Familie vergiftet sich irrtümlich mit Narzissenzwiebel

Im Frühjahr kommt es immer wieder zu folgenschweren Pflanzenverwechslungen.

Die Temperaturen werden wärmer, die Tage länger und die ersten Pflanzen beginnen zu sprießen. Zwischen März und Mai hat der Bärlauch Saison und landet in der heimischen Küche nur allzu gerne auf dem Teller. Erfahrene Sammler wissen, dass die frischen grünen Blätter des wild wachsenden Bärlauchs dabei nicht mit denen des Maiglöckchens verwechselt werden sollten, denn diese sind giftig.

Trotzdem kommt es im Frühjahr, wenn die SammlerInnen losziehen und dem Duft des Bärlauchs folgen, immer wieder zu Vergiftungen. In Kärnten ist in solchen Fällen das Institut für Lebensmittelsicherheit, Veterinärmedizin und Umwelt des Landes zuständig, das bei Meldungen die Vergiftungsursache feststellt und Proben im Labor analysiert, um eine passende Therapie für Betroffene zu gewährleisten.

Im Labor analysiert Gunther Vogl die Proben. Im Frühjahr wird die Abteilung häufig bei Vergiftungen mit Wildblumen zu Rate gezogen. Foto: LPD Kärnten/Bauer

Doch nicht immer ist das Maiglöckchen der Übeltäter. ILV-Direktor Gunther Vogl berichtete in der vergangenen Woche von einer Verwechslung, die nichts mit dem Bärlauch oder seinem giftigen Doppelgänger zu tun hatte. Eine Familie aus Kärnten hatte sich beim ILV gemeldet, nachdem sie nach dem Genuss einer Wildkräutersuppe akute Vergiftungssymptome bemerkt hatte. In der Suppe war aber kein Bärlauch. Das ILV rückte aus, um die Ursache für die Vergiftung der dreiköpfigen Familie zu klären.

„Von der Kräutersuppe selbst waren keine Restbestände mehr vorhanden. Deshalb war es notwendig, alle Zutaten von exakt der ursprünglichen Pflückstelle noch einmal zu besorgen, um sie dann analysieren zu können“, so Gunther Vogl.

Die Analyse brachte auch ein Ergebnis: Das, was die Familie für die Zwiebel des wilden Lauchs gehalten hatte, stellte sich als Zwiebel der Narzisse heraus – einer hochgiftigen Pflanze. Die Narzisse blüht zwischen Februar und März in zahlreichen österreichischen Beeten, zu ihrer Art zählt auch der Märzenbecher. Dass die langstielige Blume mit dem gelben Blütenkopf bei Verzehr schwere Vergiftungssymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Kreislaufprobleme mit Herzrhythmusstörungen verursachen kann, ist allerdings wenig bekannt.

Alle Pflanzenteile der Narzisse sind hochgiftig. Die Pflanzen können deshalb auch im Garten eine Gefahr für Kinder darstellen. Foto: Unsplash/ Mariola Grobelska

„Viele Wildkräuter und Frühlingsblumen sind essbar. Deshalb ist es vielen Menschen nicht bewusst, dass gerade die Narzisse in all ihren Bestandteilen giftig ist“, sagt der ILV-Leiter. Er rät, bei Unsicherheiten einen Blick auf die „Österreichische Liste essbarer Wildpflanzen und Blüten“, eine Empfehlung des Gesundheitsministeriums, in der unbedenklich verzehrbare Pflanzen aufgelistet sind, zu werfen.

Der Kärntner Familie geht es mittlerweile wieder besser. Doch die Arbeit des ILV ist nach dem Frühjahr, wenn die Frühlingsblumen bereits verblüht sind, noch nicht getan. Im Sommer sind es giftige Pilze wie der Fliegenpilz, der Grüne Knollenblätterpilz, der Gallenröhrling oder der Pantherpilz, die die MitarbeiterInnen auf Trab halten. Auch hier kommt es immer wieder zu folgenschweren Verwechslungen mit essbaren Speisepilzen.


Im Falle einer Vergiftung kann man sich in ganz Österreich telefonisch an die Vergiftungsinformationszentrale wenden: +43 (0)1 406 43 43

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