Ist Schutz von Risikogruppen besser als ein Lockdown?

„Risikogruppen schützen“ läuft auf eine Isolation alter und kranker Menschen hinaus.

Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr haben sich nicht nur die Abwehrstrategien gegen die Pandemie weiterentwickelt und verfeinert. Zunehmend wird auch erkannt, dass mit dem Kampf gegen das Virus – wie auch immer man seine Gefährlichkeit einschätzt – zentrale ethische, soziologische und gesellschaftspolitische Fragen in den Fokus rücken.

Es gilt abzuwägen, ob jedes Mittel zur Eindämmung der Virusverbreitung recht ist, oder ob neben gesundheitlichen und wirtschaftlichen nicht auch andere Nebenwirkungen sorgsam bedacht werden müssen. Aktuell sind es zwei verletzliche Gruppen unserer Gesellschaft, um die wir uns besonders sorgen. Zum einen die Kinder, denen der so wichtige Lebensraum Schule verwehrt wird, zum anderen die sogenannten „Risikogruppen“, deren Schutz als Lebensrettung interpretiert wird. Doch leben ist mehr als nicht sterben. Vor diesem Hintergrund kommentiert RiffReporterin Carina Frey einen oft gemachten Alternativvorschlag zum Lockdown.

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5 Postings bisher
unholdenbank

Interessant ist, dass plötzlich im Gefolge der Krise die Schulen als Hort der unglaublichen Wichtigkeit für die Kinder erscheinen, wogegen sie in Vor-Corona-Zeiten ein Hort der Grausamkeiten von Seiten der Lehrer waren. Stichworte gefällig: "Ernst des Lebens", "Frontalunterricht", "zynische unfähige Lehrpersonen", "Lehrerpersonal", "Weiterbildungsmuffel", "altvatrischer Unterrichtsstil" und anderes mehr. Was versteckt sich hinter diesem Sinneswandel? Etwa die Angst, plötzlich den ganzen Tag zu Hause mit den Kindern umgehen zu müssen? Oder die Angst der Wirrrrrtschaft, nicht mehr grenzenlos über die Arbeitskraft beider Eltern und die Geldtaschen der Schüler verfügen zu können? Oder die Angst, dass die Kinder plötzlich nachzufragen und nachzudenken beginnen, was zu Hause wirklich läuft ? Wenn man sich an Vor-Corona-Zeiten erinnert gab es doch für die Kinder und auch Eltern nichts schöneres als schulfrei, Ferien und sogar Lieder darüber (keine Schuhule mehr). Plötzlich ist Schule das Wichtigste für unsere Jugend. Ja, da kommt man ins Grübeln über so viel Inkonsistenz um nicht zu sagen soziologische Inkontinenz und ergo darf man den Kindern den so wichtigen Lebensraum Schule nicht verwehren, Tststststs !

    JuWo

    Hast du Kinder? Welche, die noch zur (Grund)-Schule gehen?

    Es geht hierbei nämlich um weit mehr als die "Schule als Bildungszentrum". Es geht um soziale Kontakte, um Interaktion mit Gleichaltrigen. Es geht darum, unseren Kindern trotz oder gerade wegen der instabilen Situation in der wir uns befinden, einen halbwegs normalen Alltag zu ermöglichen. Außerdem gibt es Kinder, deren Zuhause leider kein sicherer Hafen ist und für welche der tägliche Gang zur Schule der einzige Lichtblick, das einzige Stück "Normalität" ist. Wie unser Schulsystem generell aufgestellt ist, sei aktuell dahingestellt.

    Ich finde deine Vorwürfe gegenüber den Eltern mehr als unangebracht. Wir kommen gerade erst aus Sommerferien, den Herbstferien und stehen kurz vor den Weihnachts-Ferien. Eine Corona-Zwangs-Pause damit zu vergleichen ist unsinnig. Das heißt nicht, dass Eltern die Zeit mir ihren Kindern nicht genießen. Die meisten müssen arbeiten, auch wenn sie auf Home-Office umgestellt haben. Versuch doch mal einen klaren Gedanken zu fassen und fokussiert zu bleiben, wenn den ganzen Tag kleine Personen um dich herumwuseln und alle fünf Minuten jemand etwas anderes von dir will. Auch im Home-Office wird die volle Arbeitsleistung erwartet.

    Und um ehrlich zu bleiben, ja, auch als Mama/Papa darf man mal jammern und sich nach Zeit für sich, nach Ruhepausen sehnen. Auch oder gerade in Außnahmesituationen, auch im Lockdown. Das macht uns nicht zu schlechten Eltern.

    Deine Aussagen sind nicht wirklich durchdacht, es würde mich interessieren, durch welche Erfahrungen du dir diese Meinung gebildet hast?

      S-c-r-AT

      @JuWo

      All Ihre Argumente zielen darauf ab, dass manchen Eltern ihre Kinder lästig sind. Sei es beim Homeoffice oder bei den Ruhepausen.

      Ich persönlich bin froh, dass meine Kinder jetzt nicht in die Schule müssen, wo sie sich anstecken könnten. Dafür nehme ich es gerne in Kauf, dass es manchmal etwas unruhiger läuft.

      Außerdem, es steht Ihnen frei, Ihre Kinder in die Betreuung zu schicken, also wo ist das Problem?

      JuWo

      @S-c-r-AT

      Mir geht es prinzipiell um die Argumente in meinem ersten Absatz - dass Schule mehr ist, als den Lehrstoff durchzubekommen. Da nützt den Kindern auch die Betreuung nix, wenn sie dann zu zweit in der Klasse sitzen und die soziale Interaktion quasi nicht vorhanden ist. Die Bedeutung von Ansteckungen mit Covid19 in Schulen lassen wir jetzt mal so im Raum stehen... ;-)

      Schade, dass du meinen Post so verstanden hast. Aber jeder hört bekanntlich das raus, was er hören möchte.

      Schönen Abend. :-)

      unholdenbank

      Bingo, Bingo , Bingo! Da hab ich Sie getroffen! Ja, ich habe Kinder, sie gehen nicht mehr in die Grundschule, sind aber mal in diese gegangen. Ich weiß schon, wovon ich schreibe! Und @JuWo: "Versuch doch mal einen klaren Gedanken zu fassen und fokussiert zu bleiben" . Haben Sie diesen öden Spruch im Managementseminar bei krächzenden Filzstiften auf dem Flipchart gelernt? Ich habe lange unterrichtet und hunderte Kinder sind um mich herumgewuselt und wollten etwas. Ich habe trotzdem und mit Freude meine volle Leistung erbracht. Ja, ich habe meine Erfahrung als Insider gemacht, sowohl als Elternteil, als auch als sogenannte "Lehrperson" - ich weiß wovon ich spreche. Auf einmal ist Schule "ein Stück Normalität" geworden - TsTsTs. You should look at both sides!