bei einer zu erwartenden 70%igen Durchseuchung mit SARS-CoV-2 ergeben sich 34183 Infizierte. Davon werden 5% beatmungspflichtig, ergibt 1709 Patienten die intensivmedizinisch betreut werden müssen. Die anästhesiologische Intensiv am BKH hat 5 Betten (die internistische ITS etwa nochmals etwa 5)

    osttirodler

    Selten so einen Schmarrn gelesen. Für sie haben die bestimmt ein Bett.

    hubert

    jetzt sind es nur noch 2 intensivbetten, der lh platter hat soeben 3 dieser betten an südtiroler abgetreten, aufgrund der hervorragenden partnerschaft (siehe pk), na dann 🤔

      spitzeFeder

      Siehe Titel dieses Berichtes: "Niemand muss Angst haben, unbehandelt zu bleiben." Ich finde es gut, dass wir helfen, solange wir Kapazitäten dafür frei haben. 👌🏻

skeptiker

So muss Information. Fakten, sachlich, unaufgeregt, Zahlen und keine nichtssagenden/zweideutigen Aussagen. Sehr gut Hr. Schmidt, weiter so.

Gilt auch für das Dolomitenstadtteam.

spitzeFeder

Danke Hr. Primar! Danke dolomitenstadt.at!

👏🏻👏🏻👏🏻