Ist Politiker ein Job bis zur Pension? Das müsste nicht so sein. Man könnte Amtszeiten auf zwei Legislaturperioden beschränken. Foto: Expa/Schrötter

Ist Politiker ein Job bis zur Pension? Das müsste nicht so sein. Man könnte Amtszeiten auf zwei Legislaturperioden beschränken. Foto: Expa/Schrötter

Es wird Zeit für einen Wechsel in der Politik

Krise folgt Krise, und noch immer agieren weitgehend dieselben Personen.

Zwei Jahre scheinen nicht viel. Und doch ist nahezu Unfassbares geschehen in dieser Zeit. April 2019, das war vor dem Inselvideo, es war vor der Expertenregierung und vor der ersten Bundeskanzlerin (ja, es gab auch positive Ereignisse), es war vor der Pandemie und vor zu vielen politischen Skandalen. Seitdem wird mehr über den Wert und den Status der österreichischen Demokratie diskutiert. Diese steht nicht mehr ganz so fest auf ihren Beinen. Ihr Rückgrat, die Bundesverfassung, verspürt starke Schmerzen. Ihre Bevölkerung ist müde der ewig gleichen Nachrichten und Politiker, wobei der Zorn zuweilen die Falschen trifft. Viel ist geschehen, doch wenn man in die Runde schaut, stellt man erstaunt fest: Die Bediensteten der Demokratie, die PolitikerInnen, sind großteils dieselben wie vorher.

Wie oft kann ein Landeshauptmann sagen, „wir haben keine Fehler gemacht“, wenn das Gegenteil keiner politischen Meinung entspringt, sondern aktenkundig ist? Wie kann ein Bundeskanzler den dritten Koalitionspartner der Lächerlichkeit preisgeben, um von eigenen Gesetzeskonflikten abzulenken, und doch noch relativ gute Umfragewerte haben? Wie kann ein Bürgermeister soviel „Dankbarkeit“ (= Abhängigkeit) erzeugen, dass sich nicht einmal mehr ein/e GegenkandidatIn findet? Und wie können sich andere an der Macht halten, indem sie unsichtbar werden und nichts mehr tun, was ihrem Amt entspräche?

Politiker sollte kein langfristiger Job sein

Politik ist gewiss kein einfacher Beruf, doch die Demokratie braucht Menschen, die idealistisch sind, mit frischen Gedanken aufwarten und die Energie besitzen, sich für ihre Ideen einzusetzen, ohne an den persönlichen Vorteil zu denken. Es gibt diese Personen, und zwar mehr von ihnen, als das politische Establishment wahrnehmen will. Die politischen Parteien machen es allerdings nahezu unmöglich, dass junge Menschen mit solchen Eigenschaften in verantwortungsvolle Ämter kommen, weil immer irgendwer vorher zu bedienen sei, der oder die jahrelang – ja, was eigentlich? – getan habe. Auch der aktuelle Bundeskanzler ist trotz damaliger Jugend nicht überraschend, sondern langfristig vorbereitet dort gelandet, wo er heute tut, was er so tut.

Immer wieder landen trotzdem Menschen in der Politik, die versuchen, etwas anders zu machen, näher an der Bevölkerung und ihrer Realität zu sein. Einer davon ist nun aufgrund der Pandemie erschöpft, vielleicht mehr als der Durchschnitt. Während man ihm nur alles Gute wünschen kann, gleichgültig welchem politischen Lager oder Nicht-Lager man selbst angehört, ist das andere Phänomen markanter: Viele sind dieselben wie vor „Ibiza“. Die Frage ist daher, wie Menschen dieser Branche auf die Idee kommen, dass Politiker ein Job bis zur Pension sei.

Es ist unmenschlich, Kraft über viele Jahre zu verlangen

Das Gegenteil ist der Fall. In vielen Berufen ist klar, dass man nur für eine gewisse Zeit die eigene Kreativität sowie Kraft behält und es dann Zeit für einen Wechsel ist, sonst schadet man der Firma, der Institution, vor allem der eigenen Gesundheit. Nur Ausnahmen bringen nach Jahren noch die Energie auf, sich so einzusetzen wie zu Beginn.

