Bisher zeigen alle Corona-Infektionen im Wohn- und Pflegeheim einen „milden Verlauf“. Foto: Expa/Groder

Bisher zeigen alle Corona-Infektionen im Wohn- und Pflegeheim einen „milden Verlauf“. Foto: Expa/Groder

Osttirol: Falschmeldung über COVID-Sterbefall?

Der Verwalter des Wohn- und Pflegeheimes Lienz meldet sich zu Wort.

Am 31. März meldete die Pressestelle des Landes Tirol neben einer Reihe anderer Zahlen den ersten Todesfall durch eine Corona-Infektion im Bezirk Lienz. Auch dolomitenstadt.at hat diese Meldung übernommen.

Wir publizieren seit Beginn der Pandemie ausschließlich Zahlen aus überprüfbaren und/oder offiziellen Quellen. Zu diesen Quellen zählt für uns auch das Amt der Tiroler Landesregierung. Bereits kurz nach der Veröffentlichung ergaben unsere Recherchen, dass der im Pflegeheim Lienz verstorbene 68 Jahre alte Mann grundsätzlich einem jahrelangen schweren Krebsleiden erlegen ist. Weil er aber offenbar kurz zuvor positiv auf Covid 19 getestet wurde, wird er in der Statistik als Covid-Todesfall geführt.

Für den Verwalter der Osttiroler Wohn- und Pflegeheime, Franz Webhofer, ist diese Darstellung dennoch „schlichtweg falsch“ wie er heute in einer Medienaussendung betont. Webhofer: „Das zeigt, wie trügerisch die Statistik der COVID-19 Sterbefälle sein kann.“

Franz Webhofer: „Sehr beruhigend ist bislang der Zustand der infizierten HeimbewohnerInnen.“ Foto: Dolomitenstadt

Generell gibt sich der Verantwortliche Manager für die vier Osttiroler Wohn- und Pflegeheime optimistisch. Hier das aktuelle Statement – wie immer – im Original-Wortlaut:

Die umfangreichen COVID-19 Testungen im Wohn- und Pflegeheim Lienz haben neben zahlreichen negativen Befunden leider auch wieder positive Ergebnisse hervorgebracht. Derzeit sind insgesamt 19 Personen von einer COVID-19 Infektion betroffen. Sie erfahren eine engmaschige medizinische Versorgung und eine fürsorgliche Pflege durch das Pflegepersonal des Wohn- und Pflegeheimes Lienz.

Sehr beruhigend ist bislang der Zustand der infizierten HeimbewohnerInnen. Es treten keine typischen Symptome auf, so dass nach wie vor die Hoffnung nach einem milden Krankheitsverlauf besteht. Die kolportierte Meldung, dass der vor zwei Tagen verstorbene Heimbewohner ein COVID-19 Sterbefall sei, ist schlichtweg falsch und zeigt, wie trügerisch die Statistik der COVID-19 Sterbefälle sein kann.

Die Familien der HeimbewohnerInnen stehen mit der Heimverwaltung in Kontakt und werden über den Zustand ihrer Angehörigen laufend informiert. Das Vertrauen, das sie in die Pflege und medizinische Versorgung des Wohn- und Pflegeheimes haben, ist überwältigend. Für deren wertschätzende, moralische Unterstützung möchte die Heimleitung herzlich danken.

Das Personal ist derzeit besonders gefordert, weil die Schutzmaßnahmen den Arbeitsalltag erheblich belasten. In allen vier Heimen werden die Maßnahmen zur Vermeidung der Virusübertragung von allen strikt eingehalten, indem der oberste Grundsatz, die alten Menschen zu schützen, verinnerlicht wurde. Die Bereitschaft von bereits pensionierten Pflegepersonen zur Bewältigung der Mehrarbeit zur Verfügung zu stehen und das Angebot von Teilzeitkräften das Beschäftigungsausmaß zu erhöhen, geben Hoffnung, das hohe Versorgungsniveau für die HeimbewohnerInnen, auch in der gegenwärtigen Krisensituation sicherstellen zu können. Auch Küche, Reinigung und Wäscherei arbeiten auf Hochtouren zur Versorgung der alten Menschen im Heim.

