Freundschaften kommt im Lockdown große Bedeutung zu

Freunde müssen für Unterstützung nicht physisch anwesend sein, so eine Studie der Uni Innsbruck.

Beste Freunde sind in stressigen Situationen von besonders großem Wert. Das ist an sich nichts Neues, eine Studie, die von Carmen Morawetz vom Institut für Psychologie an der Universität Innsbruck gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen durchgeführt wurde, belegt nun allerdings, dass Vertrauenspersonen für die emotionale Unterstützung nicht zwingend persönlich anwesend sein müssen, um im Gehirn dieselben neuronalen Prozesse auszulösen.

Mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) konnte gezeigt werden, dass bestimmte Hirnregionen bei sozialer Unterstützung durch eine andere Person – egal ob Freund oder Fremder – mehr rekrutiert werden als bei dem Versuch, negative Gefühle alleine in den Griff zu bekommen. Dazu reichte es, den Studienteilnehmern aufbauende Botschaften zusammen mit einem Foto eines besten Freundes oder einer besten Freundin zu präsentieren.

Carmen Morawetz von der Universität Innsbruck erforscht, wie sich Emotionen in neuronalen Prozessen abbilden. Foto: Uni Innsbruck

Große Kraft sozialer Verbundenheit

Emotionen werden im Gehirn durch ein Zusammenspiel mehrerer interagierender Netzwerke kontrolliert und bei Bedarf abgeschwächt. Befinden wir uns in einer stressigen Situation, die uns vielleicht Angst macht, dann versuchen wir, durch verschiedene Strategien, das Gefühl der Angst abzuschwächen. Zum Beispiel, indem wir probieren, die Situation als weniger negativ zu interpretieren, uns innerlich Mut zusprechen oder gedanklich ablenken.

„Hierbei übernimmt der laterale präfrontale Kortex eine zentrale Rolle und unterdrückt Antworten in Regionen, die mit der Emotionsentstehung zu tun haben, wie der Amygdala, auch Mandelkern genannt. Diese emotionale Kontrolle kann durch soziale Unterstützung verbessert werden“, verdeutlicht Carmen Morawetz, die an der Universität Innsbruck das Affective Neuroscience Lab eingerichtet hat und dort erforscht, wie sich Emotionen in neuronalen Prozessen abbilden. „Wir wissen aus zahlreichen anderen Studien, dass Menschen Gefühle durch soziale Nähe besser bewältigen können“, ergänzt sie.

Das Spannende an der aktuellen Studie war aber laut Morawetz, dass sich diese soziale Unterstützung auf das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen selbst dann auswirkt, wenn diese nur „virtuell“ erfolgte, die unterstützend wirkende Person also nicht selbst im Raum anwesend war. „Auch wenn die Daten zur Studie vor Corona entstanden sind, sind die Erkenntnisse jetzt umso bedeutsamer“, meint die Wissenschaftlerin. Gerade junge Leute kommunizieren – noch mehr in Zeiten von Social Distancing – schriftlich, tauschen sich über Messenger-Apps über Gefühle aus und suchen so auch Hilfe.

Ob der freundschaftliche Beistand virtuell oder persönlich erfolgt macht für unser Gehirn keinen Unterschied. Foto: iStock/Guiseppe Lombardo

Amygdala unterscheidet

Ob die emotionale Unterstützung also persönlich erfolgt oder virtuell macht für unser Gehirn keinen Unterschied. Sehr wohl wird die Hirnaktivierung aber durch die soziale Nähe zum Unterstützer beeinflusst. „Das heißt, es macht für unser Gehirn einen Unterschied, ob wir Hilfe von uns nahestehenden Menschen bekommen oder ob es sich um eine für uns unbekannte Person handelt“, betont Carmen Morawetz.

Von den ganzen aktivierten Hirnregionen, die an der Abschwächung der Emotionen beteiligt sind, differenziert einzig die Amygdala zwischen Freunden und Fremden. „Obwohl wir das gesamte neuronale Netzwerk der Emotionsregulation untersucht haben, zeigte nur die Amygdala unterschiedliche Aktivierung für Fremde im Vergleich zu Freunden. Sie ist bei der Hilfe durch Unbekannte stärker aktiviert“, erklärt Morawetz.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass soziale Nähe einen wichtigen Faktor für die effektive Integration von sozialer Unterstützung in herausfordernden Situationen darstellt und eine positive Wirkung auf unsere Fähigkeit, Emotionen zu kontrollieren, hat. „In diesem Sinne unterstützen die Ergebnisse der Studie das alte Lied: ‚Ein Freund, ein guter Freund, ist das Beste, was es gibt auf der Welt!‘“, so die Wissenschaftlerin abschließend.

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3 Postings bisher
nikolaus

Bei allem Respekt für die Forschungstätigkeit dieser Dame (und auch anderer Psycholog*innen):

Das kann mir niemand weismachen, dass es den selben Effekt auslöst, egal, ob ich "nur" virtuell z. B. getröstet werde oder mich aber ein*e gute*r Freund*in in die Arme nimmt und fest drückt! Meine Lebenserfahrungen sprechen da eine andere Sprache. Ich betrachte die Veröffentlichung dieser Studie als einen weiteren Versuch, die Gefahren sozialer Verarmung in Zeiten wie diesen klein zu reden!

Seid also umarmt, liebe Leser*innen, und spürt mein Mitgefühl für welche auch immer euch plagende Umstände! (... leider nur virtuell, aber es hat ja eh den gleichen neuronalen Effekt, oder etwa nicht???)

ErsteHilfe

Frau Morawetz hat natürlich Recht, wenn sie sagt, das Beste auf der Welt wäre ein guter Freund (die gute Freundin darf man nicht vergessen). Ich tu mir halt schwer damit, wenn sie meint, ihre Untersuchungen hätten ergeben, dass es egal wäre, ob dieser nur virtuell oder physisch anwesend sei.

Ich glaube, nichts kann den persönlichen Kontakt in Form von körperlicher Anwesenheit mit lieben Menschen ersetzen. Diesen braucht man um psychisch gesund zu bleiben.

Diese Studie kommt eigenartigerweise zur rechten Zeit, um all jene zu trösten, die sich derzeit nicht trauen, ihre Freunde persönlich zu treffen und schon psychisch darunter leiden.

    Post_ler

    Stimmt! Die Studie kommt tatsächlich zur richtigen Zeit. Viele Studien kommen zur richtigen Zeit, mit dem richtigen Ergebnis auch noch. So ein Zufall! Gell ? 😉