Tirol: 2,72 Mio. Euro Förderung für Milchkuhalmen

Zudem soll ein Gütesiegel für Almprodukte für Werbung und faire Preise sorgen.

Das Land Tirol hat zur Erhaltung der Melkalmen ein Unterstützungspaket geschnürt. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kündigte am Mittwoch bei einem Pressegespräch auf einer Melkalm im Bezirk Innsbruck Land einen Zuschuss von 120 Euro pro aufgetriebener Milchkuh im heurigen und kommenden Jahr an. Dafür sollen insgesamt 2,72 Mio. Euro aufgewendet werden.

Zudem solle ein Gütesiegel für Almprodukte für Werbung und faire Preise sorgen. „Tirols Almen sind ein unverzichtbares Kulturgut, das wir in seiner Vielfalt unbedingt erhalten müssen“, betonte der Landeschef beim Pressegespräch auf der auf fast 2.000 Metern Höhe gelegenen Markis Hochalm im Voldertal. Mit rund 2.100 bäuerlich bewirtschafteten Almen sei Tirol das Almenland Nummer 1 in Österreich. Rund 40 Millionen Liter Almmilch würden jährlich auf den Tiroler Almen produziert, das entspräche drei Vierteln der in Österreich produzierten Almmilch.

Als „unverzichtbares Kulturgut“ sehen Landeshauptmann Günther Platter (links) und Landesrat Josef Geisler Tirols Almen. Das Land stellt deshalb zusätzliche Fördermillionen bereit. Foto: Land Tirol/Berger

„Bei annähernd gleichbleibender Zahl aufgetriebener Rinder ist die Anzahl der Milchkühe auf den Tiroler Almen jedoch deutlich, nämlich um fast zehn Prozent, zurückgegangen“, gab LHStv. Josef Geisler (ÖVP) zu bedenken. Die Anzahl kleinerer Milchalmen mit bis zu 20 Milchkühen habe sich sogar fast halbiert. Die Gründe dafür lägen auf der Hand: die Preise seien niedrig, der Aufwand hoch.

Sabine Kössler, Almbäuerin der Agrargemeinschaft Haglachalm (Bezirk Innsbruck Land), bestätigte: „Die Kühe müssen zwei Mal pro Tag gemolken werden – ich fahre jeden Abend 13 Kilometer auf die Alm und verbringe die Nacht dort, um die Kühe in der Früh zu melken. Dann fahre ich nach Hause und kümmere mich um die Landwirtschaft“. Dennoch verbringe in Tirol jede zweite Kuh den Sommer auf der Alm. „Es gibt nirgends so viele Milchalmen wie in Tirol“, hob Josef Lanzinger, Obmann des Almwirtschaftsvereins Tirol, hervor.

Landeshauptmann Platter zeigte sich solidarisch mit den Milchbauern: „Das offizielle Land Tirol steht voll hinter euch.“

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17 Postings bisher
Chronos

@unholdenbank, überspitzt formuliert, jedoch den Milchkreislauf auf Ihre unholdenbank`ische Weise beschrieben, kann ich einiges abgewinnen! Ein Lächeln meinerseits (-über die spitze Feder) war sohin nicht zu vermeiden…

Der Werbegag und die Imagekorrektur von Platter und Geisler – Milchalm, die eine heile (Tiroler) Welt vorgaukelt - ist mehr als durchsichtig! Und das selbst beim schwarzen Kernklientel. In diese Kategorie gehört auch die ÖVP-Werbebotschaft „Tirol haltet z`amm“, welche an jeden Haushalt versendet wurde. Am heutigen Hohen Frauentag wird, wiederum medienwirksam, der gleichnamige Song von der schwarzen Landesregierung vorgestellt. Trifft sicher nicht meinen Geschmack, obwohl ich den Song nicht gehört habe.

Das am Boden liegende Ansehen der Tiroler Regierungsmitglieder sollte mit Steuergeld aufpoliert werden. Der Aufwand dieser Imagekorrektur aus Steuermitteln sollte als Bonus und Dankeschön besser an die Corona Systemerhalter (z.B. Kassiererinnen von Lebensmittelgeschäften usw.) ausbezahlt werden! Die Reputation von Platter, Geisler, Tilg, Zoller-Frischauf, Felipe wird aus meiner Sicht nicht mehr gelingen –„haben alles ?richtig? gemacht!“ Die Schwächen Platters und dessen Personalpolitik (festhalten an den verstaubten Reg.Mitg.) sind in der Corona-Krise deutlich an die Öffentlichkeit gelangt.

