Von verschnupften Sternen am Nörsacher Teich

Sie wissen nicht, was „Sternenrotz“ ist? Ein Osttiroler Naturdenkmal liefert die Erklärung!

„Als Sternenrotz oder Sternrotz wird umgangssprachlich eine gel- oder gelatine-ähnliche Substanz unsicherer Herkunft bezeichnet, die klumpenweise scheinbar vom Himmel gefallen ist und meist in offenem Gelände, seltener an Bäumen gefunden wird. Im englischen Sprachraum ist das Phänomen unter anderem als Star jelly und Astral jelly bekannt.“

So beschreibt Wikipedia ein Phänomen, das man auch in Osttirol beobachten kann. Und hier kommt die Auflösung der Frage, woher denn dieser Sternenrotz wohl kommt?

Wir begeben uns dazu zu einem Naturdenkmal, das ich bereits kurz vorgestellt habe: zum Nörsacher Teich an der Grenze zwischen Osttirol und Kärnten. Ein schöner Ort um Sterne zu beobachten – und am vergangenen Wochenende auch die Starlink-Satelliten von Elon Musk – aber mehr hat das Gewässer mit Astronomie nicht zu tun. Dennoch war ausgerechnet hier in den letzten Wochen auch der mysteriöse Sternenrotz zu finden! Für das Phänomen gibt es eine biologische Erklärung, die den kindlichen Gedanken von verschnupften Sternen leider entzaubert.

Sie sehen die Münze auf diesem Bild? Gleich daneben liegt etwas, das wie Kaviar aussieht und eine galertige, weiße Masse. Das schauen wir uns näher an.
Und hier haben wir unseren „Sternenrotz“, das letzte Überbleibsel eines Froschs! Fotos: Simon Legniti

Die schleimige schwarzweiße Substanz ist das letzte Überbleibsel eines Froschs! Wer genau hinsieht, erkennt den Laich (schwarze Kugeln) und zwei weiße Eileiter mit zarten roten Blutgefäßen. Frösche, die dieses Schicksal im Frühling erleiden, sterben allerdings keines „natürlichen Todes“. Im Frühjahr ziehen viele Amphibien aus ihren Winterquartieren zu den Laichgewässern. Bei den großen Distanzen, die oft zurückgelegt werden müssen, sind die Frösche für viele Greifvögel ein gefundenes Fressen.

Die Eileiter und der Laich sind für Greifvögel schwer verdaulich und werden deshalb wieder ausgewürgt. So findet man den Ursprung von Sternenrotz nicht am Nachthimmel, sondern im Innenleben von Amphibien. Neben dem Grasfrosch kommen im Teich auch noch der Teichmolch und der Alpen Kammmolch vor. Letzterer ist streng geschützt und kommt in der Region Osttirol nur mehr im Nörsacher Teich vor.


Simon Legniti studiert Naturschutz und Biodiversitätsmanagement. Er schreibt an einer Masterarbeit über Osttirols Naturdenkmäler und bittet unsere Leserinnen und Leser, sich bei ihm mit Vorschlägen für mögliche Naturdenkmäler zu melden, im Idealfall mit Ortsangabe, kurzer Beschreibung und einem Foto an: simon.legniti@gmail.com.

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1 Posting bisher
Murmele

Das sind ja interessante Informationen, selbst für einen naturbegeisterten Menschen! Da aber noch nicht so lange im schönen Osttirol lebend, frage ich mich, wo dieser Nörsacher Weiher liegt? Habe ihn weder auf einer Karte noch GoogleMaps gefunden... 😢

Vielleicht kann Simon oder jemand Anderer mir freundlicherweise einen Hinweis geben? Danke!