Harald Haider (links) erläutert im Lienzer Gemeinderat die letzten Schritte der Drauradweg-Sanierung. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Harald Haider (links) erläutert im Lienzer Gemeinderat die letzten Schritte der Drauradweg-Sanierung. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Sanierung des Drauradwegs demnächst abgeschlossen

Gesamtkosten 2,1 Millionen Euro. Lienzer Gemeinderat diskutiert Leitsystem.

Ende Oktober 2018 richtete ein zweitägiges Unwetter in Osttirol schwere Schäden durch Sturmböen und Hochwasser an. Massiv betroffen war auch das Pustertal, wo die Drau in Sillian einen Jahrhunderthöchststand erreichte. Die Wassermassen und mehrere Hangrutschungen zerstörten auch Teile des Drauradwegs, der in den Sommermonaten von bis zu 150.000 italienischen Radgästen frequentiert wird und deshalb als touristische Schlagader gilt.

So sah der Drauradweg nach dem Unwetter aus. Foto: Baubezirksamt

Bei der Lienzer Gemeinderatssitzung am 25. August präsentierte der Leiter des Baubezirksamtes Harald Haider in seiner Funktion als Obmann des Vereins Radwege in Osttirol die letzte Stufe der Sanierung dieser touristischen Schlagader und gab auch einen Überblick über die Kosten. Sechs Millionen Euro wurden insgesamt aufgeboten, um die Unwetterschäden entlang der Drau zu beseitigen. Allein für den Radweg fielen 2,1 Millionen Euro an Sanierungskosten an, von denen gut eine Million aus Landesmitteln für den Katastrophenschutz abgedeckt wurden. Zusätzlich überwies das Land Tirol 630.000 Euro unter dem Titel „Radwegeförderung“.

Die verbleibenden 430.000 Euro mussten vor Ort aufgebracht werden. Man einigte sich auf eine „Drittelfinanzierung“. 140.000 Euro übernahm der TVB Osttirol, weitere 140.000 Euro die Stadt Lienz, die dieses Geld in zwei Tranchen 2020 und 2021 überweist. Das letzte Drittel finanzieren mit 110.000 Euro die übrigen Anrainer- und Talbodengemeinden und mit 30.000 Euro die Firma Papin Sport von Karl Schmidhofer, der in Innichen tausende Fahrräder an italienische Ausflügler Richtung Lienz vermietet. Anmerkung von FP-Gemeinderat Sepp Blasisker während der Präsentation: „Loacker ist als einer der Profiteure ungeschoren davongekommen.“

Aufwändig ist die Radwegsanierung auch deshalb, weil ein sieben Kilometer langes Teilstück von der orographisch rechten auf die linke Seite der Drau verlegt werden musste. Dazu wurden zwei große Brücken gebaut, ausgeführt mit blockverleimten Holzträgern, wie Haider anmerkte. Das neue Teilstück war bislang provisorisch geschottert und wird ab 21. September asphaltiert. Dann ist die Sanierung abgeschlossen.

Dringender Handlungsbedarf besteht allerdings weiterhin bei der Lenkung der vielen Radtouristen. Das war auch der Schwerpunkt der Diskussion im Lienzer Gemeinderat. Harald Haider versprach zumindest für den Drauradweg Besserung: „Die Beschilderung ist eine blanke Katastrophe“, gestand der Obmann des Radwegvereins. Ein erster Konzeptvorschlag sei vom TVBO wegen zu hoher Kosten abgelehnt worden, jetzt gebe es aber einen allseits akzeptierten Fördervertrag für die Konzeption einer neuen Beschilderung. Aber, so Haider: „Lienz muss ein eigenes Konzept entwickeln, auch das ist unbedingt notwendig.“ Der Verein ist nur für die überregionalen Radwege zuständig. Gemeinderätin Gerlinde Kieberl erinnerte daran, dass ein solches Konzept aus dem Jahr 2014 bereits vorliege: „Aber das alles greift nicht ineinander.“

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9 Postings bisher
Spanidiga

@frin glaube bist untertags nie in der Stadt...oder ?...sind viele unterwegs....und alles nur NICHTRADLER....wird nicht jeder gleich hunderte € ausgeben....aber...jeder sicher einiges....das viele ihr Rad abgeben und dann die Stadt bevölkern ist ja unmöglich....glaube das wir in keinster Weise jammern dürfen...in Lienz ist liegt nicht nur Sonne in der Stadt....sind irgendwie auf der Sonnenseite....und Sonne ergibt halt auch abundzu Schatten...der halt dann auch zu ertragen ist...

frin

Wie viel % Mehreinnahmen bringen die italienischen Radtouristen dem heimischen Tourismus?

Ich finde es als Einheimischer sehr schade, dass der Radweg für mich einige Monate nicht befahrbar ist und es wäre interessant zu wissen, ob sich dieser Verzicht bzw. die teilweise rießigen Investitionen in den Radweg denn für die heimische Wirtschaft auch tatsächlich lohnt, oder die meisten nur den Weg zum Bahnhof kennen und sofort wieder heimfahren.

