Gedichte von Josef Pedarnig: Ansprechen, nicht aussprechen

„Wie in der Weite das Auge am Horizont forschend und lichtgeblendet das Ufer taumeln sieht.“

Ein rein visuelles Erlebnis ist hier beschrieben, es erzeugt ein Bild, das der Autor Josef Pedarnig allerdings nicht nach seiner Vorstellung und auch nicht nach der Betrachtung der Natur, sondern nach dem Gemälde eines Freundes geformt hat. Das Bild auf der Leinwand mit jenem im Kopf zu vergleichen ist möglich, aber nicht nötig, denn so sehr die Übereinstimmungen auch überraschen, es kommt auf die Abweichungen und aufzufüllenden Leerstellen an. Die Mitarbeit des Lesers ist hier gefordert.

Nach dem 2017 veröffentlichten Roman „Paco – Gespräch mit dem Alten“, der auch auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde, widmet sich das kürzlich erschienene Buch wieder den lyrischen Ambitionen des 1937 geborenen Schriftstellers. „Gedichte und Haikus“ deutet schon am ansprechend gestalteten Buchdeckel mit der Abbildung eines Mosaiks von Peter Niedertscheider an, was den Leser erwartet: Bilder, gezeichnet aus Licht und Schatten, in denen sich das nur scheinbar Ewige am Vorübergehenden bewährt.

Josef Pedarnig präsentiert sein jüngstes Buch, Gedichte und HAIKUS. Foto: Brunner Images

Ansprechen, nicht aussprechen, lautet Pedarnigs dichterische Strategie. Unausgesprochen mischen sich Töne, Gefühle, sogar Gerüche in das Erlebnis, jedoch nicht beim ersten und wahrscheinlich auch nicht beim zweiten Lesen. Man stellt sich ein Bild vor, das man schon kennt, entdeckt ein Detail, dann ein zweites und drittes, das Bild verändert sich und wird größer. Das gemeinsame Motiv der außergewöhnlich variantenreichen Gedichte ist die Zeit, die wie „ein Hauch von Geschehen der Welt das Wachsen erklärt“, nur um an vereinzelten Erscheinungsformen der vier Elemente das Flüchtige, Unfassbare und Unbegreifliche zu konkretisieren.

Die Versform reicht vom rhythmisch eingängigen spanischen Trochäus, der aus der Romanzendichtung vertraut ist, bis zum japanischen Haiku, der „kürzesten Gedichtform der Welt“: aus fünf, sieben und wieder fünf Silben gebildete Dreizeiler, in denen der Kunstliebhaber u. a. mit den vor beinahe 30 Jahren entlang der Isel in St. Johann aufgestellten Steinskulpturen ins Gespräch tritt. Pedarnig hat den heute fast vergessenen Zeugnissen eines internationalen Bildhauersymposiums bereits 2007 einen exklusiven Bildband gewidmet.

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amRande

Immer wieder spannend, vom Doyen der Osttiroler Literatur und Mitbegründer der Lienzer Wandzeitung etwas zu hören! Seine hochsensiblen, intelligenten und hintergründigen Texte ordnen sich wie mühelos in ein sprachliches Gewand, das sich schlussendlich als kongenialer Partner mit den durchaus eigenwilligen Inhalten vereinigt. Weiter so! (Übrigens: Wie man hört, gibt es demnächst auch von Uwe Ladstädter ein Buch?)