Die Almwirtschaften der Bauern gehören aus meiner Sicht jedenfalls gefördert. 2,7 Mio. Euro ist ein Anfang. Weniger Sinnvolles wird ansonsten in Tirol auch gefördert. Ein funktionierendes System für die Milchbauern sollten von den Bauernvertretern installiert werden. Ist es nicht möglich, dass die Bauern ausreichend für ihre Milchproduktion Abgeltung erhalten? Ohne Mitschnitte von Handel und anderen in der Lieferkette. Und ohne Milchschwemme am Markt. Ist da nicht ein österr. Weg möglich? Kann die Politik dem gewichtigen Handel nicht in die Schranken weisen? Nicht der Handel, sondern die Bauern sollten bei der Milchproduktion verdienen! Wozu sind die Bauernvertreter da? Sind Bauernbundobmann Geisler, LK Tirol-Präsident Hechenberger und Co nur für schöne Bilder und schmalzige Worte zu haben?

    nikolaus

    Hör dir den Song ruhig einmal an

    (https://www.youtube.com/watch?v=QCzJC7dKVUo)

    und bilde dir deine eigene Meinung dazu. Und vergiss nicht, als gelernter Osttiroler die Künstler*innenliste nach Osttiroler Beteiligung zu durchforsten.

    ... eben "(Nord)Tirol Haltet Zsamm" ...

      senf

      hast schlecht recherchiert, ich komm da auf ein anderes ergebnis. aber gehts dir wirklich darum?

      nikolaus

      Wenn du den Werner (inzwischen ausgewandert ins Nordtiroler Unterland) meinst: Der macht das Kraut auch nicht mehr fett! Es fehlte denen da draußen in Innsbruck einfach an nötiger Sensibilität gegenüber der Exklave Osttirol. Diese Sonderstellung kann man mit keinem anderen österreichischen Bezirk vegleichen. Da geht es nicht um Geld, sondern um "Gefühle".

    senf

    @chronos, jetzt übertreibst doch ein bisschen. warum sollten der handel und die lieferkette nicht am milchprodukt mitschneiden? auch sie erbringen eine leistung. ich werd mein milchkanderl jedenfalls nicht mehr zum bauern bemühen.

    wenn die milchbauern ihre produktmenge weit über den marktbedarf liefern, rächt sich das am preis. verantwortlich dafür ist nicht der kunde, sondern die erzeuger, die von ihren hochgezüchteten rindvieh immer mehr abverlangen. dafür gibts ein weiteres blechwapperl auf der stalltür - vom kammersekretär perönlich aufgenagelt. richtig, davon hat der bauer nichts. ausser höhere tierarztkosten und jammer.

    wie wärs, mit verträglicher tierzucht, mit produktionsreduktion oder sogar -stop? hin bis zum gerechten erzeugerpreis? aber nein, das braucht man ja nicht. zumindest so lange der steuerzahler über ausgleichszahlungen und förderungen die ausfallshaftung trägt. es wär höchst an der zeit, dass die bauernkammern zukunftsweisende und marktorientierte lösungen für die landwirte entwickeln. dafür sind sie da, es braucht die politik nicht, sie mischt sich auch nicht in die marktpreise der industrie, oder hat tatsächlich jemand einen geförderten kühlschrank oder eine beisszange zu hause?

    osttirol hatte eine erfolgreiche und gut funktionierende molkerei mit regionalen qualitätsprodukten. die genossenschaften hatten sich auf ihre gemeinschaftlichen aufgaben konzentriert, die lieferwege und kühlketten möglichst kurz gehalten und gute erzeugnisse angeboten - wie es andere regionen auch heute noch tun.

unholdenbank

ACHTUNG @Chronos: Diesen Artikel NICHT !!! lesen. Wenn man zulässt, dass die Bauern nur ein Paar Netsch für ihre Milch bekommen um diese dann als Lockangebot in Supermärkten verramschen zu können, ist klar, dass man hinten herum diesen Irrsinn unterstützen muss. Auf diese Art hat jeder seine Freude. Die Molkereien, weil sie fast nichts zahlen müssen, die Supermarkketten, weil sie weiterhin mit einem Nahrungsmittel Kohle machen können, die Bauern, weil sie zwar als Bettler, aber doch letzten Endes zu ihrem Geld kommen und vor allem die Politiker und Bauernvertreter, weil sie mit fremdem Geld als Wohltäter dastehen können. Blechen tut diesen Sumpf erst wieder der Bürger. Diesem bleibt dann die scheinbare Wahl, am Regal sich dagegen zu entscheiden. Wogegen aber? Gegen die Bauern, gegen die Molkereien, gegen die Handelsketten, gegen die Politiker und Bauernvertreter oder gar gegen sich selbst und keine Milch zu kaufen.