Die COVID-19-Testungen bei den HeimbewohnerInnen und den Bediensteten werden umfangreich weitergeführt. Weiterhin liegt in den Wohn- und Pflegeheimen Matrei, Sillian und Nußdorf-Debant derzeit weder bei den BewohnerInnen noch bei den Bediensteten eine COVID-19 Infizierung oder ein Verdachtsfall vor.

Alle Hoffnungen beruhen nach wie vor auf einer effizienten Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen und vor allem auf einen milden Verlauf der Infektionserkrankungen bei den betroffenen Personen.

Für die Angehörigen der HeimbewohnerInnen des Wohn- und Pflegeheimes Lienz wurde eine eigene Hotline eingerichtet: Tel.: 04852/608-406 – erreichbar Montag bis Sonntag von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr und von 13:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Diese Hotline wird auch viel genutzt und hilft dem Informationsbedürfnis der Angehörigen in einfühlsamen und informativen Gesprächen mit zwei Mitarbeiterinnen der Heimverwaltung, gut begegnen zu können.

Lienz, am 01.04.2020, 17:00 Uhr,
Franz Webhofer, Verwalter

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16 Postings bisher
Majo

Statistik hin oder her, momentan wird jeder Todesfall einfach dem COVID 19 zugeordnet, ob man vom Zug überrollt wird oder vom Dach stürzt ist dabei scheinbar einerlei. Kann mal jemand genau definieren was beim Coronavirus die Todesursache ist ? Herzversagen, Organversagen, Erstickungstod, ..... das wäre auch einmal interessant zu wissen ....

spitzeFeder

Hier die Definition seitens des Gesundheitsministeriums (siehe Fußnote 1) : https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Neuartiges-Coronavirus-(2019-nCov).html

hachwoldhansl

Aus dem Gesundheitsministerium heisst es, dass jeder Verstorbene welcher auch mit dem Covid19 Virus infiziert war in die Statistik der Corona Todesfälle aufgenommen wird. Dazu kann ich mich nur dem Kommentar von @ Dreieck siehe unten anschließen 😉 Trotzdem jeder Tote ist einer zu viel!

Biker

Es ist doch so dass derzeit fast jeder Verstorbene über 70 als Covid19 Toter gilt. Es wird immer verlautbart dass die Leute an Vorerkrankungen gelitten haben, wer überprüft an was sie wirklich gestorben sind?

christoph03

DANKE Herr Webhofer für die RICHTIGstellung! Dies sollte aber auch in den großen Medienhäusern publik gemacht werden! Denn ein Sprichtwort besagt "glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" .....

    Dreieck

    Von bewusstem Fälschen kann man hier sicher nicht sprechen. Zählt man solche Zweifelsfälle mit, sagst Du, man würde das Ergebnis nach oben verfälschen. Zählt man sie nicht mit, sagt bald ein Anderer, man würde das Ergebnis nach unten verfälschen. Geschimpft ist immer leicht, so einfach ist das eben nicht mit der Statistik. Und alle Verstorbenen zu obduzieren wird kaum möglich sein, gerade in Fällen mit Infektionsgefahr.

      christoph03

      Statistiken können interpretiert werden wie man will bis sie zu einer/seiner Meinung passen... Deshalb das Sprichwort! ich sag ja nicht das hier bewusst gefälscht wurde, aber in Zeiten wo mit diesen Zahlen Ängste geschürt werden Tag täglich sollten schon die richtigen Zahlen am Tisch sein! Jeder der sein Leben lässt aus welchen Grund auch immer ist einer zuviel!

