GTI-Wahn: Touristiker träumen von autofreiem Faaker See

„Revolutionäres Konzept“ stößt aber auf Skepsis. ÖVP-Politiker fordern Härte gegen Rowdies.

Nach dem stärksten, inoffiziellen GTI-Herbsttreffen, das der Kärntner Zentralraum je erlebt hat und bei dem es hunderte Organmandate und Anzeigen hagelte, steigen Touristiker rund um den Faaker See auf die Barrikaden. Am Donnerstag präsentierte der örtliche Tourismusverband ein Konzept für eine verkehrsberuhigte Zone rund um den See, mit der getunte Boliden möglichst ausgebremst werden sollen. Ob das Vorhaben aber auch umgesetzt wird, war vorerst völlig unklar.

Durch die Redebeiträge am Faaker See zog sich am Donnerstag ein Thema, das Kärnten schon seit Jahrzehnten beschäftigt, wie ein roter Faden: Nämlich der Spagat zwischen Autofans, die die Zwischensaison beleben, und den teils massiven Nebenwirkungen, die diese mit sich bringen. Gummi gebende Autos, aufheulende Motoren und gefährlich beschleunigende Fahrzeuge nerven nicht nur Anrainer.

„Es ist nicht auszuhalten“, kommentierte Michaela Tiefenbacher, die Vorsitzende des Tourismusverbandes Finkenstein am Faaker See. Die Hotelbetten seien zwar voll – aber die Inhaber der Beherbergungsbetriebe könnten sich Beschimpfungen anhören, wenn sie zu dieser Zeit „GTI-Gäste“ beherbergen. „Natürlich ist jeder Gast willkommen. Aber wir haben seit Jahren eine Runde da, die wir nicht in den Griff bekommen und die auch nicht in den Griff zu bekommen ist“, sagte Tiefenbacher. Nicht zuletzt deswegen hatte am Wochenende auch der Besitzer des großen Arneitz-Parkplatzes, einem Hotspot am See, die Autofans ausgesperrt.

„Is schon still uman See?“ Am Faakersee soll das Kärntnerlied auch im Sommer Wirklichkeit werden. Foto: Wikicommons

Georg Overs, der Geschäftsführer der Region Villach Tourismus GmbH, verweist darauf, dass viele Gastronomiebetriebe wohl einen Rekordseptember verzeichnen würden – aber zu welchem Preis? Immerhin habe es zahlreiche Beschwerden von Gästen gesetzt, die hier ihren Familienurlaub verbrachten, nicht wenige seien auch genervt vorzeitig abgereist. „Wir sind keine Destination für Motorsport“, formulierte es Tiefenbacher, diese Form des Tourismus würde die Bemühungen, die unberührte Natur rund um den See zu präsentieren, ad absurdum führen.

Um die Region vielleicht nicht mehr ganz so „autofreundlich“ zu präsentieren, holte Tiefenbacher deshalb ein Konzept aus der Schublade, das dort bereits seit einigen Jahren liegt. „Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür gekommen“, glaubt sie. Dieses Konzept würde das Ortsbild rund um den See zumindest in den Sommermonaten völlig umkrempeln. Vorgesehen ist, dass die Straße rund um den See für den Durchzugsverkehr gesperrt wird. Eine Fahrspur würde Fußgängern und Radfahrern zugesprochen werden. Geht es nach den Touristikern, so flanieren Gäste künftig auf einer verkehrsberuhigten Promenade, derzeit ungenützte Leerflächen würden belebt – als freie Seezugänge, Theaterplätze oder Open-Air-Kinos.

Ein revolutionäres Konzept – das allerdings noch komplett am Anfang steht. Der Finkensteiner Bürgermeister Christian Poglitsch (ÖVP), selbst Touristiker, ist skeptisch. „Ich glaube nicht, dass wir mit Straßenumbauten das Problem in Kärnten in den Griff bekommen werden“, meinte er, die GTI-Auswüchse würden sich im Handumdrehen auf andere Straßen und Plätze im Zentralraum verlagern. Wie seine Parteikollegen in Land und Bund fährt er die Linie, dass es härtere Strafen gegen Raser und Lärmerreger brauche. Und was die Umsetzung der verkehrsberuhigten Zone angeht, müsse man natürlich auch die Finanzierbarkeit – speziell in budgetär schwierigen Zeiten – im Auge haben.

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2 Postings bisher
bergfex

Warum machen diese Idi.ten das Treffen nicht am Nürburgring oder in Ingolstadt??

    miraculix

    Vielleicht dürfen sie dort das, was sie bei uns machen, einfach nicht ...

    Im Außerfern gibt es seit Mitte des Jahres (endlich) Fahrverbote für die allerlautesten Motorräder. Das ist gut so und wird hoffentlich ausgeweitet. In Deutschland geht man da aber einen anderen Weg: Fahrverbot für (alle) Motorräder auf einer ganzen Reihe von besonders beliebten Motorradstrecken. Begründung: Unzumutbare Belastung durch Lärm.

    Ähnlich schaut es bei den Strafen aus: Da sind die Tarife in Ö ein "Trinkgeld" gegen die in DE oder CH, und in Italien wird ein "getuntes" Fahrzeug ziemlich schnell beschlagnahmt. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch noch eine Lücke, durch die man schlüpfen kann, wenn es um in Ö verhängte Verkehrsstrafen geht ...