Zwei Legislaturperioden oder Durchgänge sind daher der Idealfall. Im ersten ist man voller Energie, hat große Pläne und lernt, wie schwer es in der Verstrickung von Föderalismus, Bünden, Interessensgemeinschaften und Parteikalkül ist. In der zweiten Periode versteht man die Umsetzung der eigenen Pläne. Welche Politikerin und welcher Politiker aber ist nach zwei Perioden nicht müde, gelangweilt, selbstzentriert? Es ist unmenschlich, von jemandem zu verlangen, seine Kraft für die Gemeinschaft uneingeschränkt über lange Zeiträume aufzubringen. Es ist ebenso unklug, diese Chance nicht Neuen zu geben, die dies voller Leidenschaft und frischer Energie versuchen möchten.

Demokratie ist stärker als Angst

Noch immer finden Staatsstreiche oder Wahlfälschung statt und bedrohen Menschenleben, doch in Österreich ist man in der glücklichen Lage, selbst nicht anders betroffen zu sein, als die Nachrichten mit Fassungslosigkeit oder Trauer wahrzunehmen. Die Gefahr für die Demokratie in Österreich hingegen ist die Gewohnheit, gepaart mit Gleichgültigkeit und Schlampigkeit. Das reicht von der Tendenz – auch von Politikern – Gesetze als Empfehlung misszuverstehen, bis zur österreichischen Neigung zum Schlampertsein, die im Alltag sympathisch sein mag, aber gefährlich wird, wenn sie Nepotismus und den Eingriff in die Justiz betrifft. Nicht weniger schlimm wird es, wenn jene, die jahrelang in einem Job gepatzt haben, ins nächste politische Amt weggelobt werden. Auch das gibt es nicht nur in Österreich und definitiv nicht nur im Bund.

Aber es existieren immer wieder Zeitfenster in der Politik. Die Idee, dass Krisen zusammenschweißen, gleicht eher einem Filmmärchen als der Realität. Daher ist es nun Zeit für einen Generationswandel, der einerseits mit Alter und andererseits mit Kraft und Unbescholtenheit zu tun hat. Demokratie kann viel ertragen und Vieles sein, in jedem Fall braucht sie Menschen, die sich engagieren wollen, wenn möglich ein wenig uneigennütziger, als es andere vor ihnen getan haben. Das kann man ruhig als Aufruf verstehen, sich zu melden, in die Politik zu gehen und jene abzulösen, deren Kraft und Zauber verbraucht sind. Es mag nicht leicht werden, aber Demokratie ist stärker als Angst.


Daniela Ingruber, Demokratieforscherin am Austrian Democracy Lab der Donau-Universität Krems, analysiert wöchentlich in der Rubrik „Politik im Blick“ aktuelle politische Themen und erklärt deren Hintergründe.

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34 Postings bisher
ErsteHilfe

Es wäre sicherlich wichtig, die Amtszeit von Politikern zu begrenzen. Noch wichtiger wäre es aber, das Personal besser auszuwählen. Ähnlich wie bei Lehrern sollten Politik-Kandidaten vor der Zulassung in den Beruf überprüft werden.

Ein Politiker, eine Politikerin sollte unbedingt folgende Eigenschaften mitbringen: Integrität, Gemeinwohlorientierung, Konsensfähigkeit, einen guten Arbeitsethos und hohe moralische Standards und Disziplin. Es schadet auch nicht, die 10 Gebote zu kennen und anzuwenden ("Du sollst nicht stehlen, lügen...").

Wir Bürger lassen uns die Exekutive, die Politiker und Politikerinnen auf allen Ebenen miteinschließt, sehr viel (Steuer)Geld kosten, deshalb haben wir ein Anrecht auf Top-Qualität in diesem Bereich!

saguen

Politik...ist das überhaupt ein Beruf ?? Ich bin kein Alles und Besserwisser aber jedem Beruf geht eine Ausbildung vorraus und endet mit einer Prüfung....oder ?? In der Politik kann jeder alles werden.....siehe Verteidigung...!!! Rückgrat undCharakter endet wenn man am Ziel angelangt ist und somit diversen Kräften im Hintergrund verpflichtend wird. Nchsatz zu Covid und ihren Verneinern... diese Menschengruppe verteufelt Alles und Jedes, mich würde interessieren wie Diese wenn sie könnten agieren würden ?? Bis jetzt gab es nur Hetze gegen Jene die das durchstehen müssen, aber konstruktive Pläne gegen diese Plage habe ich noch keine gehört. Oder ????

