Im Innsbrucker Landhaus fand am Freitag ein Krisengespräch des Swarovski-Managements mit Vertretern des Landes und der Sozialpartner statt. Fotos: Land Tirol/Berger

Im Innsbrucker Landhaus fand am Freitag ein Krisengespräch des Swarovski-Managements mit Vertretern des Landes und der Sozialpartner statt. Fotos: Land Tirol/Berger

Swarovski-Taskforce ändert nichts an Stellenabbau

Insgesamt 1800 Kündigungen bis 2022 – Massive Gewerkschaftskritik nach Krisengespräch.

Nach der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus bei Swarovski hat im Innsbrucker Landhaus am Freitag ein Krisengespräch des Konzerns mit dem Land und Sozialpartnern stattgefunden. Dabei wurde die Einrichtung einer Taskforce bestehend aus allen wesentlichen Playern beschlossen. An den für Herbst angekündigten 1.000 Kündigungen hält der Kristallkonzern indes fest.

Ziel sei jedoch ein Abbau in Schritten, erklärte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bei einem Pressestatement nach der Unterredung. Swarovski-Geschäftsführer Robert Buchbauer meinte darauf angesprochen: „Darüber ist in der Taskforce zu reden.“ Über die bestmögliche Unterstützung der Betroffenen werde jedenfalls in den nächsten zwei Wochen in dem Gremium diskutiert. Die Arbeitsgruppe soll aus Arbeitsmarktservice (AMS), der Konzernspitze und dessen Betriebsrat, der Unternehmensstiftung AMG und Landesvertretern bestehen. Man werde sich über Instrumente abstimmen, die den 200 bereits gekündigten und weiteren 1.000 im Herbst zur Freisetzung vorgesehenen Arbeitnehmern zugutekommen sollen, so Platter und Buchbauer unisono.

Die Arbeitsgruppe, die vom Tiroler AMS-Chef Anton Kern geleitet wird, solle über einen möglichen stufenweisen Abbau der 1.000 Stellen beraten, schickte Platter voraus. Wichtig sei zudem, Klarheit zu schaffen, welche Abteilungen in welcher Dimension betroffen seien, fügte Arbeitslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) hinzu. „Wir arbeiten an einem Maßnahmenbündel, bestehend aus Beratung, Begleitung und Orientierung – nicht nur für Stiftungsteilnehmer“, erklärte Palfrader. Am 10. August wolle man ein Paket an Individualförderungen und Arbeitsstiftungen beschließen.

Ziel sei es, Arbeitsplätze zu sichern und gemeinsam Maßnahmen zu ergreifen, um Tirol als Hauptstandort des Tiroler Paradeunternehmens zu sichern, betonte LH Platter. „Wattens ist als Hauptstandort gewährleistet, hier liegen die Kernkompetenzen des Kristallkomponentengeschäfts“, versicherte Swarovski-Chef Buchbauer. Wattens Bürgermeister Thomas Oberbeirsteiner zeigte sich trotz der schwierigen Zeiten optimistisch: „Wir wollen für Swarovski weiterhin der beste Standort sein.“ Er zähle auf finanzielle Unterstützung für die Gemeinde und gute Zusammenarbeit.

Swarovski-Boss Robert Buchbauer über die Kündigung von in Summe 1800 MitarbeiterInnen: „Wir versuchen möglichst sanft vorzugehen.“ Foto: Land Tirol

Buchbauer nutzte den Gipfel mit dem Land, um erneut die Gründe der Unternehmensführung für den massiven Abbau darzulegen. „Starker Konkurrenzdruck im Kristallkomponentengeschäft setzt uns schon seit mehr als zehn Jahren stark zu“, erklärte der Konzernchef. Die Coronakrise sei ein massiver Beschleuniger und habe in den Monaten März und April zu Umsatzeinbrüchen im Endkundengeschäft von bis zu 90 Prozent geführt.

