Erhalt alter Kulturarten in Südtirol verboten?

Netzwerk warnt: Rechtliche Einschränkungen bedrohen die Kulturpflanzenvielfalt.

Das Projekt „Pustertaler Kulturarten Vielfalt“ – kurz PuKuVi – hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Pustertal grenzübergreifend auf Osttiroler und Südtiroler Seite das Handwerk und die Bedeutung der Saatgutvermehrung ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Am 25. November informierten die Gemeinde Assling und die Europäische Akademie Bozen im Rahmen des Interreg-Projektes über die Rechtslage für den Tausch und Verkauf von Saatgut in kleinem Rahmen. 60 Personen, darunter Bäuerinnen und Bauern, Politiker:innen und Vertreter:innen von Behörden aus Süd-, Nord- und Osttirol nahmen an der Online-Veranstaltung teil.

Ob und auf welchen Wegen man die verschiedenen Saatgutarten in den Verkehr bringen darf, unterliegt strengen gesetzlichen Bestimmungen. Saatgutrecht und Sortenschutz sind genauso zu beachten wie die neue EU-Verordnung für die Pflanzengesundheit. In Österreich ist es erlaubt, Saatgut nicht registrierter Sorten in kleinen Mengen in Umlauf zu bringen. In der Schweiz ist das Tauschen von Saatgut nicht nur als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO anerkannt, sondern auch aus den gesetzlichen Bestimmungen des Saatgutrechtes herausgelöst. Saatgut dürfen die Eidgenossen in kleinen Mengen ohne rechtliche Einschränkungen tauschen und verkaufen.

Die Weitergabe von Saatgut wird von Land zu Land unterschiedlich geregelt. In Österreich ist die Weitergabe kleiner Mengen relativ unkompliziert. Fotos: C. Vogl

Brisant ist die Situation allerdings in der autonomen Provinz Bozen. Eine Teilnehmerin der Veranstaltung schilderte die Lage im Südtiroler Teil des Pustertales: Menschen, die dort Saatgut von besonderen Raritäten und wertvollen Kulturpflanzen vermehren wollen, stehen „mit einem Fuß im Gefängnis“. Das gelte auch für Kleinmengen. Für Sabine Schrott von den Artenvielfaltshöfen im Südtiroler Pustertal „eine unhaltbare Situation“. Sie fordert von der Politik, die Erhaltung und Weitergabe von lokalem Saatgut „zu fördern und nicht zu behindern“.

Das Teilen von Saatgut ist meist verknüpft mit dem Austausch von Wissen zu Anbau und Nutzung über Generationen hinweg.

Die Veranstalter sind überzeugt, dass der dringende Handlungsbedarf in der Diskussion von den eingeladenen Politiker:innen erkannt wurde. Allerdings hatte der zuständige Südtiroler Landesrat Arnold Schuler (SVP) seine Teilnahme an der Online-Konferenz zugesagt und war dann doch nicht anwesend. 

„Die pflanzengenetische Vielfalt unserer Kulturpflanzen ist aus vielen bekannten Gründen, aber auch durch wenig förderliche rechtliche Einschränkungen stark bedroht. Wenn sich Interessierte nicht stark und gemeinsam für Vielfalt einsetzen, verlieren unsere Agrarökosysteme an Stabilität. Auch die Landwirtschaft hat dann weniger Optionen für eine Anpassung an den Klimawandel“, betont Christian Vogl, Biologe an der Universität für Bodenkultur.

Für eine Reihe kleinbäuerlicher Betriebe im Berggebiet, so Vogl, bergen traditionelle Kulturarten und daraus hergestellte Produkte „ein hohes Potenzial für innovative Wertschöpfungsketten“. Die Redner:innen des Info-Events wollen sich für Erleichterungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen einsetzen, um die Strategien für den Erhalt der Biodiversität besser umzusetzen.

Artenvielfaltshöfe wie der Felderhof aus dem Südtiroler Pustertal brauchen rechtliche Erleichterungen.
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