Wunu

Sehr geehrte Frau Ingruber,

Ihr Beitrag spricht mir aus der Seele. Man muss schon genau hinsehen um nicht Eigeninterpretationen hinein zu argumentieren die SO möglicherweise nicht gemeint und nicht gedacht sind. Wem das gelingt und wer nicht durch und durch und mit jeder Faser einer politischen Farbe angehört - egal welcher - liest hier einen Text der einen Querschnitt der Gedanken unserer "Volksseele " wiederspiegelt. Geordnet und wohldurchdacht. Besten Dank dafür! - Zumindest weiß ich jetzt das ich nicht der einzige bin der so denkt. 😊

Bergtirol1

Wenn sich die Farbe ändert, aber die Leute die gleichen sind - - kann sich nichts ändern!! Ein Raser der einen BMW fährt, rast ja mit einem AUDI ja auch, oder? Wenn Politiker nicht das halten was sie Tage vorher versprochen haben, sind sie halt nicht mehr glaubwürdig - - und solche Beispiele gibt es genügend!! Mein persönlicher Ehrlichkeitsweltmeister war damals zur BP--Wahl Herr Lugner mit seinem Satz "Ich mach s euch um die Hälfte" - - denn so spricht noch der Mensch und nicht eine politische Farbe 👍👍

beobachter52

Den vielen Lobhudeleien auf den Artikel von Frau Ingruber kann ich nicht zustimmen! Allen die Passage "In vielen Berufen ist klar, dass man nur für eine gewisse Zeit die eigene Kreativität sowie Kraft behält und es dann Zeit für einen Wechsel ist, sonst schadet man der Firma, der Institution, vor allem der eigenen Gesundheit", disqualifiziert sich von selbst! Oft sind es gerade die langjährigen Mitarbeiter, die zum Erfolg eines Unternehmens beitragen! Dann immer wieder mit der Aussage, keinen Fehler gemacht zu haben, auf LH Platter herum zu reiten, finde ich auch sehr schwach! (Außerdem stammt die Aussage "alles richtig gemacht" von einem Landesrat .... Und wenn man "junge Politik" verlangt, jünger als das Kurz-Team geht wohl kaum mehr! Hoffentlich bleibt Frau Ingruber nicht zu lange an der Uni in Krems oder als Redakteurin auf dolomitenstadt.at - sonst schadet sie der Firma :-)

Godmensch

Wie oft sollen sich die Personen noch ändern. Jetzt hält die Regierung schon Jahre nicht mehr die erforderliche Zeit durch. Egal wie die neuen PolitikerInnen auch heissen werden es wird sich leider nichts ändern. "Intelligente" Leute sind so intelligent, dass sie die Politik meiden.

Chronos

Frau Ingruber, wieder einmal haben Sie einen Volltreffer zur momentanen politischen Lage in Ö gelandet!

"Erfrischende" und "frische" Leute kann die Politik sehr gut gebrauchen. Gerade in diesen Zeiten. Egal ob in der Bundes-, Landes-, oder Gemeindepolitik!

Wie viele von den 183 NR-Abgeordneten sind BerufspolitikerInnen auf „Lebenszeit“? Richtig – sehr viele! Das zieht sich von dort in die Landes- bis in die Gemeindepolitik. Rückgrat in der Politik zeigt sich erst nach mindestens einer Amtsperiode. Die meisten erliegen ihrer Macht und kriegen davon „auch den Hals“ nicht genug! Ein weiteres Amt dort, ein Vorstandsposten da. Multifunktionäre in der österreichischen Politik ist die Norm! Das fängt schon in der Gemeindepolitik an – man denke da an Matrei oder Lienz und geht dann bis nach oben. Machen andere „Langzeitpolitiker“ doch auch, nebenbei viele Posten auf sich einen. Postenschacher hin, lukrative Position/Funktion her – egal, macht ja jede Partei, die an der Macht ist. So der Gedankengang unserer PolitikerInnen. Falls das königliche Salär als PolitikerInn nicht reicht, kommen mache auf die Idee als „Lobbyist“ Einfluss zu nehmen, schließlich ist man ja an den Schalthebel der Macht. Gesetzesänderungen für ein zusätzliches sattes Honorar zu lukrieren (- Korruption würde ich dazu sagen). H.C. Strache und andere haben uns das bildlich und aktenkundig vor Augen geführt! Aus Sicht dieser Politiker lässt sich die Wählerin und der Wähler eh alles gefallen. Kurzes empört sein, aber das legt sich wieder. Die Medien (z.T. gekauft?) bringen in dieser schnelllebigen Zeit bald ein neues Thema. Und Schlussstrich darunter! Und bei der nächsten Wahl? Ach ja, alles vergessen – Kreuzchen an gleicher Stelle.

