Auf die Ankündigung einer Demo vor dem Kinder-Impfzentrum reagierte die Polizei mit einem Großaufgebot. Fotos: Dolomitenstadt

Auf die Ankündigung einer Demo vor dem Kinder-Impfzentrum reagierte die Polizei mit einem Großaufgebot. Fotos: Dolomitenstadt

Lokalaugenschein bei der Kinderimpfung in Lienz

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, doch die Demonstranten blieben aus.

„Ich rufe jeden dazu auf, am 6. Dezember um 13.00 Uhr zur Schule Lienz Nord zu gehen und gegen diese Kinderimpfaktion zu protestieren“, so wurde auf Facebook, Instagram und Co. in den vergangenen Tagen mobilisiert. Die Rede war von der Mittelschule Nord, wo heute – am Nikolaustag – Kinder zwischen fünf und elf Jahren geimpft und mit einem Nikolo-Sackerl belohnt wurden.

Die Aussicht auf eine unangemeldete Spontandemo im Nahbereich des Krankenhauses rief die Exekutive auf den Plan. Die Emanuel von Hibler-Straße zur Klinik muss jederzeit für die Rettung frei befahrbar sein. „Hier werden rote Linien überschritten. Das ist ein sensibler Bereich und Personen, die freiwillig zur Impfung kommen wollen, sollen das auch tun können“, betont Bezirkspolizeikommandant Silvester Wolsegger vor Ort. Die Polizei riegelte das Schulgelände mit mehreren Streifenwägen und Dutzende Beamten ab. Wie sich zeigte, war es ein Sturm im Wasserglas, denn von Demonstranten fehlte Montagmittag jede Spur.

„Ihr lasst zu, dass die Kinder das genmanipulierte Zeug bekommen“, klagt dieser Mann. Silvester Wolsegger weist ihm den Weg.

Bevor um 14.00 Uhr mit den Impfungen begonnen wurde, tauchte ein einzelner Demonstrant mit bekannten Parolen auf und will diskutieren. „Ich zahle euch mit meinem Steuergeld und ihr lasst das zu“, ruft er den Beamten zu und warnt vor dem „genmanipulierten Zeug“. Er sei in letzter Zeit öfter aufgefallen, erklärt der Postenkommandant und findet die richtige verbale Dosis, um den Impfgegner zweifelsfrei des Platzes zu verweisen. Der zieht von dannen und Wolsegger schildert uns die Lage:

Wenig später trudelten die ersten Impfwilligen ein. Eine Großmutter begleitete ihren Enkel: „Er hat uns gesagt, dass er sich gerne impfen lassen möchte. Nach dem Mittagessen sind wir von Greifenburg hierher gefahren.“

Beim Start um 14.00 Uhr kamen bereits einige Kinder ins Impfzentrum. Die Polizei sicherte das Gelände.

Wir brechen unsere Zelte ab. Als wir bei der Krankenhaus-Einfahrt vorbeikommen, begegnet uns eine Frau mit Hund und rot-weiß-roter Wollmütze. Sie fragt: „Wer hat ein Transparent für mich?“ Ein Polizist erklärt ihr, dass es keine Demo gibt. „Von euch sind genug da, aber wo sind die Leute?“, lässt sich die Dame nicht abwimmeln und wird misstrauisch: „Was habt ihr mit den Leuten gemacht?“ Der Polizist beruhigt sie. Frau und Hund spazieren davon.

„Was habt ihr mit den Leuten gemacht? Wo sind die alle?“, will diese Frau wissen.

Schockiert von der Aktion zeigt sich NEOS-Klubchef Dominik Oberhofer in einer Medienaussendung: „Wenn jetzt schon Demonstrationen vor Kinder-Impfzentren wie offensichtlich heute vor der NMS Lienz-Nord geplant sind, dann ist der Bogen der demokratischen Meinungsäußerung eindeutig überspannt“, so Oberhofer. Hier gehe es nur noch darum, „Menschen einzuschüchtern, die zur Impfung wollen.“

NEOS-Klubchef Dominik Oberhofer stellt klar: „Der Bogen ist überspannt“.

„Als Vater finde ich es persönlich ganz brutal, dass bei den Corona-Demonstrationen Kleinkinder von fanatischen Eltern in den Abendstunden durch die Innenstädte Tirols geschliffen werden. Dass dieser Fanatismus jetzt aber offenbar auch Kinder-Impfstraßen trifft, ist mehr als schockierend. Ich erwarte mir hier das klare Handeln aller Verantwortlichen. Solche Demonstrationen darf es in Tirol nicht geben“, sagt Oberhofer. Ein entsprechendes Signal fordert der pinke Klubchef auch von Tirols FPÖ-Klubobmann Markus Abwerzger.

Wer Fragen zur Impfung von Kindern und Jugendlichen hat, kann diese ab sofort über eine Beratungshotline des Landes stellen. Unter der Nummer 0676 88508 82301 stehen Schulärzt:innen von Montag bis Freitag jeweils von 12.00 bis 14.00 Uhr und von 16.00 bis 18.00 Uhr zur Verfügung. „Obwohl Kinder und Jugendliche weniger häufig als Erwachsene schwer an Corona erkranken und an den Langzeitfolgen leiden, ist es wichtig, sie mit der Impfung zu schützen. Gleichzeitig schützen sie damit auch ihre Mitmenschen und sorgen für einen kontinuierlichen und aufrechten Schulbetrieb“, erklärt Gesundheitslandesrätin Annette Leja.


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