Das Hochfahren von Wasserkraftwerken lässt die Pegel steigen. WWF und Fischer fordern unter anderem eine Schonzeit für Jungfische. Fotos: WWF/Christoph Walder

Das Hochfahren von Wasserkraftwerken lässt die Pegel steigen. WWF und Fischer fordern unter anderem eine Schonzeit für Jungfische. Fotos: WWF/Christoph Walder

Kraftwerke: WWF fordert Ende der Schwall-Belastung

Der rigorose Einsatz des Schwallbetriebs gefährde Fische und das ökologische Gleichgewicht massiv.

Die Umweltschutzorganisation WWF Österreich und der Tiroler Fischereiverband warnen vor den Folgen des Schwall-Sunk-Betriebs von Wasserkraftwerken. Dadurch steige und sinke der Wasserspiegel in den Flüssen oft mehrmals täglich „sehr schnell und drastisch – teils um bis zu eineinhalb Meter.“

Auf Basis von wissenschaftlichen Untersuchungen an der Drau schätzt der WWF, dass in Österreich jedes Jahr bis zu 200 Millionen Jungfische und Fischlarven der Schwall-Sunk-Belastung zum Opfer fallen. Daher fordern Fischer und Naturschützer ein Rettungspaket, das verpflichtende Sanierungen und eine eigene Schonzeit für Jungfische vorsieht. „Sowohl die Wasserkraft-Branche, als auch die Politik haben die europarechtlich geforderte Sanierung bisher verschleppt. Dadurch wird millionenfaches Tierleid verursacht und der Großteil des Fischnachwuchses getötet. Das muss sich dringend ändern“, sagt WWF-Gewässerschutz-Expertin Bettina Urbanek.

Gefährdete Fischarten wie die Äsche leiden unter dem Schwallbetrieb.

Schonzeit für Jungfische gefordert

Österreichweit sind laut WWF 725 Kilometer an Flussstrecken so stark durch Schwall und Sunk belastet, dass sie gemäß EU-Recht saniert werden müssten. Als Sofortmaßnahme wünscht man sich die Einführung eines „Jungfischfensters“ – einer neunwöchigen Schonzeit im Mai und Juni, in der die Schwallbelastung gestoppt oder zumindest stark verringert wird.

„Fische sind gute Gradmesser für den Zustand von Fluss-Ökosystemen. In Tirol hat der Fischbestand über die Jahrzehnte drastisch abgenommen und wenn wir weiterhin zulassen, dass der Schwall ungezügelt unsere Flüsse heimsucht, dann haben wir in naher Zukunft keine Äschen, Koppen oder Huchen mehr“, warnt Zacharias Schähle, Leiter des Tiroler Fischereiverbandes. Für den schwindenden Bestand gebe es zwar mehrere Ursachen, der Schwall-Sunk-Betrieb spiele laut Schähle aber eine entscheidende Rolle.

WWF-Expertin Urbanek fordert vom Landwirtschaftsministerium, die notwendigen Schutz- und Sanierungsmaßnahmen verbindlich vorzuschreiben: „Denn ohne verbindliche Vorgaben ist höchst fraglich, ob die Wasserkraft-Branche die durch sie verursachten Schäden beheben wird.“ Nur noch 14 Prozent der heimischen Flüsse seien in einem sehr guten ökologischen Zustand und rund 60 Prozent müssten wegen ihres Zustandes saniert werden.

Wasserkraftwerke im Schwall-Sunk-Betrieb starten bei hohem Bedarf und hohen Preisen die Stromproduktion und lassen mehrmals täglich große Mengen Wasser aus den Stauseen bzw. Speichern ab. Das schnelle Steigen und Sinken des Wasserspiegels wirkt sich laut Urbanek katastrophal auf die Wasserlebewesen aus: „Bei hohem Wasserstand weichen Jungfische in flache Uferbereiche aus, um der schnellen Strömung zu entgehen. Nach erneutem Absinken des Wassers bleiben sie in seichten Bereichen und Gumpen gefangen, in denen tausende von ihnen verenden.“

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5 Postings bisher
AlterSchwede

... sind doch ganze 725km in ganz Österreich betroffen!

Insgesamt ist das österreichische Fließgewässernetz über rund 100.000 Kilometer lang! https://info.bmlrt.gv.at/themen/wasser/wasser-oesterreich/zahlen/fluesse_seen_zahlen.html

So muss jetzt wieder meinen TESLA mit Ökostrom aus Norwegen aufladen gehen.

Man (in diesem Falle Frau) kann sich wirklich über alles aufregen wenn man genügend Zeit und Geld (der Allgemeinheit) hat.

chiller336

.... aber alle wollen e-autos fahren .....

wolf_c

... schon merkwürdig das die vielen verantwortlichen beamteten wasserbauer und experten in den behörden und regierungen davon nix mitbekommen ...