Wer hat es nicht satt, von einer durchgestylten Politik eines BK, welcher als Strippenzieher „Günstlingswirtschaft“ fördert und „steuerbare“ Personen an strategische Positionen setzt? Ein Emporkommen in den Traditionsparteien mit unkonventionellem Denken ist kaum möglich. Das war damals Matthias Strolz in „seiner“ ursprünglich schwarzen ÖVP auch nicht möglich! Egal welche politische Ausrichtung jemand hat. Ein Paradepolitiker vom Schlag eines Matthias Strolz würde der österr. Politik guttun. Und das zahlreich!!! Erfrischendes Querdenken, viele gute Ideen! Leider nun auch „nur“ eine Partei (NEOS), welche sich als Oppositionspartei und vor allem ohne Strolz sich der „normalen“ Alltagspolitik nähert. Schade!

Aber Leute wie Strolz kann in der Politik ein Lösungsansatz darstellen. Von vornherein klar, nicht lange in der Politik zu verweilen und das gewählte Amt mit Demut für das Volk ausführen. Dafür aber, für die kurze Dauer mit voller Energie und Einsatz sich für die Bürgerinnen und Bürger einsetzen.

Für eine Bundesregierung würde ich mir wünschen, ein Gemisch aus „neutralen“ PolitikerInnen und Fachleuten, wie nun der neue Arbeitsminister Martin Kocher. Und ja, warum nicht Strolz als Bundeskanzler! Ich weiß, das ist mein Wunschdenken. Unser Parteiensystem würde das nicht hergeben. Leider! Man darf auch mal träumen…

    Herr_Kules

    Und wenn Frau Ingruber dann Bundeskanzlerin ist, könnten Sie mit Ihren Kommentaren ja vom Keller in die Beletage aufsteigen.

      Chronos

      Ich hab kein Problem mit meinen Kommentaren im Keller zu sein, wie Sie das bezeichnen. Wo befinden Sie sich, Herr_Kules?

      senf

      und sie, herr_kules ausziehen. also vorsichtshalber alle register ziehen, vielleicht hilfts!

      Herr_Kules

      @Chronos

      Der Umstand, dass wir uns beide im Keller herumtreiben, gibt uns die Gelegenheit, miteinander zu reden. Aber ich bin nicht Ihrer Meinung, was Politik und damit auch Frau Ingruber betrifft, zu deren Artikeln ich bereits vor einiger Zeit in zwei sehr langen Postings meine Meinung geäußert habe.

      So manch einer wird sich sicher noch erinnern können, wie Matthias Strolz Harald Mahrer und Sebastian Kurz vor einigen Jahren im Nationalrat als die "Innovativen Typen" in der ÖVP bezeichnet hat, mit denen er sich verbunden fühlt. Nur weil etwas "NEOS" heißt, ist es noch lange nicht neu, genau wie der Neoliberalismus, den diese Partei vertritt.

      Chronos

      @Kerr_Kules, danke für die Antwort! Das ist das Wertvolle, dass wir unterschiedlicher Meinung sein dürfen, was meine Ansichten zur Politik und die Kolumne von Frau Ingruber betriff.

