Suchthilfe zählt in Osttirol derzeit 139 KlientInnen

Während der Corona-Pandemie ist die Gefahr einer Suchterkrankung gestiegen.

„Osttirol wird weder von Medien-, Kauf- oder Glücksspielsucht, noch von missbräuchlichem oder abhängigem Konsum von (il-)legalen Substanzen verschont. Bei uns ist alles da, was es auch in Großstädten gibt“, schildert Bianca Gussnig, die in Lienz als Beraterin für die Suchthilfe Tirol tätig ist.

Auch – aber nicht nur – die Pandemie habe das Suchtverhalten verändert. „Insgesamt wurden während der Pandemie mehr Suchtmittel konsumiert. In einer Befragung unter Suchthilfe-KlientInnen gaben vier Fünftel der Befragten an, dass sich ihr Suchtverhalten verändert hat. 25 Prozent gaben an, dass sie jetzt mehr Suchtmittel konsumieren. Zwölf Prozent konsumieren weniger und zehn Prozent haben eine Substanz nicht mehr angerührt“, erklärt Suchthilfe-Geschäftsführer Wolfgang Sparber.

Als Gründe für veränderten Suchtmittelkonsum nannten die KlientInnen den Wegfall sozialer Kontakte bzw. Sorgen, Ängste und Langeweile. In Zeiten des Coronavirus sei zwar die Zahl der Glücksspielsüchtigen gesunken, dafür aber die Mediensucht präsenter geworden, erklären Gussnig und Sparber. Dennoch sei in Osttirol während der Pandemie das Problembewusstsein in Bezug auf das Suchtverhalten gestiegen. Im Bezirk Lienz betreut die Suchthilfe derzeit 139 Personen zu denen neben Suchtkranken auch deren Angehörige zählen. Auch Personen, die von der Bezirkshauptmannschaft oder einem Gericht geschickt werden – zum Beispiel wenn der Führerschein in Gefahr ist – werden in Lienz betreut: „75 Prozent unserer KlientInnen sind Männer, 25 Prozent Frauen. Der Großteil kommt in Eigeninitiative.“

Wolfgang Sparber (GF Suchthilfe Tirol) und Beraterin Bianca Gussnig. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Laut Bianca Gussnig sind die Herausforderungen in Osttirol „sehr divers.“ Ein mächtiger Problemherd bleibt der Alkohol. In Österreich gelten fünf Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren als alkoholkrank. „Umgelegt auf den Bezirk Lienz bedeutet dies, dass in Osttirol knapp 2.500 Menschen als alkoholsüchtig einzuschätzen sind. Rund 30 bis 40 Prozent der jungen Erwachsenen in Österreich haben laut Schätzungen bereits Cannabis konsumiert“, so Gussnig. Auch illegale Drogen (Cannabis, Kokain, Ecstasy, Heroin etc.) bereiten den Verantwortlichen im Bezirk Sorgen.

Die Suchthilfe-Expertin hat aber auch eine gute Nachricht in petto: „Lassen sich die Betroffenen helfen, sind Suchtprobleme sehr gut behandelbar und die Erfolgschancen hoch.“ Abhängige Menschen würden sehr oft an Schuld- und Schamgefühlen leiden, weshalb der Weg zur Suchthilfe nicht einfach sei. Gussnig und Sparber appellieren daher an Betroffene und Angehörige, die kostenlose und anonyme Hilfe in Anspruch zu nehmen. Um das Unterstützungsangebot in Osttirol zu bündeln, wurden der Verein „sucht.hilfe BIN“ und die Suchtberatung zur Suchthilfe Tirol zusammengeführt.


Kontakt Suchthilfe-Beratungsstelle Lienz:

Rosengasse 12, 9900 Lienz
Tel. 0512/5800 80-650
www.suchthilfe.tirol

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