Stammt das Coronavirus von Gott?

Und wenn ja, gibt es ihn dann überhaupt? Eine Stammtischrunde diskutiert.

Am Laufenden zu bleiben, ist derzeit wichtiger denn je. Da man aber nicht ins Gasthaus darf, hab ich mir vor meinem Gasthaus einen Stammtisch eingerichtet. Das Wetter passt und die paar Wölkchen stören nicht.

Barkeeper ist der Kellner Leif, der stammt aus Island. Ihm ist nicht zu trauen, denn er verbreitet Unwahrheiten und sonst noch was über unser Heimatland. Die Gäste sind der Basti, der sitzt zu seiner Rechten und stammt aus Chile. Er trägt einen roten Pullover und einen schwarzen Pilzkopf, also Landesfarben. Der Gerald sitzt zu seiner Linken, er ist eher klein, schreibt sich aber groß. Er stammt aus der unterentwickelten Region Steiermark und trägt normalerweise einen Aluhut. In diesen Tagen aber leistet ein Tirolerhut den gleichen Dienst. Mit einer spitzen Feder. Sie tragen keinen Mundschutz, weil den Mund verbieten lassen sie sich nicht!

Der Basti, der Leif und der Gerald (von links) tragen keinen Mundschutz, weil sie sich den Mund nicht verbieten lassen! Illustration: Rudolf Ingruber

Für Speis und Trank ist auch gesorgt. Sie haben eine Flasche Co…, nein, nicht was Sie jetzt denken, eine Flasche Cola. Pepsi Cola. Und eine Tube Senf. Heute diskutieren sie die Theodizeefrage, quasi die Königsdisziplin der Theologie. Also, ob das Coronavirus von Gott stammt oder nicht. Und wenn es von ihm stammt, ob es ihn dann überhaupt gibt.

Kellner Leif: Gerald, du bist ja katholisch. Du glaubst an Gott.

Gerald (Tippt sich mehrmals an die Stirn, meint aber den Tirolerhut, wegen katholisch.)

Kellner Leif: Und der ist, wenn ich das richtig verstanden hab, allmächtig, allgütig und unendlich weise.

Gerald (Tippt sich wieder auf die Stirn, diesmal aber wegen unendlich weise.)

Kellner Leif: Und er hat uns das Coronavirus geschickt. Zufleiß.

Gerald: So kann man das nicht sagen. Eher als eine Strafe.

Kellner Leif: Dann ist er aber nicht allgütig.

Basti: Unendlich weise kann er auch nicht sein, denn bei dir ist er mit seiner Weisheit wohl am Ende.

Gerald: Gott ist noch viel weiser und allmächtiger. Er kann aus Todeln Professoren machen.

Basti: Das kann der Landeshauptmann auch. (Lacht.) Der war gut!!

Gerald: Der ist nicht von mir, der ist vom Aquinaten.

Basti: Du meinst die Aqua-nauten. Den Platter und den Tilg, die im Paznaun auf Tauchstation gegangen sind?

Gerald: Thomas von Aquin. Aquin-ate! In den „Quinque viae“. Den Fünf Wegen.

Kellner Leif: Wegen den fünf lass ich mir keine grauen Haare wachsen. Mir reicht’s schon mit euch zwei. Ich seh schon, ihr kommts nicht weiter, also schauts, dass weiterkommts. Wir gehen in eine kurze Gewerbepause, verbilligte Kleinanzeigen für Firmen, Spendenbutton unten, sind dann aber gleich zurück. Dann sprech ich mit wirklichen Insidern. Meine Damen und Herren, es bleibt spannend. Spannend wie mein Hemd.

Bleiben Sie dran, und bleiben Sie gesund!


Rudi Ingruber ist Kunsthistoriker, Leiter der Lienzer Kunstwerkstatt und freier Autor – auch für dolomitenstadt.at. Sein Corona-Tagebuch erscheint während der Zeit der „Corona-Krise“ in unregelmäßigen Abständen.

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7 Postings bisher
todo

Sehr geehrter Herr Ingruber, Ich habe das Interview wirklich mit Bauchschmerzen verfolgt, weil ich so lachen musste. Durch das „Hände-auf-den-Bauch-Halten“ habe ich jetzt einen Muskelkater! Danke Ihnen sehr dafür! Allerdings ist Ihnen ein Fehler unterlaufen. Der Herr Grosz hat nämlich bei Fellner-Live (bitte nicht verwechseln mit dem Kellern Leif!) gesagt, dass das Coronavirus eine chinesische Labordelikatesse sei. Wenn er es jetzt hier aber als Strafe Gottes ansieht, dann glaubt er ja, dass der liebe Gott ein Chinese ist und dann wäre das Virus ja eine Strafe der Chinesen. Das hätte er dann so gar nicht einfach sagen können, denn da hätte er eigentlich den Trump als Quelle nennen müssen!? Oder?

    Raphael Pichler

    Sie werden sich wundern, was außer Teigpatzen noch so "made in china" ist. Wer weiß, vielleicht sogar Tirolerhüte?

    Außerdem: Danke, dass Sie sich als Fan der Sendung Fellner Live geoutet haben...kein Wunder, dass Sie so gebildet sind.

      todo

      Seit Am dam des ist dies das erste Bildungsfernsehen, das ich zuhause empfangen kann!

      r.ingruber

      Oder spitze Federn. Die kann man sich auch an den Hut stecken.

      Talpa

      Hez werds Zeit, dass die Schule wieder losgeht, bevor die Arroganz überhand nimmt.

      senf

      ich hab neben teigpatzen noch mehr made in china entdeckt. haufenweise kleine stoffmurmel im souveniershop der nationalpark-tauernwelten in mittersill. gekauft werden sie hauptsächlich von chinesen. kreislerwirtschaft?

      spitzeFeder

      @ r.ingruber

      <>

      Da fühle ich mich jetzt persönlich angegriffen, bin mir aber keiner Schuld bewusst... 😊