      Harald Mahrer war damals schon ein enger Gefolgsmann von Kurz und würde politisch alles tun für Kurz. Ich selbst war von Kurz auch einmal geblendet von "neuen Stil" und "mit voller Kraft eine Veränderung in Österreich zu bewirken." Und ich habe ihn 2017 "gewählt". Jawohl! Eine klare „Jugendsünde“ – jung und naiv, wie ich war! Vielleicht stehe ich da aber nicht alleine da, oder? Meine Einstellung nun zu Kurz und Türkis kennen Sie ja. Den NEOS fühle ich mich aber nicht verbunden. Nur, Matthias Strolz ist/war für mich nach wie ein Vorzeigepolitiker – siehe oben. Ich denke, auch Strolz hat seit geraumer Zeit eine andere Meinung von Kurz und würde seine Aussagen von damals, jetzt nicht mehr wiederholen.

      Herr_Kules

      @Chronos

      Wenn ich mich richtig erinnere, müsste Matthias Strolz bei seinen Lobeshymnen auf Kurz 42 gewesen sein. Ich weiß jetzt nicht, ob man das als jung bezeichnen darf, aber Erstwähler war er damals sicher nicht. Auch das Prädikat naiv steht einem Politiker eher schlecht zu Gesicht. Wie dem auch sein. Ich halte Strolz nicht für einen Vorzeigepolitiker. Eher für einen Unternehmer. Einen Unternehmer, der wie so viele andere Politik und Unternehmensführung miteinander verwechselt. Außerdem finde ich es nicht besonders demutsvoll, sich für fünf Jahre als Spitzenkandidat in den Nationalrat wählen zu lassen, um nach nicht einmal einem ohne triftigen Grund zurückzutreten. Ähnlich, wie es wenig demutsvoll ist, sich für das Europaparlament oder den Wiener Landtag wählen zu lassen, um Vizekanzler in Österreich zu werden oder Finanzminister zu bleiben. Dennoch sind Teile seiner politischen Haltung (und auch der der NEOS) durchaus begrüßenswert.

      Warum Sie sich nun aber Strolz als Bundeskanzler wünschen, wenn Sie die NEOS nicht wählen würden (oder sich nicht mit ihnen verbunden fühlen), erscheint mir eigentümlich, so würde er die notwendigen Stimmen wohl kaum bekommen.

      r.ingruber

      @Chronos Ich kann Sie beruhigen: Ihre "Jugendsünde" von 2017 haben Sie allenfalls mittelbar zu verantworten, denn Sie haben Kurz nicht zum Bundeskanzler gewählt. Seit 1929 wird der Bundeskanzler vom Bundespräsidenten ernannt und muss nicht automatisch - s. Regierung Schüssel I - mit dem Spitzenkandidaten der stimmenstärksten Partei ident sein. Sebastian Kurz wurde in den Nationalrat gewählt und hat 2019 dann großzügig auf sein Mandat verzichtet, um sich auf die nächste "Bundeskanzlerwahl" vorzubereiten.

      Vielen Dank für die spannende Diskussion auch an @Herr_Kules

      Chronos

      @Herr_Kules, Sie missverstehen einiges! Lesen Sie mein Posting noch einmal. Aufmerksam! Denn Ihre Antwort im ersten Teil ist dann, aus meiner Sicht, nicht Folgerichtig…

      Übrigens, es ist mir nicht klar und für mein besseres Verständnis: Verteidigen Sie Kurz und seine Türkisen?

      @r.ingruber, Sie haben vollkommen Recht. Wie immer bei Nationalratswahlen, so auch meine angesprochene und vorgezogene Wahl in Oktober 2017, werden Parteien gewählt. Falls ich richtigliege, war die Parteibezeichnung: "Liste Sebastian Kurz - die neue Volkspartei" mit Listenerstem, Sebastian Kurz. Der Plan und der Style (am Reißbrett entworfen – Umbenennung Türkis usw.) von Kurz und seinen engen Vertrauten, war damals klar ausgelegt für einen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Zuvor die Intrigen gegen Viz.K. Mitterlehner und bei Partei-Übernahme ließ sich Kurz mit voller Machtkompetenzen in der Partei ausgestattet. Das alles war das Fundament für Kurz´s aufstieg. "Keine Streitereien - kein Stillstand mehr" "neuer Stil" und weitere Parolen. Ja! Wem hat das nicht gefallen? Wie Sie schon richtig erwähnt haben, trotzdem haben gefühlsmäßig viele, wie ich (-jung und naiv!), nicht die "neue ÖVP" sondern Sebastian Kurz gewählt. Obwohl das technisch nicht richtig ausgedrückt ist, weil man "nur eine Partei" wählen kann. Regierung "Kurz I" mit der FPÖ begann, bis Ibiza...