      Dreieck

      Es gibt bei einer Epidemie aber keine 100% "richtigen Zahlen", weil es unmöglich ist, alles richtig zu erheben. Die Infiziertenzahl ist sicher deutlich höher als offiziell angegeben weil wenig getestet wird (Dunkelziffer) und viele Infizierte gar keine Symptome haben, die Zahl der Verstorbenen ist möglicherweise zu hoch aufgrund Zweifelsfällen bei der genauen Todesursache. Also so gesehen sind beide Statistiken sicher nicht richtig, aber es wird erhoben, so gut es eben geht. Solange alle Fälle gleich behandelt werden und man weiß, was gezählt wird verstehe ich die Aufregung nicht. Einen machbaren Vorschlag für eine bessere Zählweise habe ich hier jedenfalls noch nicht gelesen? Und zwecks Ängste schüren kann man sich doch auf die Medien beschränken, die das nicht tun. Niemand wird gezwungen, oe24 zu schauen oder auf Facebook herumzuklicken. Finde z.B. nicht, dass auf Dolomitenstadt Panik gemacht wird.

osttirol20

Beunruhigend ist nur, dass diese Information schon wieder vom Land Tirol stammt und offensichtlich neuerlich nicht stimmt. Es muss doch endlich eine Informationsstelle geben die, die gesammelten Informationen fehlerfrei und zeitnah an die Bevölkerung weitergibt. Laut Tiroler Tageszeitung gibt es heute (01.04.2020) 1987 Infektionen in Tirol, dem Dashboard des Sozialministeriums ist zu entnehmen, dass es bereits 2453 sein müssten. Diese Ungenauigkeiten im Zusammenhang mit der hohen Infektionsrate finde ich sehr besorgniserregenden und zeigt zugleich augenscheinlich, dass hier nicht mit der nötigen Sorgfalt und Transparenz, entweder auf Bundes-, jedoch höchstwahrscheinlich auf Landesebene gearbeitet wird.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Herr Kurz endlich Experten in Tirol, anstelle der maßlos überforderten Landesregierung, zum notwendigen Schutz der Gesundheit der Bevölkerung einsetzt.

    Bobby

    Genauer lesen. Es wird überall angegeben , sogar auch offiziell auf der Tiroler Seite bzw. am offiziellen Dashboard. Am Offiziellen Dashboard werden ALLE Fälle seit Anfang an angegeben. Auf der Tiroler Landesseite nur mehr die aktuellen Infizierten, abgezogen bereits die Genesungen und Todesfälle.

    Da muss man sogar mal die Landesregierung loben, dass die Zahlen von dort weit aus transparenter bzw. genauer sind.

    Siehe auch die Zahlen von Hr. Dr. Walder + Dolomitenstadt, dort wird auch genau aufgelisten, was der aktuelle(!!) Stand ist.

miraculix

Offenbar hat sich noch nicht flächendeckend herumgesprochen, dass es ein gravierender Unterschied ist, ob jemand AN COVID19 oder MIT COVID19 stirbt ... Besonders in der Wahrnehmung der aus verständlichen Gründen besorgten und verunsicherten Bevölkerung. (Gilt nicht nur für Tirol ...)

    Tilda

    Stimmt, und wie ist das eigentlich bei den offiziellen Influenza-Todes-Statistiken? Mit oder an?

      christoph03

      dort wird bestimmt auch so vorgegangen bzw. Interessierts dann niemanden an oder mit einfach nur Grippe Vorerkrankt usw. aber auch die Berechnung der benötigten Intensivpatienten ist eigentlich falsch es heißt 5% der Infizierten benötigen die Intensiv... aber Infiziert ist nicht gleich Krank... man müsste die heranziehen die wirklich Symptome zeigen und davon....

Maik Eva

Seufzzz - Statistik und Corona !

bergfex

Wie Herr Webhofer richtig sagt, werden die Todesfälle einfach dem Corona angerechnet.

Kiew

Danke für die Richtigstellung!