Maßnahmen gegen Wilderei in Österreich

Laut WWF seit 2000 über 450 Fälle. Umweltministerium mit bundesweiter Strategie.

Der aktuelle Bericht zur „Wildtierkriminalität in Österreich“ der Naturschutzorganisation WWF Österreich und der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich dokumentiert mehr als 450 Fälle illegal geschossener, vergifteter oder durch Fallen getöteter Wildtiere in Österreich. Der Großteil dieser Delikte, die seit dem Jahr 2000 erfasst wurden, betrifft geschützte Greifvögel wie zum Beispiel den Kaiser- oder den Seeadler. Ebenfalls betroffen sind sehr seltene und streng geschützte Säugetiere wie Bären, Luchse oder Wölfe.

„Bei den erfassten Straftaten handelt es sich nur um die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer illegal getöteter Tiere liegt bedeutend höher. Viele Fälle bleiben unentdeckt oder können nicht aufgeklärt werden“, sagen WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides und BirdLife-Geschäftsführer Gábor Wichmann in einem gemeinsamen Pressegespräch mit Umweltministerin Leonore Gewessler. „Wie im Regierungsübereinkommen fixiert, werden wir ressortübergreifend und mit den NGOs eine Österreichische Strategie gegen Umweltkriminalität, Schwerpunkt Wildtierkriminalität erarbeiten. Diese wird rechtliche Fragen und Bewusstseinsbildung beinhalten“, kündigt Gewessler an.

Eine bundesweite Strategie legt einen Schwerpunkt auf Wilderei und soll rechtliche Fragen und Bewusstseinsbildung beinhalten. Foto: Unsplash/Sebastian Pociecha

BirdLife Österreich und der WWF haben die gemeldeten Fälle in den vergangenen Jahren mit Unterstützung der Europäischen Union und des Umweltministeriums im Rahmen des PannonEagle-LIFE-Projekts erfasst. In allen Bundesländern wurden einschlägige Straftaten gemeldet. Zwar sei bei den illegalen Tötungen streng geschützter Säugetiere wie Bär, Luchs, Wolf, Biber oder Fischotter die Datenlage weniger dicht, dennoch dokumentiere der Bericht in sieben von neun Bundesländern – bis auf Wien und Vorarlberg – eine oder mehrere illegale Tötungen von Säugetierarten.

Viele Fälle, wenige Verurteilungen

Die Aufklärung gemeldeter Fälle von Wildtierkriminalität gelinge laut WWF bisher nur in Ausnahmefällen. „Wir registrieren viele Fälle, aber nur seltene Ermittlungserfolge und noch weniger Verurteilungen“, sagen Johanides und Wichmann. Meist blieben Täter oder Täterinnen unentdeckt, wie im letztjährigen Fall eines erschossen und enthauptet aufgefundenen Wolfs im Tiroler Sellrain. Insbesondere der Einsatz verbotener Giftköder lasse sich schwer rückverfolgen, dieser treffe neben geschützten Greifvögeln auch andere Wild- und Haustiere.

Einen Schuldspruch vor Gericht gab es diesen Sommer für einen Waldviertler Jäger, der eine Geldstrafe und eine sechsmonatige, bedingte Haftstrafe – unter anderem für die Vergiftung eines Seeadlers und eines Mäusebussards, sowie die Tötung eines Uhus – ausfasste. „Die illegale Tötung eines Wildtieres ist kein Kavaliersdelikt. Weniger Fälle und mehr Verurteilungen sind das erklärte Ziel unseres Maßnahmenpakets, das wir gemeinsam mit dem Justiz- und Innenressort und unter Einbindung der Naturschutzorganisationen auf Schiene bringen werden“, schließt Gewessler.

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4 Postings bisher
WiWaMi

​Grüne Träume scheitern immer an der Realität aber der Schaden ist enorm. Bär, Bieber und Wolf wurden ausgerottet weil sie massive Schäden in Kulturlandschaften verursacht haben und das hat sich nicht geändert. Außerdem gibt es die Gesetze schon und dazu passend folgendes Sprichwort: Wo kein Kläger da kein Richter.

    Biker

    @WiWaMi, Könne sie mir das bitte näher erläutern:

    Welchen Schaden richtet ein Bär, Biber und Wolf an der Kulturlandschaft an?

    Pueplo

    Sie werden lachen, es wird ernst !👮

    Es gibt jetzt viele Kläger, viele Augen und viele Ohren, auch darf man die Fähigkeit speziell ausgebildeter Hunde und auch die Technik nicht vergessen.

      WiWaMi

      Danke für Ihre Antwort. Mit etwas Hintergrundwissen wurden meine Vermutungen durch Ihr Kommentar nun bestätigt, dass es bei dieser Showeinlage ausschließlich um die "harmlosen" Wölfe geht. Welche Aufgabe haben Sie bei dem Projekt?