      Herr_Kules

      @Chronos

      Auch wenn ich Ihr Posting aufmerksam lese, kann ich nicht erkennen, warum meine Argumentation ungültig sein soll. Gerne können Sie mir das aber erklären.

      Zu Ihrer Frage: "'Keine Streitereien - kein Stillstand mehr' 'neuer Stil' und weitere Parolen. Ja! Wem hat das nicht gefallen?" - Mir hat das damals schon nicht gefallen, wenngleich sich zu der Zeit meine Kritik an Kurz und der ÖVP noch auf deren menschenverachtendes Verhältnis zu Geflüchteten beschränkt hat. - Das hat sich geändert. Inzwischen halte ich noch viel mehr an der ÖVP für verurteilungswürdig.

      Chronos

      Herr_Kules, ich helfen Ihnen gerne weiter…

      Vormals schreiben Sie: "…müsste Matthias Strolz bei seinen Lobeshymnen auf Kurz 42 gewesen sein. Ich weiß jetzt nicht, ob man das als JUNG bezeichnen darf, aber ERSTWÄHLER war er damals sicher nicht. Auch das Prädikat NAIV steht einem Politiker eher schlecht zu Gesicht."

      Ihre Argumentation ist nicht "ungültig" (-wie Sie sich ausdrücken), sondern aus meiner Sicht nicht "Folgerichtig". Weil nämlich, wenn Sie "genau" lesen, ich das auf mich selbst bezogen habe und nicht auf Matthias Strolz!

      Zur Ihren Verständnis: ICH war "jung und naiv", "verblendet" und es war eine "klare Jugendsünde" von MIR und ich gestehe ein, bei den NR-Wahlen 2017, die Partei gewählt zu haben, aus der dann der Bundeskanzler Sebastian Kurz hervorgegangen ist! Ich hoffe, Sie verstehen mich jetzt? Im Grunde habe ich und viele andere gefühlsmäßig Sebastian Kurz gewählt, auch wenn man natürlich wie r.ingruber schreibt, die Partei wählt. Es fällt mir nicht leicht, das nochmals deutlich zu schreiben. Auch wenn mich Herr Ingruber zu beruhigen versucht – danke!

      Menschenverachtetes Verständnis zu den Flüchtlingen und Asylwerbern hatte Kurz vor der Wahl (aus meinen damaligen Empfinden) bei weiten nicht, wie ich dann erkennen durfte, als er Bundeskanzler in der Regierung mit der FPÖ wurde. Aber ich sage ja, dass es von mir eine "Jugendsünde" war, so zu wählen! Ich glaube, dass sich auch viele andere WählerInnen von Kurz ​haben "blenden" lassen. Offensichtlich haben Sie diesen Fehler (und geblendet und naiv zu sein) nicht begangen.

      Inzwischen habe ich mich gewandelt. Sehr vieles in der Politik von BK Kurz und seinen Türkisen ist dem Populismus geschuldet und vieles ist auch zu verurteilen! ​Da bin ich mit Ihnen einig. Und ich habe meine Meinung dazu auf dolomitenstadt.at ect. nicht wohlwollend bzw. scharf kundgetan.

      Herr_Kules

      @Chronos

      Sie meinten, dass ich aus unseren Postings irgendetwas schließe, was nicht wirklich aus ihnen folgt. Wenn die Wahrheit der Prämissen eines Arguments die Wahrheit seiner Konklusion nicht garantiert, so bezeichnet man dieses Argument als "ungültig". "Ungültig" heißt in diesem Fall das Gleiche wie "nicht folgerichtig". Nur um zu klären, warum ich das so geschrieben habe. Das tut aber nichts zur Sache, es geht sowieso um etwas anderes.

