„Alles was neu gebaut wird, wird streng geprüft“

Raumplaner Thomas Kranebitter erklärt aktuelle Strategien gegen den Flächenverbrauch.

Österreich verbaut mehr Boden als die meisten anderen Länder der EU. 13 Hektar, was der Fläche von 20 Fußballfeldern entspricht, werden täglich verbaut. Nur sind die begehrtesten Flächen für den Siedlungs- und Straßenbau aber gleichzeitig die besten Ackerböden. Außerdem beugen unverbaute Böden durch die Wasseraufnahme auch dem Klimawandel vor und schützen vor Hochwasser.

Nun steht allerdings nicht genügend Land für beides zur Verfügung und gerade in einem geografisch begrenzten Bezirk wie Osttirol fällt schnell auf, wenn unverbaute Fläche schwindet. Wird im Lienzer Talboden irgendwann kein grünes Fleckchen mehr übrig bleiben und wie schaut es mit dem Traum vom Einfamilienhaus im Grünen aus?

Raumplaner Thomas Kranebitter berät viele Gemeinden im Bezirk bei Widmungs- und Bebauungsfragen und erklärt im Dolomitenstadt-Podcast, warum der Lienzer Talboden doch nicht gänzlich verbaut werden wird und wer wie entscheidet, ob noch ein weiterer Lebensmittelmarkt gebraucht wird oder eben nicht.


Der Dolomitenstadt Podcast ist ein akustisches Magazin, das die Redaktion von dolomitenstadt.at in Lienz zusammenstellt. Das Themenspektrum ist breit und beschränkt sich nicht nur auf die Region. Wir stellen spannende Projekte vor, widmen uns den Künsten und der Kunst des Lebens, schauen in Kochtöpfe und über den Tellerrand, greifen heiße Eisen an und diskutieren die Themen unserer Zeit mit Menschen, die etwas zu sagen haben.

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19 Postings bisher
Edi1913

Danke für den Artikel, tu halt lieber lesen als podcasten.

hunter

Es wird gebaut und gebaut auch in Osttirol und wir verbetonieren bei weitem mehr als andere Regionen ... jeder Bürgermeister in Osttirol öffnet jedem Investor jeden Grund nur um Kommunalsteuer bzw. Wohnsitze zu lukrieren ... Es gibt bei Osttirols Bürgermeistern nur ein Denken ... Hauptsache in meiner Gemeinde wird das Projekt gebaut ... Planungsverbände sind nur Vorwände um gemeinsames zu schaffen, im Hinterkopf der BGM´s sieht es ganz anderst aus ... SCHADE

    so ist es vielleicht

    Deshalb gehört die Widmungshoheit zum Land, unbedingt und sehr dringend!!!! Das beste Bsp. ist die Debant! Was da immer noch weiter gewidmet und Grünland vernichtet wird, ist völlig verrückt. Dieser Talbodenbereich wird bald der erste sein, der zur Gänze verbaut sein wird in Osttirol! 🙈🤔

wolf_c

So ein wunderschöner Einblick in erweitertes Systemversagen: Herr Kranebitter beschreibt in sehr sympatischer Art Zwänge und Rahmenbedingungen raumplanerischen Wirkens: ein nicht unwichtiger Bestandteil dabei ist der Gesetzgeber. Der verläßt sich auf den Experten. Und die Experten arbeiten nach Gesetz. Ein Teufelskreis.

und wie schaut es dann aus: Wasserschwälle vernichten das Leben von Flußsystemem, Heuhupfer dahupfen den grünen Intensivwüsten nicht davon, jahrhunderte alte Bäume werden für Kreisverkehre geopfert und Kinderchöre singen dafür. Dazwischen fahren die täglichen Autischaren von Betonschachtel zu Betonschachtel, und alle sagen: Klass und Wunderbar, wie schön ist unsere Welt. Und der Talboden.

Wozu braucht es da noch Bewußtseinsbildung? Immerhin reicht die Bewußtseinsbildung ja für eine fesche 30er Widmung in der Tristacherstrasse, was will man mehr?

Ahja, Autoverkehr hat Priorität, deswegen gibt es diese Pendlerwüsten. ZB wurden die Parkplätze in der Tristacherstrasse nicht übereinander - was angesichts einer einfachen Brücke durch Kostenersparnis sogar finanziell leicht zu stemmen möglich gewesen wäre - gemacht. Wir betonieren gnadenlos in die Fläche und entziehen den Menschen wertvollen öffentlichen Raum und kühlendes Grün. Und ja, was geht auch die Gemeinde die ÖBB an? Und das Parkhaus neben dem Krankenhaus ist städtebaulich eine Katastrophe und zeugt von entsprechender Bewußtseinsbildung durch unterstützende Experten.

