Zu Hause in der Psychiatrie – das kommt davon

Peter Paul Wurzer liest aus „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von J. Meyerhoff.

Joachim Meyerhoff wurde 1967 in Homburg geboren und ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Von 2004 bis 2019 war er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Meyerhoffs Vater war ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hesterberg, Schleswig-Holstein. Die Familie lebte in einem Gebäude auf dem Gelände der Klinik, dort verbrachte Joachim Meyerhoff auch seine Kindheit und davon handeln seine autobiographischen Bücher.

Joachim Meyerhoff. Foto: Wikicommons

Über das Buch: Kann das normal sein? Auf einem Gelände inmitten von hunderten körperlich und geistig Behinderten aufzuwachsen? Der junge Held mag es sehr, er kennt es auch nicht anders. Der Vater, ein hingebungsvoller Anstaltsleiter aber als Privatmensch verloren und überfordert. Die Mutter, die alles zusammen hält, die Brüder, die für den „spindeldürren Hochdruck-Zappler“ nur Spott übrig haben.

Der junge Held erlebt Krippenspiele mit einem schwerstbehinderten Jesuskind und einer Jungfrau Maria in der Zwangsjacke. Der „Glöckner“, ein struppiger Riese mit Vollbart und Bimmelglöckchen, trägt ihn wie der heilige Christophorus auf seinen Schultern sicher durch die Kindheit; die suizidgefährdete Marlene ist seine erste Liebe, und ohne das abendliche „Brüllkonzert“ aus der geschlossenen Abteilung kann er nur sehr schlecht einschlafen. Meyerhoffs Roman ist eine wunderschöne Liebeserklärung an den Vater. Zärtlich, komisch und am Ende untröstlich traurig.


Die Lesereihe „Tiefe Gefühle“ wird vom Literaturkreis der Stadtbücherei Lienz realisiert, dessen Mitglieder die Texte ausgewählt und selbst eingelesen haben. Ursprünglich waren adventliche Lesungen in der Bücherei geplant, die aber der Pandemie zum Opfer fielen. 

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