      Dass Sie die Bezeichnungen "jung" und "naiv" auf sich bezogen haben, war mir durchaus bewusst, als ich mein Posting verfasst habe. Ich habe das als Rechtfertigung dafür aufgefasst, sich in Kurz getäuscht zu haben. Sie meinen, dass Matthias Strolz sich auch in Kurz getäuscht hätte. Zu diesem Zeitpunkt war Strolz aber nicht mehr jung und wenn er naiv gewesen sein sollte, ist das eine Eigenschaft, die ihn sicher nicht als guten Politiker auszeichnet. Also steht ihm diese Rechtfertigung nicht zur Verfügung. Sie mögen das vielleicht auf sich bezogen haben. ICH habe es auf Strolz bezogen, weil wir uns ursprünglich über ihn unterhalten haben.

      Deswegen müssen Sie sich auch in dieser Diskussion nicht dafür rechtfertigen, Kurz gewählt zu haben, das tut nämlich nichts zur Sache. Wo wir uns ursprünglich uneinig waren, war, ob Strolz ein guter Politiker war.

      Chronos

      Herr_Kules, bis hierher war die Diskussion mit Ihnen vielleicht noch "spannend".

      Tut mir leid, ich bin nun deutlicher: Sie haben kaum etwas verstanden und Sie schreiben sich nun in einen totalen Wirbel. Falls für Sie "ungültig" und "nicht folgerichtig" (nicht die richtigen Schlüsse ziehen) die gleiche Bedeutung haben und dies mit einer völligen wirren Erklärung verteidigen, dann ist mir bewusst, dass Sie in keiner Weise irgendwo ein Einsehen haben werden. Auch dass Sie mein Posting FALSCH interpretiert haben und nun fadenscheinig darauf beharren, dies erkannt zu haben und nun den gleichen Fehler wiederholen, zeugt davon, dass Sie einfach keine andere Meinung als die Ihre zulassen! Aus dieser Sicht ist jede folgende Diskussion mit Ihnen zu diesem Thema sinnlos!

      r.ingruber

      "Und doch kann ich in Eurem wirren Vortrag nichts entdecken, das Licht in die Angelegenheit bringt."

      Das ist ein Zitat aus "Der Name der Rose", mit dem der Abt eine logische Argumentation Bruder Williams abwürgt. Danach wird es spannend! 😱

      Herr_Kules

      @Chronos

      Meine Absicht war es nicht, Sie zu beleidigen oder Ihrer Meinung ihren Wert abzusprechen. Auf mich wirkt es fast so, als hätten Sie mich nicht richtig verstanden, ich will Ihnen das aber nicht unterstellen. Am Ende wissen wir wohl beide selbst, was wir gemeint haben. Jedenfalls denke ich, dass ich Sie in Ihrem letzten Posting zumindest mit Sicherheit richtig verstanden habe und finde es sehr schade zu lesen, dass Sie so denken. Ich weiß aber nicht, wie ich Sie vom Gegenteil überzeugen soll, deswegen werde ich nicht versuchen, gegen Ihren Standpunkt zu argumentieren und Ihre Meinung einfach so stehen lassen.

satyr

Sg. Frau Ingruber Ihre Ausführungen zu nur noch 2 Legislaturperioden können nur voll unterstützt werden. Leider läuft es auch in den Gemeinden oft so daß sich kein auf den ersten Blick "besserer" Bewerber findet und der Wähler wählt dann einfach das bekannte Übel anstatt ein neues das er erst kennenlernen muß. Leider schwillt manchem Politiker (Bürgermeister ) mit den Jahren im Amt derart der Kamm daß wenig Brauchbares gemacht wird.

Schade übrigens daß es nicht möglich ist Bewerber auf ein politsches Amt mit einem Wahrheitsserum auf ihre tatsächliche Überzeugung zu überprüfen. Beschert uns leider öfters Totalversager im Amt.