Es ist immanent, wieviel Bewußtseinsbildung schon geschehen ist. Abzulesen zB an den Drüberfahrerkommentaren über Greta Tunberg: Sie hat mehr geleistet wie die allermeisten Politiker und Wirtschaftsbosse des ganzen Planeten. Die FFF jetzt! nicht einmal zu ignorien ist kontraproduktiv und volkswirtschaftlicher Wahnsinn. Konkret ist es unfassbar mit welcher Chuzpe die Drautaler Experten und Politiker ihre neue große Strasse in die Natur bauen. Sie und die Drüberfahrer beklaschten sich dafür und verkaufen es als humatiären Akt verkaufen. Der Gipfel des Zynismus! ExpertenRat?Grundtausch? Nur mehr hilflos wirkt angesichts dieses Desasters der Versuch Fahrverbote zu machen. Warum nicht gleich das Richtige?

Und von Voralberg hätte Herr Kranebitter das Beispiel der Firma Ölz aufzeigen können, vom 'Lebensraum LienzerTalboden' gibt es solche Beispiele nicht. Ohne Menschen dort hätte die Politik und die Wirtschaft gnadenlos Bewußtseinsbildung old school betrieben. Und übrigens wegen der 'Baukultur': In Dornbirn steht eine Brücke, die diesen Namen auch verdient, aber wie gesagt: was geht Lienz schon die ÖBB an, und warum soll eine Brücke nicht viel teurer und schiacher sein dürfen wie sie müßte oder/und könnte(wenigstens ist die neue im Draupark ein Genuß!).

Und wie beruhigend, daß es noch immer kein neues Beispiel in unserem ganzen Raum gibt, welches schonende und behutsame Umsetzung von Flächenersparnis im Wohnbau dokumentiert. Dabei hat die OSG als führender Bewußtseinbilder doch sogar mitten in der Stadt die lästigen alten Nußbäume wegschneiden lassen, um mehr cash, Entschuldigung: um mehr Dichte generieren zu können. Danke Experten. Die letzte verflossene Chance einer raum- und flächensparenden Widmung eines Wohbauprojekts – neben vielen anderen akuten – war diese komische Erschließung(Zerstörung)neben der Zettersfeldstrasse(auch bewußtseinsbildend).Offensichtlich wird dort an diesem Ort, daß Menschen nicht 200m vom Parkplatz zum heimeligen Kaminfeuer zu Fuß zu gehen können, wie denn auch ...

Und zu all dem wissen wir: Das Gesetz will es so! Wir warten wir also auf die nächste Katastrophe, wir sind ja live dabei … oder wir beobachten den Heimgang der schönen NATURDENKMALLinde Klösterle in der Schweizergasse beim 1809er Denkmal, jedem aufmerksamen Autopendler ein Begriff: Eben Naturschutz und Umweltgestaltung und Bewußtseinsbildung auf Lienzerisch, aber Hauptsach behutsam!

    bb

    Ich bin in vielem ganz bei dir. Aber was stört dich an der Tiefgarage beim Krankenhaus, das kann ich nicht heraus lesen?

      wolf_c

      liebe(r)'bb' : an diesem ort zerstört sie durch ihr wirken die natur, tötet das lebendige und macht die umwelt hässlich; sie vermindert und verunmöglicht durch ihr wirken die gesunde lebensqualtität; sie unterstützt und fördert egoistisches verhalten und wirkt kontraproduktiv auf den sozialen frieden und das heilige leben

    bb

    Danke für die Erläuterung.

so ist es vielleicht

Grundsätzlich muss die Flächenwidmung von den Gemeinden zum Land wandern. So geht das nicht, dass Gemeindebürger (Gemeinderat) für Freunde und Bekannte alles erfüllt, da man sich ja gut kennt und niemandem auf die Füße treten will! Das gehört auf eine neutrale Ebene gehoben! Finanziell gehören die Gemeinden zudem von der Anzahl der gemeldeten Bürger oder den Betrieben entkoppelt, dazu gehört ein neuer 🗝 geschaffen.

Was für mich immer schon ein Wahnsinn war, dass man nicht schon vor Jahrzehnten sämtl. größeren Betrieben oder Einkaufcentern eine Tiefgarage vorgeschrieben hat. Liebherr ist für mich ein Paradebsp., ein Irrsinn wieviel unnötige Flächen hier zu geschottert wurden. Teilweise bis heute völlig ungenutzt, wurden Wiesen zerstört, z.B. für Parkplätze, die man alle unter die Erde bringen hätte können.

