Leserbrief: Lasst den Kindern ihre Kindheit

Die Lehrerin Irmgard Gärtner plädiert für ein zusätzliches Volksschuljahr.

Mit sehr ungutem Gefühl verfolge ich die (gut gemeinten) „Aktionen“, unseren Kindern zu helfen, all die Lücken nach der Corona-Krise zu schließen: Sommer-Schule, Intensivkurs bes. für Deutsch, Arbeiterkammer gibt Nachhilfe für „nur 10 Euro“, etc., …

Fakt ist, dass all diese Bemühungen NICHT mit den vertrauten Volksschullehrern passieren sollen, sondern mit „schulfremden Personen“. Das soll nicht abwertend sein, aber alleine zur Feststellung der „Lücken“ braucht es großen Aufwand; … das ist wertvolle Zeit, die den Kindern von ihrer „Freizeit“ gestohlen wird.

Auch und besonders (Volksschul-)Kinder brauchen unbedingt auch „kreative Langeweile“ und nicht einen durchstrukturierten Terminkalender wie ein Manager!

Mein Vorschlag, den ich schon (vor der Corona-Krise) mit vielen LehrerkollegInnen und Eltern diskutiert habe:

SCHENKEN WIR DEN KINDERN DOCH EIN ZUSÄTZLICHES VOLKSSCHULJAHR!

Mit diesem 5. Jahr in der Volksschule hätten wir sozusagen 7 auf einen Streich:

  1. mehr Zeit für die Schuleingangsphase
  2. mehr Zeit, um Grundlagen für die 1. Klasse endlich ohne Zeitdruck zu erarbeiten
  3. mehr Zeit für kreative Fächer wie musische und bildnerische Erziehung
  4. endlich Zeit, um die tägliche Turnstunde in der Praxis auch halten zu können
  5. mehr Zeit für Lesen, Lesen, Lesen
  6. endlich auch Zeit, um in der Volksschule Theater zu spielen und aufzuführen
  7. mehr Zeit, um die SchülerInnen wirklich gut auf die weiterführenden Schulen vorbereiten zu können. Und dazu braucht es: Wiederholung – Übung – Wiederholung

…… Englisch, andere Fremdsprachen, Musikinstrumente, etc., etc., …. noch gar nicht angeführt.

In der Volksschule würde dadurch so viel (Zeit-)Druck herausgenommen. Wir Lehrpersonen hätten nicht ständig das Gefühl, der Zeit, dem Lehrstoff, dem „das-müssten-wir-auch-noch-erarbeiten-vertiefen-üben“ hinterher zu laufen. Genau dieses Gefühl bringt so viele an den Rand des „Burn-out“!!!

Corona hat vielen Menschen Zeit geschenkt. Schenken wir unseren Kindern doch auch Zeit, ihre Kindheit leben zu können! Genau jetzt wäre der Zeitpunkt einfach ideal, weil die „Volksschule mit 5 Jahren“ einfach all diese Probleme lösen würde!!!

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Heinz Faßmann!
Ich hoffe sehr, dass Sie diesen Vorschlag zur Diskussion aufnehmen. Er kommt von der „Basis“. Ich bin schon fast 40 Jahre im Schuldienst – und es ist nach wie vor mein Traumberuf!!! Ich wünschte, dass es auch für die jungen KollegInnen so bleibt!

Irmgard Gärtner, Feldkirchen

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8 Postings bisher
Koal

Top Vorschlag ! Damit Kinder wieder ein bischen mehr Kinder sein dürfen. Vorallem wäre dann wirklich auch Platz für Musik, Sport und Spiel !!! Bitte diesen Leserbrief an die Politik weiterleiten !

Astrid123

Sie sprechen mir aus der Seele! Zuviel Stoff in zu kurzer Zeit, der kann nicht richtig sitzen! Den Kindern mehr Zeit schenken ist der richtige Weg. Im Moment kann man sich nur mit der verlängerten Schuleingangsphase helfen und die 1. oder 2. Klasse wiederholen. Schule und lernen sollen Spaß machen, die volksschule sollte für Kinder und Eltern nicht Stress bedeuten...

SusiCat-frankfurt

... 5 Volksschuljahre sind eine gute Idee ! Ich, mittlerweile fast 70 Jahre, konnte dies vor vielen Jahren probieren ... die Einschulung wurde von Ostern auf den Termin nach den Sommerferien verlegt ... es gab die möglichkeit nach einem kurzen 4.Jahr zu wechseln, ich wechselte erst nach 5 Jahren in die weiterführende Schule ... es war ein gewinn fürs ganze Leben ! Ich war selbstbewußter, habe mich hauptsächlich auf meine Interessen in Richtung Naturwissenschaften engagiert ... Sprachen und Deutsch vernachlässigt ! Sprachen habe ich problemlos in späteren Kursen und vielen Reisen gelernt ... Deutsch durch lesen, lesen lesen inzwischen liebe ich eigene Wortschöpfungen ! unser Sohn sollte sogar 1 Jahr überspringen, er lernte so gut und mit begeistertem Interesse ... da habe ich gesagt: wenn lernen meinem Sohn so gut tut, werde ich ihn doch nicht bestrafen ! Habe Schulbefreiungen beantragt für familiäre "Bildungsreisen" ... und es ist ein Gewinn fürs ganze Leben geworden ! thomasguthmann.de Kinder brauchen Zeit und Gelegenheit "Leben" zu lernen !

sattmann

Nachdem sich die Lehrergewerkschaft, welche nunmal die Interessensvertretung der Lehrer ist, geweigert hat, dass in den Fenstertagen gearbeitet werden muss, wird man auf schulfremde Personen rückgreifen müssen ...

    beobachter52

    Bitte bei der Wahrheit bleiben! Die Lehrer konnten selber entscheiden, ob sie an den Fenstertagen unterrichten würden - und viele (fast alle) waren bereit dazu! An vielen Schulen wurde auch unterrichtet - und an einigen die Eltern befragt! "Komisches Ergebnis": fast überall waren die Eltern mit großer Mehrheit (3/4 und mehr) für (!) schulfrei ....

    S-c-r-AT

    So einen Quatsch zu verbreiten müsste eigentlich unter Strafe gestellt werden. Diese Fenstertage wurden bereits eingearbeitet, trotzdem hatten fast alle Schulen im Bezirk geöffnet. Schämen Sie sich für diese Minderschätzung aller Lehrer und Lehrerinnen.

Cha447

Das Schulsystem selbst gehört schon lange evaluiert. Vom Minister angefangen...... Viel zu viele "schulautonome" Tage. Von Inhalte ganz zu Schweigen. Jahre lang immer nur "blabla". Unterm Strich wer leidet ......... die Schüler. Warum ...... Politik 😖

lachtaube

Liebe Frau Gärtner, danke für Ihre mutige Anregung! Ich schließe mich Ihrer klar begründeten Empfehlung gerne an.