    steuerzahler

    Das derzeitige System macht alle Bauern zu Sklaven und fördert nur Großkonzerne. Der eigentliche Produzent bekommt fast nichts, die Handelsketten schreiben den Preis vor und streifen unanständig hohe Gewinne ein. Wir Konsumenten dürfen dann mit unserem Steuergeld Förderungen bezahlen. Letztlich fördern wir aber nicht die Bauern, sondern indirekt die Konzerne.

amRande

Ein 'unverzichtbares Kulturgut' hat das offizielle Land Tirol verscherbeln lassen, nämlich unsere Lienzer Molkerei. Ich frage mich noch heute, warum sich unsere Bauern(vertreter) das damals gefallen lassen haben. Jetzt den Bauern medienwirksam ein paar Nätsch zu verpassen, damit sich diese widerwärtigen Luderkühe auf die Alm bewegen, ist nicht viel mehr als der durchschaubare Gag, eine abtriftende Klientel für die nächsten Wahlen bei der Stange zu halten.

    steuerzahler

    Wo waren da eigentlich die Grünen beim Verkauf der Molkerei und deren anschließender Demontage? Angesichts vieler zusätzlicher Transporte und damit verbundener, vermeidbarer Umweltbelastung hätte ich mir zumindest ein paar Vorschläge erwartet. Aber Hauptsache gegen den Autofahrer vorgehen, Diesel stigmatisieren und sonstigen Unsinn verbreiten.

      unholdenbank

      Das ist, wieder einmal wie üblich, nicht wahr. Anlässlich des Verkaufes der Molkerei Lienz an die Tirol Milch hat es massive Proteste von seiten der Grünen gegeben. Und genau auf diesen Unsinn des Hin- und Herkarrens der Milch hat man darauf hingewiesen. Aber, wie es halt in "Demokratien", wie Tirol eine ist, üblich, wurde das hinweggewischt. Weil :" Mia tian wos mia welln, gell". Und selbst, wenn es @Chronos nicht passt: "Tarroul keahrscht ins". Und gegen die Autofahrer vorgehen: Ja das mit den Autofahrern wird wohl so weitergehen, bis die Umwelt voll im Eimer ist. Hauptsache wir können immer und jederzeit hinfahren, wohin wir wollen. Selbst zum Preis der Eigenausrottung.

      mirnixdirnix

      Kärnten-Milch kaufen, die fährt nur halb soweit.

      Franz Brugger

      Ein unnötiger Reflex. In Tirol haben die Schwarzen das Sagen (und zu der Zeit der Einstellung der Molkerei ausschließlich!).

      Vielleicht wäre ein paar Jahre später die Entscheidung anders ausgefallen. Aber die Grünen hatten damit NICHTS zu tun, wenn man den Verkauf als Fehler (unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse sieht) dan muss man die Schuld den schwarzen Mandern geben.

Biker

Macht es Sinn die Produktion von Milch zu fördern?

Ich denke da wird eher die Wählergruppe der Bauern bei Laune gehalten.

    phoenix

    Warum sollte es keinen Sinn machen?! Schonmal daran gedacht, dass in 15 Jahren die Almen zugewachsen sind, wenn sie nicht mehr bewirtschaftet werden? Wo wirst du denn dann biken, Hr. Biker?

      Biker

      Wenn man die Überproduktion auch noch fördert dann wird der Preis sicher steigen? Eher steigen die Wählerstimmern der Türkis/Schwarzen Partei!

      Und die Almen werden genauso zuwachsen wie sie dort zuwachsen wo es keinen Bauern interessiert seine Almflächen zu mähen und zu bewirtschaften.

      Im übrigen sind Almflächen nicht zum Biken geeignet und werden von mir auch aus Naturschutzgründen nicht befahren! Ich halte mich da an die Wege wo ich fahren darf und für deren Wegerhaltung ich auch bezahle!

    baur.peter

    die überproduktion fördern... bitte erst denken dann maulen, macht es einen unterschied ob die kuh zuhause oder auf der alm gemolken wird? überwiegen nicht klar die vorteile wenn dieser produktionsweise auf almen ein wenig unter die arme gegriffen wird? die überproduktion müßte man in gunstlagen, die andere produktionsmöglichkeiten hergeben würden regeln, nicht im alpinen grünland.

      Biker

      @baur.peter Ob die Kuh auf der Alm oder im Stall gemolken wird macht da keinen Unterschied. Tatsache ist dass die Überproduktion in Österreich stark gefördert wird und damit indirekt der Milchpreis nach unten gedrückt wird.

      Die ÖVP ist wieder auf Imagetour und will mit schönen Bildern die Realität überpinseln - wahrscheinlich um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken und die Kernklientel bei Stange zu halten.