PS: Wilhem Busch schreibt in Max und Moritz über den Bürgermeiser - Doch zu seinem Glück und Heil war der Kopf kein edler Teil.

ibins

So ein genialer Artikel aber auch.... dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!! Außer vielleicht der Frage, ob sich Pichlerj im Artikel selbst angesprochen gefühlt hat??? Ein Schelm der Böses denkt.....🙃

Der Graukofler

Während die österreichische "Buberlpartie" von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, zeigt uns Italien vor wie es geht: Macht den fähigsten Mann des Landes, Mario Draghi, den ehemaligen Chef der EZB und Retter des Euro, zum Regierungschef. Dieser besetzt die Schlüsselpositionen mit unabhängigen Experten. Und schon herrscht wieder Aufbruchstimmung im Land.

rebuh

wow, frau ingruber, was war das positive an der einzigen bundeskanzlerin, ausser das sie rein gar nichts bewirkt hat, und nur zuschauen konnte wie das parlament in einem anfall zum verteilen von wahlgeschenken milliarden verschleuderte?! und die zukunft, verschone uns vor einer kanzlerin rw!

    Chronos

    @rebu, warum nicht eine Bundeskanzlerin, wenn sie alle Voraussetzungen mitbringt?

    Die erste hat tatsächlich nichts bewirkt bzw. bewirken wollen oder können.

Nichtwisser

Sehr geehrte Frau Dr. Ingruber! Das ist aus meiner Sicht der absolut beste Artikel den ich in "D" von ihnen gelesen habe! Sie sind eine wirklich hochgebildete Frau! Hoffentlich bringen sie ihre Schüler auf das gleiche Denklevel, dann bleibt die Demokratie evolutionsfähig.

Pichlerj

Frau Ingruber, ist es möglich, dass sie auch einmal ihr Wissen im Hintergrund, hin zu einer positiven Kulisse wechseln und dies in den Vordergrund stellen. Ich habe den Eindruck, hier schimmern die Ansichten von Univ.-Prof. Dr. Ulrike Guérot von der Donau Uni Krems durch.. ☹

    Daniela Ingruber

    Herr oder Frau Pichlerj, junge und kreative Menschen aufzufordern, in die Politik zu gehen – ich wüsste nicht, was daran nicht positiv sein sollte. Im Übrigen arbeite ich nicht mit Ulrike Guérot zusammen und kann auch selbst denken, ohne dass mir jemand einflüstern müsste, wenn ich schreibe. Ich kann Sie aber dahingehend beruhigen, dass Sie in Zukunft weit weniger oft auf Kommentare von mir treffen werden.

      Querkopf

      ... hoffentlich nicht, Daniela, deine Kommentare sind wie Regengüsse in der Wüste @Pichlerj.... sie werden es noch nicht gecheckt haben, aber die "positiven Kulissen" sind Pappmachè-Gebäude im Dauerregen. Trotzdem viel Glück, des Menschen Glaube (früher: Wille) ist sein Himmelreich!

      Oschtadio86

      Schade! Ihre Artikel sind eine Bereicherung!! Ein kleiner Trost wäre nur, wenn Sie in die Politik gehen würden... 🙏 Meine Stimme wäre Ihnen sicher, wenn Sie bei Ihren Überzeugungen bleiben!!!! 👏

      Chronos

      Ja, Frau Ingruber! Menschen wie Sie, würden die Politik "erfrischen"! Auch meine Stimme für Sie!!!

osttirol20

Zum Glück befindet sich Österreich endlich wieder auf dem Weg weg von der trotzigen Türkisen PR-Buberlpolitik, das zeigt nur, dass selbst die Wähler lernfähig sind und sich nicht von Kurz, Blümel, Platter, Tilg oder Hörl an der Nase herumführen lassen 😀😀😀

Das Projekt "Student for Kanzler" ist zwar bereits auf Ibiza, aber vollkommen durch das Zutun der Grünen, offiziell gescheitert!!!

Außer den tükisen Nullen und dem neuerlichen Ausscheiden der Grünen aus dem Nationalrat wir zu unser allem Glück nicht viel übrig bleiben!!!

Muehle

Das Bedrückende ist, mit welchen Themen wir uns herumschlagen müssen seitdem dieser türkise Narzisst die rot-schwarze Koalition weggeputscht hat. Diese Truppe heuchelt ja nicht einmal Interesse Projekte für die Bevölkerung Österreichs umzusetzen zu wollen, und ich sage das unabhängig von Corona. 4 komplett verlorene Jahre ohne wirklichen Fortschritt und Ideen, im Gegenteil, wir verlieren international immer mehr an Boden. Der schlechteste Kanzler der 2. Republik.