Tiroler Arbeitsmarkt weiter in einer tiefen Krise

Osttirol nicht ganz so stark getroffen. Dramatisch hohe Frauenarbeitslosigkeit.

Im Jänner 2020 war die Welt noch in Ordnung. Unmittelbar vor dem brachialen Einbruch der Wirtschaft durch das Eintreffen der Pandemie war der Wintertourismus in voller Fahrt und die Arbeitslosigkeit in Tirol lag bei 4,8 Prozent. Der Bezirk Lienz verzeichnete vor einem Jahr 7,7 Prozent Arbeitslosigkeit, wofür es viel Applaus gab, weil die traditionell hohe Winterarbeitslosigkeit in Osttirol erstmals klar unter die 10 Prozent-Marke gesunken war. Waren in früheren Wintern im Bezirk Lienz meist rund 2.500 Personen arbeitslos gemeldet, sank diese Zahl im Jänner 2020 auf 1.641 Personen. Doch die Freude währte nur kurz.

Ein Jahr später hat sich das Bild dramatisch gewandelt. Heuer waren im Jänner 2.896 Personen in Osttirol arbeitslos gemeldet, rund 12 Prozent der unselbständig Beschäftigten. Dieser Wert liegt um 76,5 Prozent über dem des Vergleichmonats 2020 und – das zeigt die Dramatik der Situation – dieser Anstieg ist dennoch der niedrigste in ganz Tirol. Alle anderen Bezirke schneiden noch schlechter ab. In Reutte stieg die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Personen um +445,1 % oder +1.558 Personen. Es folgen Landeck (+350,4 % oder +3.606), Kitzbühel (+243,0 % oder +2.986), Schwaz (+201,5 % oder +3.476), Imst (+142,3 % oder +2.498), Kufstein (+86,8 % oder +2.408), Innsbruck (+78,4 % oder +5.692).

Bei einem prognostizierten Stand von 311.000 unselbständig Beschäftigten (ein Minus von 44.000 Personen im Vorjahresvergleich) und 41.239 vorgemerkten Arbeitslosen betrug zum Stichtag 31. Jänner 2021 die Arbeitslosenquote in Tirol damit 11,7 Prozent. Das bedeutet einen Anstieg um 132,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders auffallend ist der extreme Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit in ganz Tirol, was vor allem dem Wegfall an Jobs in der Hotellerie und Gastronomie geschuldet sein dürfte. Hier ragt der Bezirk Landeck heraus, in dem die Frauenarbeitslosigkeit um unfassbare 1.400 Prozent anstieg! In Osttirol sind es immerhin noch 176 Prozent. Von den insgesamt 2.896 Arbeitslosen im Bezirk Lienz sind 1.275 Frauen und 1.621 Männer. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren 1.180 Männer in Osttirol im Jänner arbeitslos, aber nur 461 Frauen.

Die Arbeit von
dolomitenstadt.at unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in Krisenzeiten ist faktenorientierte und schnelle Information wichtig.
Wir arbeiten trotz Rückgang bei den Werbeeinnahmen mit großem Einsatz, um Sie bestmöglich – und kostenlos! – zu informieren.

Wenn Sie unsere journalistische Arbeit mit einem einmaligen Beitrag unterstützen möchten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen!

Sie möchten dolomitenstadt.at unterstützen?

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

11 Postings bisher
Der Graukofler

Nun sieht man endlich, wie wichtig der Tourismus für unser Land ist.

senf

um der wirtschaft nich weiter zu schaden, wäre es wohl an der zeit, dass sich a l l e an die regeln halten, auch die, die abgesichert sind. ich meine damit menschen in öffentlichen funktionen, vor allem diejenigen, die glauben, mit auf die straße zu gehen zu müssen.

vor allem aber diejenigen, die den begriff "familie" nicht so recht verstehen und sie mit "verwandschaft/freundschaft" verwechseln um möglichst viele kontakte zu haben und zu "pflegen", denn das scheint am lande noch gang und gebe zu sein, was die zahlen der coronaerkrankten in so manchen landgemeinden ja zeigen.

ich zweifle nach meinen beobachtungen auch an der vorstellung der leute an einen doppelten babyelefanten als sicherheitsabstand. hier wäre die definition einer milchkuh, eines pferdes oder gar eines modernen traktors für viele vielleicht doch vorstellbarer und verständlicher.

vor allem in osttirol!

hinter dem vorhang

...weil das wort corona fehlt...

Spanidiga

Also mein Kommentar dazu wäre,bin zwar kein Spezialist und schon Pensionist. Es wird noch etwas andauern,dann wird die Wirtschaft sich etwas bereinigt wieder erholen.Die Menschen werden Nachholbedarf haben und hoffentlich dann aber auch mehr alles zu schätzen wissen.Also...mit Hoffnung und positiv in die Zukunft schauen.👍

    multi 1

    Arbeitsmarkt in einer tiefen Krise gerade wir Österreicher waren hier immer Vorbild in Europa. Hotelerie und Gastronomie Monate lang geschlossen halten ist für Österreich und besonders für Tirol eine Katastrophe.

    tintifax

    Grundsätzlich stimme ich Ihnen gerne zu. Sie haben ein sehr posotiv stimmendes Posting verfasst. Nur denke ich, dass wir sehr sehr lange daran "nagen" werden. Ein Minus von knapp 14 % des BIP ist nicht leicht aufzuholen.

      wolf_c

      solange jemand denkt(glaubt)es gäbe ein zurück zu 'früher', so lange bleibt es -eng- ; den reichen ist es wurscht, den politikern auch, die mieten steigen, die pleiten auch ...

multi 1

Warum gibt es zu diesen Bericht keine Kommentare.

    senf

    wo ist deiner?

    Denksport

    Weil für die meisten das Krisenmanagement offensichtlich perfekt ist und Kurzarbeiter-Geld und Betriebszuschüsse reichen, um still zu sein.

    tintifax

    ... weil untertags die Menschen arbeiten und nicht posten (Ironie off)