Flucht vor dem Virus in die heimische Quarantäne

Zwei junge Matreierinnen schafften im letzten Moment die Heimreise aus Asien.

Sarah Resinger (25) und Elisa Brugger (23) würden eigentlich noch für mindestens drei Monate auf Südostasienrundreise sein. Der Konjunktiv steht hier natürlich aus uns allen nur allzu gut und alltäglich aufs Neue unmissverständlich und unfreiwillig erläuterten Gründen, die da von diesem nun nicht mehr ganz so neuartigen Virus ausgehen. Den Gesundheitsbestimmungen folgend und treu den doch von vielen aber leider bei weitem nicht allen eingehaltenen Selbst- und Fremdschutzregeln, habe ich mit den beiden Matreierinnen ein WhatsApp-Interview geführt, sie über ihre Reise in Zeiten von Corona, die etwas umständliche Rückkehr nach Österreich und die Zeit in der Quarantäne befragt.

Wie hat eure Reise vor Corona ausgesehen; was waren eure ursprünglichen Pläne für die Reise?

Ursprünglich wollten wir in vier Monaten mehrere Länder in Südostasien bereisen. Von den Philippinen über Indonesien, Singapur, Thailand, Vietnam, China und Korea nach Japan. Richtige Pläne hatten wir aber keine, wir wollten einfach drauflos reisen und so lange in einem Land bleiben, bis wir genug davon hatten. Woche für Woche planen  – war im Nachhinein auch besser so.

China mussten wir dann vor Reisebeginn schon streichen, aufgrund dieses neuartigen Virus‘, der in Wuhan ausgebrochen war. Anfangs dachten wir uns nicht viel dabei, belächelten ihn, wie so viele, sogar ein wenig. Wer hätte sich damals die jetzige Situation auch nur ansatzweise ausmalen können? Wer hätte gedacht, dass alles derart ausarten würde? Nein, wir sind gesund, haben ein gutes Immunsystem; haben genügend Medikamente, Desinfektionsmittel, Mundschutz, Handschuhe; alles mit; wir wissen wie wir uns auf öffentlichen Plätzen wie Flughäfen zu verhalten haben; wissen, dass wir Menschenmengen meiden sollen; dass wir uns nicht ins Gesicht greifen sollen, niemanden umarmen, keinem die Hände schütteln sollen, wir sind beide Krankenschwestern und waren der Meinung, wir sind gut vorbereitet … wird schon schiefgehen, dachten wir uns.

Wir wollten einfach drauflos reisen.

Am 27. Februar starteten wir, natürlich im Hinterkopf immer dieses Coronavirus, aber die Vorfreude überwog zweifellos. Nach 48 Stunden waren wir dann endlich auf den Philippinen und Corona war schon fast vergessen.

Wie wurde eure Reise, eure Gedanken und euer Handeln beeinflusst, als das Coronavirus immer bedrohlicher auf der Welt, auch hierzulande, wurde?

Auf den Philippinen schien vorerst alles völlig normal zu sein, niemand trägt einen Mundschutz oder Ähnliches. Laut den Einheimischen sind hier auf der Insel aber schon enorm viel weniger Touristen als sonst. „Corona kommt“, warnen uns unsere Guides immer wieder. In der zweiten Woche haben wir die Pläne für die dritte und letzte Woche auf den Philippinen festgemacht. Doch immer in der Früh als Erstes: der prüfende Blick aufs Handy, welche Neuigkeiten es bezüglich Corona und Einschränkungen von Staaten gab.

Nach und nach können wir Länder von unserer To-do-Liste streichen. Singapur, Korea, eventuell bald auch Japan, die Zahlen sprechen für sich. Unsere Familien halten uns immer auf dem neuesten Stand. So auch die Nachricht meiner Schwester, die ich Ende der zweiten Woche erhalten habe: Manila macht in zwei Tagen dicht. Keine Inlandsflüge mehr von und nach Manila. Man spürt, dass sich in der Unterkunft Panik breit macht, jeder will nur noch schnell weg und bucht Flüge von den Philippinen. Unterkünfte und Flüge für die letzte Woche hatten wir aber schon gebucht.

Trotzdem, sicher ist sicher. Wir treten die Weiterreise an. Die stellt sich aber als äußerst schwierig heraus, denn fast alle Flieger sind ausgebucht und die Preise schießen in die Höhe. Einige wenige Strecken stehen dann aber noch zur Verfügung und wir buchen völlig überteuerte Flüge, bekommen jedoch schon bald die Absage der Fluglinie. Ein letzter, extrem überteuerter und ungünstiger Flug ist unsere einzige Möglichkeit. 18 Stunden Zwischenstopp in Manila. Sechs Stunden vor Schließung des Flughafens heben wir dann ab und landen auf Bali.

Tag für Tag informieren wir uns über aktuelle Situationen auf der ganzen Welt. Achten noch viel penibler auf Hygiene als sonst. Bleiben meistens in der Unterkunft, die glücklicherweise einen Pool hat. Machen keine unnötigen Touren, gehen eigentlich nur zum Abendessen raus. Vor allem sind wir gespannt, wie es in Indonesien weiter geht. Noch scheint auch hier alles recht normal zu sein, nur weniger Touristen. So richtig entspannen und abschalten können wir aber nicht. Unsere Reise haben wir uns anders vorgestellt.