Aber lt. Herrn Dr. Kranebitter scheint der Weg ja jetzt langsam in die richtige Richtung zu gehen, leider halt viele Jahre zu spät...

    defregger

    Sie sprechen mir aus der Seele.... .. nochmal ein kl. Beispiel: 2000m2 Parkplatz in der grünsten Wiese in St.Jakob in iD. für ein Hotel (2014) gewidmet u. genehmigt damit ein, der damalige Bgm. eine öffentlich rechtlich gesicherte Zufahrt erhält. Und alle GR stimmen mit ja! Könnte es auch visuell (Bild) einstellen.

    Die kommenden Generationen werden sich bedanken!

      wolf_c

      Sie haben Recht und dazu noch einmal aus -salto- ,Marc Zebisch: Auf Gemeindeebene ist es entscheidend, den Klimawandel und die Naturkatastrophen immer mitzudenken. Bei jeder raumplanerischen Entscheidung müssen die Auswirkungen bedacht werden, die weitere Versiegelungen haben. Und letztendlich kann jeder Einzelne etwas beitragen.

    bb

    ... und dass man das FMZ in der Debant, das ja eine Tiefgarage hat, nicht gleich 2-stöckig gemacht hat....

Edi1913

jetzt fangts ihr auch auch schon mit dem Unfug an. Text bitte! Aber nur zur Überschrift: Wenn der Herr viele Osttiroler Gemeinden berät, hat er Vieles falsch gemacht. Beispiel Matrei: Inzwischen 4 (!) riesige Supermärkte 1,5 km vom Zentrum entfernt (+FMZ), im Ort selber nix. Die Raumplaner haben auch nachgelassen.

Der Graukofler

Ich stelle mir die Frage, wovon ein Raumplaner lebt, wenn nichts gebaut wird bzw. wenn alles beim Alten bleibt?

    Gregor Samsa

    Von sehr viel anderem, glauben Sie mir. Wenn man nicht gerade mit der komplexen Schlichtung tausender verschiedener Interessen im Raum beschäftigt ist, dann ist man es mit der Aufarbeitung der "Fehler" der vergangenen Jahre. Fehler unter Anführungszeichen, weil diese Ansichten ja auch nur von den sich stets wandelnden Ansichten der Gesellschaft und der damit zusammenhängenden Kulturen von Planung abhängig sind.

    Vor vierzig Jahren (böse Zungen behaupten im Bezirk Lienz noch heute) war das die autogerechte Stadt, die zum Ideal nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch unter den Planer*innen wurde. Aktuell ist es die Debatte um den Klimawandel und die Umwelt im Allgemeinen, die die Planer*innen wiederum auffordert, korrigierend einzugreifen. Und in Zukunft wird es dann wieder andere Trends geben, die auch räumlichen Einfluss haben werden und mit denen man umgehen muss (Stichwort Digitalisierung). Und so schnell wird sich das auch nicht ändern.

    Entwicklung muss übrigens nicht immer nur Wachstum heißen. Auch die Schrumpfung von Gemeinden und Orten, wie wir es aktuell besonders in der Peripherie vorfinden muss geplant werden. Oder eben auch das "nichts verändern".

    Edi1913

    eher sollte es nicht beim Alten bleiben (=grausliche EKZs vor jedem Bezirksstatdtlen und noch kleineren Gemeinden), fußläufig musst Du schon froh sein, wenn der Bäcker/die Bäckereifiliale Dir auch Butter oder Milch verkauft. Die sollten eher darauf schauen, dass es nicht mehr weiter in die Richtung geht, wäre Arbeit genug, aber halt auch keine Kuschelpartie mit dem Bürgermeister.

    Burgi

    Rückbauten und Bauland- Rückwidmungen hoffentlich

Bewohner

...wer wie entscheidet, ob noch ein "weiterer Lebensmittelmarkt gebraucht wird oder eben nicht." In der Stadt Lienz werden immer mehr Wohnungen gebaut und die Müllinseln werden dadurch immer kleiner. Ich glaube, bald wird man nach Strassenname, sein Altpapier und Plastik in dir Countainer bringen dürfen, wenn die Einwohner von Lienz zu faul sind die Kartons zusammen zuschneiden, oder sich doch gleich am Weg machen zum Altstoffsammelzentrum.

gemeiner Waldkauz

Das mit den Supermärkten mit ihren Parkflächen stimmt. Soviel Grund für EINE Etage. In anderen Ländern werden Wohnungen über den Markt gebaut.

    Edi1913

    wenn ich das Glumpert kilometerweit vom Ort aufstelle, brauchts eben riesige Asphaltseen (neuerdings mit ein paar bederbigen Bamlin behübscht).

Kilian1990

Alles, was neu gebaut wird, wird streng geprüft. Die Überschrift enthält schon mal sensationelle Neuigkeiten.😂😂😂