Hilfe für Menschen mit Post-COVID und Long-COVID

Ein Tiroler Netzwerk soll die Behandlung durch mehrere Fachdisziplinen koordinieren.

Rund 72.000 Tiroler und Tirolerinnen haben sich seit dem Auftauchen von Covid-19 nachweislich mit dem Virus infiziert, mit sehr unterschiedlichen Folgen. Sehr häufig sind teils schwere Atemwegserkrankungen und neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Riech- und Geschmacksstörungen. Seit Mitte 2020 häufen sich zudem Hinweise auf mögliche längerfristige gesundheitliche Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion auch bei Personen mit einem leichten oder symptomarmen Krankheitsverlauf.

In Tirol soll nun eine jeweils passende Versorgungsstruktur für die Betroffenen angeboten werden. „Patientinnen und Patienten, die unter Post-COVID leiden, stehen zumeist unter großem Leidensdruck. Häufig beeinflusst Post-COVID nicht nur die Gesundheit, sondern vor allem auch die Psyche und die Lebensumstände. Post-COVID oder Long-COVID können zu einer völligen bzw. teilweisen Arbeits-, Ausbildungs- und Schulunfähigkeit führen. Das belastet nicht nur die Menschen, sondern auch das Gesundheitssystem“, erklärt dazu Gesundheitslandesrätin Annette Leja. Das Land Tirol und die Sozialversicherungen gaben am 8. Oktober deshalb grünes Licht für den Aufbau einer Koordinationsstelle Post-COVID Tirol am Landesinstitut für Integrierte Versorgung.

Die Gesundheitslandesrätin Annette Leja forciert den Aufbau einer Koordinationsstelle Post-COVID Tirol am Landesinstitut für Integrierte Versorgung. Foto: Land Tirol/Die Fotografen

„Schneller zur richtigen Behandlung, zielgerichtet und qualitätsvoll lautet hier der Anspruch. Erste Anlaufstelle sind die Hausärztinnen und Hausärzte sowie niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte“, erklärt Bernhard Achatz, Landesstellenvorsitzender der ÖGK Tirol. Ein Netzwerk soll die Leistungen in den Krankenhäusern, in der ambulanten und stationären Rehabilitation aber auch durch den niedergelassenen Bereich koordinieren.

Wenn vom Hausarzt oder der Hausärztin die Symptome mit den Betroffenen abgeklärt sind und eine weitere Abklärung oder Behandlung benötigt wird, erfolgt eine Überweisung an die Koordinationsstelle. „Wir bauen ein Versorgungsprogramm auf, das ganzheitlich orientiert und personenzentriert vorgeht“, so Judith Löffler-Ragg, die neue medizinische Leiterin Post-COVID Tirol. „Da bei Post-COVID häufig mehrere Symptome zusammentreffen, ist eine Behandlung durch mehrere Fachdisziplinen, also eine multiprofessionelle, fachübergreifende Versorgung im Team nötig“, betont Löffler-Ragg.

Das Post-COVID Tirol Netzwerk umfasst Hausärzt:innen, niedergelassene Fachärzt:innen, die Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin, die Tirol Kliniken GmbH (Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Kinder- und Jugendheilkunde, Pneumologie), die Bezirkskrankenhäuser, Einrichtungen zur ambulanten Rehabilitation, Einrichtungen zur stationären Rehabilitation, niedergelassene Therapeut:innen, institutionelle Versorgungsangebote und Pflegeberufe. Die Koordinationsstelle am Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol koordiniert die Netzwerkpartner.

„Ein erster Schritt ist die Information der Tiroler Bevölkerung über das Krankheitsbild Post-COVID bzw. Long-COVID über eine qualitätsgesicherte Website, die wir unter www.postcovid.tirol eingerichtet haben“, erklärt Andreas Huber, Vorstand des LIV Tirol.„Parallel forcieren wir den Aufbau einer Datenbank auf Basis der bereits bestehenden Digital Health Plattform, die den hohen IT-Sicherheitsstandard der Tirol Kliniken erfüllt. Mittels telemonitorischer und web-basierter Technologien wird ermöglicht, einen digitalen Symptomkatalog strukturiert auszufüllen und Informationen zwischen den involvierten Personen gezielt auszutauschen, um die Versorgung bestmöglich gewährleisten zu können.“


Hinweis in eigener Sache: Wir haben die Kommentarfunktion bei Covid-Artikeln deaktiviert.

Die Arbeit von
dolomitenstadt.at unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in Krisenzeiten ist faktenorientierte und schnelle Information wichtig.
Wir arbeiten trotz Rückgang bei den Werbeeinnahmen mit großem Einsatz, um Sie bestmöglich – und kostenlos! – zu informieren.

Wenn Sie unsere journalistische Arbeit mit einem einmaligen Beitrag unterstützen möchten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen!

Sie möchten dolomitenstadt.at unterstützen?