Große Literatur aus einer kleinen, familären Welt

Audio: Alfred Lackenbucher liest aus dem Roman „Schöntrauer“ von Bohumil Hrabal.

Bohumil Hrabal wurde 1914 in Brünn geboren und gilt bis heute als einer der bedeutendsten tschechischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Als angenommener Sohn eines Brauereibuchhalters interessierte sich Bohumil wenig für die Schule und viel mehr für das rege Treiben in der Brauerei. Als der Bruder des Stiefvaters bei der Familie einzog, wurde durch dessen unentwegtes Geschwafel Bohumil Hrabals Leidenschaft für Sprache und Literatur geweckt. Onkel „Pepin“ der „… zu Besuch kam und bis zum Tode blieb“ wurde damit zur wichtigsten Bezugsperson des jungen Hrabal.

Bohumil Hrabal 1985. Foto: Hana Hamplova/Wikicommons

In etlichen seiner Texte und Romane verarbeitet Bohumil Hrabal seine Erlebnisse in der Brauerei, Geschichten mit seinem Onkel Pepin und dem kleinen Örtchen Nymburk an der Elbe, in dem er aufwuchs. So auch in „Schöntrauer“.

„Als ich in die Schule kam, trug der Herr Schuldirektor Schwarz. Er eröffnete uns, dass unser Bürgermeister nachts in Prag gestorben war … Der Herr Schuldirektor erklärte uns, dass heute ein Tag der Trauer sei, und damit wir alle auch schön trauern könnten, falle der Unterricht aus … Ich schöntrauerte.“ In diesem Roman versammeln sich alle Sonderlinge seines kleinen Universums um drei Hauptpersonen aus der eigenen Familie: die schöne Mutter, den verehrten Vater und das aus dem Haushalt nicht wegzudenkende kauzige Onkelwesen Pepin. Aus dieser kleinen familiären Welt wird bei Bohumil Hrabal große Literatur.


Die Lesereihe „Tiefe Gefühle“ wird vom Literaturkreis der Stadtbücherei Lienz realisiert, dessen Mitglieder die Texte ausgewählt und selbst eingelesen haben. Ursprünglich waren adventliche Lesungen in der Bücherei geplant, die aber der Pandemie zum Opfer fielen. 

Die Arbeit von
dolomitenstadt.at unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in Krisenzeiten ist faktenorientierte und schnelle Information wichtig.
Wir arbeiten trotz Rückgang bei den Werbeeinnahmen mit großem Einsatz, um Sie bestmöglich – und kostenlos! – zu informieren.

Wenn Sie unsere journalistische Arbeit mit einem einmaligen Beitrag unterstützen möchten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen!

Sie möchten dolomitenstadt.at unterstützen?

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren