Belegschaft der Eule protestiert gegen Schließung

„Empörung und Fassungslosigkeit“ in einem offenen Brief an Landesrätin Fischer.

Sehr geehrte Frau Landesrätin Fischer,
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Platter,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Willi,
Sehr geehrte BürgerInnen und Eltern!

Anlässlich des, am 19. Mai erschienenen Artikels in der Tiroler Tageszeitung bezüglich der Schließung der Therapiezentren „Die EULE“, richten wir uns als Belegschaft mit diesem offenen Brief an die zuständigen Personen sowie alle BürgerInnen und Eltern, um auf die von Frau Landesrätin Fischer und der Tiroler Tageszeitung getroffenen Aussagen im betreffenden Artikel zu antworten.

Zunächst möchten wir als gesamte Belegschaft unsere Empörung und Fassungslosigkeit über das Vorgehen der Frau Landesrätin in den Medien ausdrücken. Wir sind zutiefst bestürzt, dass die Landesrätin, zuständig für unsere Kinder und Jugend, solche Aussagen ohne belegbare Fakten gegenüber der Presse tätigt und MitarbeiterInnen sowie Eltern von einer angeblichen Schließung aus den Medien erfahren. Dieses Vorgehen widerspricht der getätigten Aussage der Frau Landesrätin, dass es wichtig sei, dass es zu keiner Verunsicherung für die Kinder und Eltern kommt.

Die Aussage, dass die TherapeutInnen in der Eule aktuell rund 400 Kinder und Jugendliche betreuen ist nachweislich falsch. Insgesamt werden in allen Therapiezentren der Eule tirolweit (nicht nur in Innsbruck) rund 1.200 Kinder, Jugendliche und deren Eltern mit rund 48.000 Therapiestunden im Jahr betreut, therapiert und begleitet, welche diese Unterstützung dringend benötigen.

Das Therapiezentrum „Die Eule“ bietet dabei nicht nur eine zentrale Anlaufstelle für die betroffenen Familien und interdisziplinäre Behandlungsplanung, sondern auch ein geballtes Know-how für komplexe Fälle im Kinder- und Jugendbereich und der klinisch- psychologischen Behandlung. Eine Auslagerung an private Therapieplätze ist für viele Familien finanziell kaum möglich. Besonders sozio-ökonomisch schwache Familien werden durch die Schließung einer gemeinnützigen Institution wie „Die Eule“ noch stärker belastet, was wiederum zu Lasten unserer Kinder und Jugendlichen und somit zu unserer gesellschaftlichen Zukunft geht.

Bezüglich der Aussage, dass die therapeutische Versorgung nach der Schließung des Therapiezentrums gesichert ist, möchten wir anmerken, dass gerade die klinisch-psychologische Versorgung in diesem Ausmaß und gerade in der momentanen Gesundheitskrise in Tirol sonst nirgends wohnortnah angeboten wird. Generell ist gerade durch die Corona-Pandemie so viel zusätzliches psychisches und existentielles Leid bei den Kindern und deren Familien entstanden, dass eine flächendeckende, niederschwellige interdisziplinäre therapeutische Versorgung eigentlich unbedingt aufrechterhalten und ausgebaut gehört.

Durch die jahrelang fehlende Indexanpassung der öffentlichen Institutionen im Bereich der Therapien ist eine kostendeckende Arbeit jedoch nur schwer umsetzbar. Als soziale Organisation ist „Die Eule“ besonders auf die Unterstützung und Zusammenarbeit dieser angewiesen. Somit lässt sich auch hier ein Widerspruch erkennen, wenn durch die Schließung einer therapeutischen Einrichtung Kindern und Jugendlichen eine gezielte therapeutische Unterstützung verwehrt wird, wird es später für die Kinder und Familien zunehmend schwieriger und teurer und zwar für unsere gesamte Gesellschaft.

Weiters ist uns unklar, was unter einer zukünftig wohnortnahen Betreuung und Netzwerk genau zu verstehen ist. Das Therapiezentrum „Die Eule“ besteht in acht Tiroler Bezirken und ist somit bereits ein über 30 Jahre bestehendes Netzwerk mit fachspezifischem Know-how, das wohnortnahe Betreuung und Therapien garantiert. Wo wird die Anlaufstelle für die Eltern in Zukunft sein? Was ist mit den Familien, die sich eine private Therapie bei einem niedergelassenen Therapeuten nicht leisten können? Wer übernimmt die diagnostischen Prozesse, die in der Eule in der interdisziplinären Behandlung inkludiert sind? Wer soll das zukünftig abfedern? Wer begleitet sozial schwache Familien im gesamten Therapieprozess – von Anmeldung bis Therapieabschluss? Wie kann der versprochene Ersatz kostengünstiger angeboten werden? Wer bildet in Zukunft Praktikant/innen in Ausbildung und Therapeut/innen nach der Ausbildung mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche aus?

Dies sind nur einige der vielen Fragen, die mit einer Schließung eines gemeinnützigen Therapiezentrums einher gehen. Unserer Meinung nach sollten diese Fragen in Zusammenhang mit einem Lösungsansatz beantwortet werden, bevor die Überlegung einer Schließung überhaupt in Frage kommt.

Daher appellieren wir als gesamte Belegschaft der Eule dringend an Sie, sehr geehrte Damen und Herren, die angedachten Maßnahmen im Sinne unserer Kinder und Jugendlichen und deren Zukunft noch einmal gründlich zu überdenken!

Die Belegschaft der EULE, Mai 2021

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5 Postings bisher
jul.na

Gerade in Lienz den Fokus auf die klinisch-psychologische Arbeit der Einrichtung zu richten, irritiert etwas, wenn man das tatsächliche Angebot bedenkt. Da wäre besser gewesen, die logopädische und ergotherapeutische Arbeit in den Mittelpunkt zu rücken, die echt top ist. PsychologInnen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten gibt es im Übrigen in Lienz wohl auch jetzt schon, da muss sich niemand extra selbständig machen. Mit entsprechenden Angeboten gibts auch entsprechende Anlaufstellen. Auch Einrichtungen, die Menschen für den Kinder- und Jugendbereich ausbilden, gibt es, abgesehen von der Eule. Ganz so ist es auch wieder nicht!

fokalu13

Keiner kann besser beurteilen, wie wichtig und notwendig Einrichtungen wie die EULE sind, als deren Belegschaft. Es ist eine Missachtung ihrer Arbeit von Seiten der Politik. Ich hoffe, für die Mitarbeiter und für die Familien, dass es eine befriedigende Lösung gibt.

isnitwahr

Mit jeder Aktion, die unsere ach so tolle Landesregierung startet zeigt sie mehr, dass alle Beteiligten (türkis+grün) nicht mehr wählbar sind. Es ist einfach nur mehr zum Kotzen, was die sich so einfallen lassen. Sehr "geehrte" Damen und Herren der Landesregierung, man kann sich auch mit Gewalt die Bevölkerung zum Feind machen. Meine Stimme habt ihr nicht mehr und ich bin mir zu 100% sicher, dass ich hier für Viele spreche. Und genau so viele werden in Medien wie Dolomitenstadt die Leute daran erinnern, was ihr euch so geleistet habt und hoffentlich eine Wiederwahl verhindern.

    manwie

    ich denke, es gibt ein Prinzip, das im gesellschaftlichen Leben der Kitt für den Erfolg gedeihlichen Zusammenlebens ist: das ist das Prinzip Verantwortung und hier finden wir das Wurzel allen Übels: gleichgeschaltete Medien und gewissenlose Regierungen kennen keine Verantwortung, sondern verwenden das Wort nur als Sprechblase; sie fordern es bei den anderen, beim Volk, das in unkritischer Weise zur Solidarität aufgerufen wird und kritische Bürger ohne diese Solidarität werden ganz einfach als Gefährder, uneinsichtige Schwurbler und Aluhutträger, als Verursacher alles Schlechten verantwortlich gemacht und dafür "verantwortungslos " sozial geächtet, da ja nur sie die Gesellschaft "spalten"

Gertrude

Es ist erschreckend, dass man in so schwierigen Zeiten so wichtige Einrichtungen schließen möchte.

Das Christlich- Soziale, wo ist es geblieben?