Wann und wie habt ihr euch dazu entschlossen, beziehungsweise, habt ihr davon erfahren, dass die Reise komplett abzubrechen ist?

Nach ein paar Tagen auf Bali bekamen wir wieder Nachrichten unserer Familien. Das Außenministerium fordere alle österreichischen Reisenden dazu auf, nach Hause zu kommen. Vietnam macht dicht. In Thailand und Indonesien wird die Lage genauestens verfolgt. Jederzeit können Grenzen geschlossen werden und wir säßen fest, wären auf einen Rückholflug angewiesen, und ob ein solcher überhaupt zustande kommt, wusste zu diesem Zeitpunkt auch noch niemand. Es war auch nicht mehr möglich, auf die benachbarten Inseln Balis zu reisen. Boote durften nicht mehr am Hafen anlegen. Es wird uns von Australiern berichtet, die auf einer Barke zu zwölft festsitzen. Sie dürfen nicht anlegen, Essen und Trinken wird ihnen nur über ein zweites Boot geliefert. Wir würden also auf Bali eine ganze Weile festsitzen.

Ein Abschied viel früher als geplant.

Schweren Herzens und nach etlichen Gesprächen mit der Familie, entscheiden wir uns schließlich nach Hause zu fliegen. Wir brechen unsere Reise nach dreieinhalb Wochen ab. Wir könnten auch alles aussitzen und abwarten, aber wer weiß, wie lange die Situation so bleibt? Wann werden die Sperren aufgelöst? Was wenn wir gar krank würden und doch auf die Hilfe eines Spitals angewiesen wären? Was wenn alle Hotels schließen müssen? Niemand konnte es wissen. Ja es ist die bessere und gescheitere Entscheidung nach Hause zu fliegen, ganz klar.

Wie sah das Prozedere der Rückreise nach Österreich aus?

Gar nicht so einfach. Ähnlich wie am Flug von den Philippinen gab es keine Sitzplätze mehr und das Ganze war wieder völlig überteuert. Umbuchungen waren nicht möglich, da die Telefonleitungen der Fluglinien völlig überlastet waren. Laut der österreichischen Botschaft in Jakarta müssen Flüge, solange sie noch zur Verfügung stehen, selber gebucht und bezahlt werden. Andere Flüge waren aber erst wieder in mindestens einer Woche verfügbar. Wer weiß, ob wir dann noch rauskommen? Wer weiß, ob dann Bali nicht schon dicht gemacht hat? Wir buchen auf gut Glück. Nur mehr drei Airlines fliegen nach Wien.

Mit einem der letzten Flüge schaffen wir den Sprung zurück nach Europa. Alle Fotos: privat

Man muss auf Transits achten. Viele Flüge werden zum Beispiel über Singapur angeboten – Transits dorthin sind aber nicht mehr möglich. Wir fliegen also mit dem allerletzten Flieger über Bangkok nach Wien, denn ab dem nächsten Tag wird in Bangkok ein Gesundheitszertifikat verlangt, das wir natürlich nicht haben. In den Flugzeugen wird uns immer wieder Desinfektionsmittel angeboten. Die Stimmung ist schon ganz anders als sonst, sehr angespannt, äußerst komisch, wie im Film.

Wie lebt ihr jetzt in der Quarantäne?

Angekommen in Wien muss sich ein jeder erst einmal mit seiner Unterschrift dazu verpflichten, sich sofortigst für mindestens 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Temperatur wird gemessen. Die Polizei steht beinahe an jeder Ecke. Fast schon unheimlich, diese Ausnahmesituation, diese Krisenstimmung. Man kommt sich wie ein Schwerverbrecher vor. Der Flughafen komplett leergefegt und verlassen und immer wieder die Durchsagen, sich schnellstmöglich auf direktem Weg nach Hause zu begeben, mindestens zwei Meter Abstand zu halten, et cetera, et cetera. Uns wird erlaubt von Wien nach Innsbruck zu fahren, mit dem Zug, mit genügend Abstand zu den anderen Zugreisenden. Kaum in Innsbruck angekommen, dürfen wir die Wohnung auch nicht mehr verlassen.

Nun ist die Quarantäne bald vorbei. Die Aussichten auf ein „normales Leben“ sind aber wohl für uns alle noch lange nicht gegeben.


Veit Rainer besucht das Gymnasium in Lienz und zählt zum Jungjournalisten-Team von dolomitenstadt.at

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3 Postings bisher
freekit78

leider nicht gut informiert

vsv

Wer Ende Februar noch zu so einer Reise in die genannten Länder aufbricht, dem ist nicht zu helfen. Da braucht auch niemand zu jammern, dass nur mehr überteuerte Rückflüge nach Österreich möglich waren.

    Oschtadio

    vsv meinst du so eine Reise kann man kurz vor Ende Februar buchen? Es dauert einwenig längerer Vorbereitungszeit als einfach nur so eine Reise zu planen.Und wie die zwei Mädels in ihren wohlverdienten Urlaub/Abenteuer gestartet sind hast du sicherlich auch diese Auswirkungen von Covit 19 selbst noch nicht bedacht. Alles Gute Mädels und bleibs Gesund dann könnt ihr die Reise sicher zu einem späteren Zeitpunkt wieder starten.