Jetzt mit der neuen geplanten Umfahrungen an der Stadt vorbei, direkt zum Bahnhof...

    le corbusier

    die heimische Wirtschaft ist leider sehr verschlafen und wartet immer ab bis der Tourist direkt auf der Matte steht. Wenn nit, ja dann ist der Radlweg schuld. Brauch man nur Papin anschauen. Der karrt seine Radl mit 4-5 Anhängern täglich auf und ab und kann daher auch 30 000 in den Radlweg investieren. Ein paar positive Beispiele gibt´s schon (Loacker, Gallitzenklamm) aber diese touristische Lebensader könnte man noch wesentlicher stärker anzapfen. Aber anstatt man die Radtouristen gezielt dort hinführt, wo sie auch Geld ausgeben könnten, verlegt man die Route ins hinterste Eck um die Einheimischen nit zu stören. Oder anderst gesagt: das Ziel des Radweges sollte die Liebburg sein und nicht die alten Rossbacher Öltanks.

      senf

      @le corbusier, lienz ist in der glücklichen lage, den "zieleinlauf" einer schönen radwegroute zu haben, umgekehrt gesehen, ist gerade dieses stadtflair mit der bahnrückfahrt für die radfahrer ein tolles abschlusserlebnis. wir können alles hinterfragen, zerreden oder uns einfach über den erfolg dieses tourisischen agebots für unsere destination freuen.

      wir sollten das heurige jahr wegen der bauarbeiten vergehen lassen und dann nach der fertigstellung des leitsystems mit der radwegbeschilderung abwarten. ich denke, dass dies dem stadtmarketing gelingen wird und man dort daran arbeitet, auf die besonderheiten von lienz hinzuweisen und auch die diversen serviceeinrichtungen zu schaffen oder zu verbessern.

      und wir sollten zudem mit der zweiflerei und besserwisserei aufhören und endlich an den erfolg glauben - auch wenn nicht immer alles wie ein rad rundläuft und wenn wir schon mit allen möglichen werbemitteln gäste zu uns einladen, sollten wir sie auch willkommen heissen und als gäste behandeln.

      @beobachter52, gut beobachtet!

    hubert

    da muss ich dir voll und ganz zustimmen, ich sehe es fast als geldverschwendung, schließlich zahlt es wieder die allgemeinheit, da gebe es doch viel interessantere touristische projekt. nach den nächsten unwettern ist der radweg eh wieder nicht benutzbar. dann werden wieder viele millionen euro für die instandhaltung investiert, für was letztendlich??

    beobachter52

    Warum jammern die Osttiroler eigentlich (fast) immer? Dass der Radweg im Sommer "nicht befahrbar" ist, ist absolut falsch! Man muss nur den Stosszeiten ausweichen: Um 9 Uhr fährt der große Schwung in Innichen weg, die ersten kommen vielleicht um halb 12 nach Lienz. Vorher sind die einzelnen Abschnitte praktisch frei! Und nach 14 Uhr ist ab Sillian "Ende der Kolonne", etwa ab 16 Uhr in Thal und um 18 Uhr in Lienz! Man könnte also ausweichen - in die kühlen Morgen- und Abendstunden ...

    unholdenbank

    @frin: Um das sicher zu wissen müsste man jeden Kunden befragen - peinlich und unnötig. Die TVB-Superrechner können das sicher beziffern - die können eh alles. Und in Italien sind die oberen Adriastrände für die Italiener im Hochsommer sicher auch ein Horror mit den bierbäuchigen Österreichern. Die sind oft auch recht anstrengend. Und eins steht fest: Der Radweg bringt weit, weit mehr Touristen nach Osttirol, als der viel gepriesenen Osttirodler, die downhill-Strecken, das Museum Schloß Bruck etc., welche auch viel Subventionen verschlingen. Weiters gibt es in Osttirol sattsam Ausweichstrecken für Radler. Im Sommer fährt man eigentlich eh lieber am Morgen, da ist auch im Drautal wenig los. Italiener stehen nich so früh auf. @Spanidiga: Stimme voll zu. Auch ich ärgere mich manchmal über die Undiszipliniertheit der italienischen Radler - es ist aber zu ertragen. Selbst, wenn jeder nur einen Espresso oder ein kl. Bier trinkt, Kleinvieh macht auch Mist. Und wenn die Lienzer Gastronomen zu unbeweglich sind um am Ende der Fahrstrecke einen Erfrischungsstand zu installieren, dann sind sie selber schuld.

beobachter52

Das "Leitsystem" ist eine Katastrophe! Schon bei den Bahnhöfen beginnt es! Immer wieder sieht man verzweifelte Radtouristen, die (auch mit Kindern - und tw. gefährlich auf der Bundesstraße!) die Bahnhöfe in Abfaltersbach, Mittewald oder Thal suchen ...

ando

Bei Beschilderung durch die Stadt durch - Ri Kärnten - muss schleunigst was passieren... immer wieder stehen Radtouristen irgendwo bei der östlichen Stadteinfahrt und fragen nach dem Weg nach Kärnten ... fast zum Fremdschämen ... 😕😑

Ein ordentliches leitsystem kann ja wohl nicht so schwer sein ... ?!?!?