Die „Redimensionierung“ erfordere drastische Maßnahmen. 1.800 Stellen sollen am Stammsitz in Wattens bis 2021/22 gestrichen werden. „Der Abbau betrifft alle Hierarchieebenen und ist standortübergreifend“, sagt Buchbauer. „Wir haben in diesem Jahr weltweit bereits 600 Mitarbeiter freigestellt“, relativierte Buchbauer den geplanten Stellenabbau am Hauptstandort. „Eine große Zahl an Kündigungen löst immer eine Lawine aus“, wehrte sich der Unternehmenschef gegen Kritik. „Wir versuchen möglichst sanft vorzugehen.“ Nun sei aber die Zeit gekommen, Zahlen auf den Tisch zu legen und nicht nur mehr Ankündigungspolitik zu betreiben, hielt der Swarovski-Boss an dem Vorgehen fest.

Buchbauer verwies zudem auf den seiner Meinung nach sehr gut dotierten Sozialplan: „Wir nehmen über 60 Millionen freiwillige Mittel in die Hand, die Unterstützung geht weit über das gesetzliche Minimum hinaus.“

Ein bitteres Fazit des Gipfelgesprächs zwischen Land Tirol und Sozialpartnern auf der einen und Swarovski auf der anderen Seite hat Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth gezogen. „Die Unternehmensführung ist in vielen zentralen Fragen Antworten schuldig geblieben“, holte Wohlgemuth zu scharfer Kritik an dem Kristallkonzern aus.

Es sei nach wie vor unklar, welche Betriebsteile konkret von den angekündigten Kündigungen betroffen seien, meinte der ÖGB-Chef. Die Beschäftigten seien „nach wie vor im Ungewissen“. Der Eindruck, dass die Unternehmensführung weitreichende Entscheidungen aus der Hüfte treffe, habe sich jedenfalls vertieft, bilanzierte Wohlgemuth die Unterredung. Auch manifestiere sich für ihn der Eindruck, „dass hier Profitgier über dem Verantwortungsbewusstsein steht“. „Die Werte, für die das Traditionsunternehmen einmal bekannt war, sind offensichtlich auch schon ausgelagert worden“, ging der ÖGB-Chef mit Swarovski hart ins Gericht.

Rund um den massiven Stellenabbau bei Swarovski tut sich offenbar eine Nebenfront auf. Es würden sich vermehrt Swarovski-Beschäftigte melden und Zweifel an der Korrektheit ihrer Kurzarbeitsabrechnung äußern, teilte die Gewerkschaft GPA-djp am Freitag mit. Der Kristallkonzern betonte gegenüber der APA hingegen seine „absolute Transparenz“.

„Wir werden jedem Verdacht auf Kurzarbeitsmissbrauch bei Swarovski nachgehen. Leider fürchten viele Beschäftigte die Kündigung, daher melden sie sich anonym, was die Überprüfung erschwert“, erklärte GPA-djp-Bundesvorsitzende Barbara Treiber. Man appelliere an die Beschäftigten, sich bei Zweifeln an der Kurzarbeitsabrechnung zu melden.

Bei Swarovski zeigte man sich ob der Vorwürfe gelassen. Der Kristallkonzern stehe für „absolute Transparenz“ und deshalb auch „jeder Überprüfung durch die zuständigen Behörden offen gegenüber“.

Der Kristallkonzern hatte am Dienstag angekündigt, im Herbst in Wattens von den derzeit noch bestehenden 4.600 Stellen weitere 1.000 abzubauen. Mittelfristig würden am Hauptsitz rund 3.000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll sich der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringern. Mit dem massiven Personalabbau war in den vergangenen Wochen und Monaten gerechnet worden. Bereits Ende Juni hatte Swarovski bekanntgegeben, rund 200 Arbeitsplätze in den Bereichen Marketing und Vertrieb zu streichen. Am Montag sollen die betroffenen Mitarbeiter per E-Mail von ihrer Kündigung informiert worden sein. Diese Vorgangsweise sowie die Kündigungen an sich führten zu massiver Kritik der Tiroler Oppositionsparteien, sowie von Gewerkschaft und Arbeiterkammer.

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