„Mitarbeiter nennt man heute Kostenposition“

AK-Präsident Zangerl kritisiert den massiven Stellenabbau im Swarovski-Konzern.

Der Abbau von Beschäftigten beim Kristallkonzern Swarovski trifft nicht nur den Wirtschaftsstandort hart. „Es geht hier um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihren Familien und es geht hier um menschliche Schicksale“, so AK Präsident Erwin Zangerl. Für ihn ist das Unternehmen ein Paradebeispiel dafür, wie sich wirtschaftliches Denken in den Konzernen verändert hat: „Diejenigen, die man früher Mitarbeiter genannt hat, heißen jetzt ‚Kostenposition‘. Damit die Dividende stimmt, muss die ‚Kostenposition’ angepasst werden, das heißt, es wird gekündigt.“

AK-Präsident Erwin Zangerl sieht eine Stimmungsänderung in der Swarovski-Dynastie. Der Sozialgedanke rücke immer weiter in den Hintergrund. Foto: AK Tirol/Friedle

Vor der Corona-Krise kündigte man an, Beschäftigte abzubauen. Als Corona kam, setzte man auf Kurzarbeit und erhielt dafür umfassende Staatshilfe in Millionenhöhe. Jetzt hat man die Kurzarbeit verlängert und die Zahl der Gekündigten soll weiter steigen. „So lassen sich ‚Kostenpositionen‘ natürlich verbessern – man holt sich Geld vom Steuerzahler, kündigt Mitarbeiter und produziert dann eben in Niedriglohnländern wie Serbien oder Thailand“, sagt Zangerl. Denn die Dividende müsse stimmen: Nach Angaben der Wirtschaftswoche aus dem Jahr 2018 werden jährlich geschätzte 100 Millionen an die Gesellschafter ausbezahlt.

Für Zangerl ist in diesem Zusammenhang aber auch die Rolle der Standortagentur Tirol zu hinterfragen. „Die Standortagentur wirbt damit, aktiv Wachstum und Innovation anzutreiben. Nach dem Job-Kahlschlag stehen im Raum Wattens Fachkräfte zur Verfügung, deshalb wäre das ein idealer Standort für Betriebe aus diesem Segment. Bisher habe ich aber noch von keinen innovativen Plänen gehört, wie den Menschen in der Region geholfen werden soll“, kritisiert der AK Präsident.

Positiv sieht Zangerl das rasche Eingreifen des Landes in Form einer neuen Arbeitsstiftung, um Betroffenen zu helfen. Wermutstropfen dabei ist, dass für die Sanierungspläne des Unternehmens wiederum Steuergelder verwendet werden müssen. „Ebenso fehlt mir ein klares Bekenntnis des Unternehmens zu einem konkreten Sozialplan. Letztlich kann man ja davon ausgehen, dass bereits für nächstes Jahr Geld zurückgelegt werden muss, um die nächste Arbeitsstiftung zu finanzieren“, so Zangerl.

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1 Posting bisher
senf

schon mal was von betriebskosten - kostenplan mit kostenpositionen gehört, herr präsident?

sie sollten den kontakt zu ihrer buchhaltung vertiefen!

sie sollten auch an den "innovativen Plänen" - wie man den Menschen in der Region helfen soll und könnte - konstruktiv mitarbeiten und nicht nur fordern