„So spiel ich manchesmal verrückt … “

Audio: Die Lienzer Autorin Lilly Papsch liest aus eigenen Texten.

Ich heiße Lilly Papsch und bin in Lienz aufgewachsen. Im Geschäftshaus meiner Großmutter Agnes Graser lebten meine Großmutter, meine österreichische Mama Olga, mein italienischer Papa Vittorio, meine Schwester Annunziata, ein Dienstmädchen und unser Hund Mimo.

Als ich 14 Jahre alt war, übernahmen die Matres des Ordens der Englischen Fräuleins in Meran meine sicher gutgemeinte strenge Erziehung. Während dieser pubertätsgeladenen Phase lernte ich nicht gerade die Selbständigkeit schlechthin, dafür aber die große Sehnsucht nach Freiheit, Ausdauer und eine fast revolutionäre Hartnäckigkeit. Die Schule war gottlob extern und einigen meiner Professoren gelang es, mich für die Inhalte ihres Unterrichts wirklich zu begeistern.

Lilly Papsch. Foto: Privat

Meine Berufslaufbahn als Lehrerin begann in Österreich, doch bald zog ich zu meinem Mann nach Hamburg. Die kulturellen Möglichkeiten in der pulsierenden Hansestadt prägten mich sehr und man kann sich vorstellen, welche Umstellung die Rückkehr in die kleine Stadt Lienz bedeutete. Mein Mann und ich waren weiterhin in der glücklichen Lage viele Reisen unternehmen zu können. Dann kam die Zeit der Familiengründung. Meine Söhne Felix Paul und Alexander Vittorio wurden in Lienz geboren. Etliche Jahre später nahm ich meine Unterrichtstätigkeit wieder auf, leitete mehrere Jahre die Volkshochschule Lienz und hielt dort auch zahlreiche Kurse. Gerne denke ich an alle meine Schüler und Schülerinnen zurück, die jüngsten vier, die ältesten 90 Jahre alt.

Meine Interessen gelten bevorzugt meiner Familie, der Musik, dem Theater und allem, was sonst noch mit Kunst und Kultur zu tun hat und unserem großen Garten samt den vielen Haustieren. Was mir jetzt in der Coronazeit am meisten abgeht ist das Singen im Kammerchor vokalissimo, dem ich schon 50 Jahre lang angehöre und natürlich meine kleine zurzeit nur virtuell erreichbare Enkelin Sonali, die … und da schließt sich der Kreis, mit ihren Eltern in Hamburg lebt.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass meine Begeisterungsfähigkeit für das Schöne rundum niemals versiegen und die sprichwörtliche Gelassenheit des Alters zunehmend wachsen möge.


Die Lesereihe „Tiefe Gefühle“ wird vom Literaturkreis der Stadtbücherei Lienz realisiert, dessen Mitglieder die Texte ausgewählt und selbst eingelesen haben. Ursprünglich waren adventliche Lesungen in der Bücherei geplant, die aber der Pandemie zum Opfer fielen. 

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