Wenn aus links und links am Ende wieder rechts wird

Audio: Lilly Papsch atmet, lebt und liebt Kultur. Sie liest aus ihren Gedichten.

Lilly Papsch ist kulturaffinen Leser:innen als wohlgesonnene Kritikerin der unterschiedlichsten Veranstaltungen bekannt. Wer sie trifft, spürt schnell, dass Papsch Kultur atmet, lebt und liebt. Bereits zum zweiten Mal ist sie heuer im literarischen Adventkalender zu hören und gewährt uns einen kleinen Einblick in ihr Schreiberleben, auch abseits von Kulturkritiken. Wie entdeckte die kleine Elisabeth das Schreiben für sich? Was hat Frau Zollner damit zu tun und die linke Hand ihrer Eltern? Wir lassen Lilly Papsch selbst erzählen:

Anstatt mehrere Stationen aus meiner Vita aufzuzählen, entscheide ich mich diesmal für nur eine und zwar erinnere ich mich der Anfänge meiner motorischen Schreibfähigkeit. Im Kindergarten erhielt ich manchmal- wahrscheinlich für „besondere Verdienste“- von der „Tante“ ein Bildchen. Um sicher zu gehen, dass alle anderen wissen, dass es auch wirklich mir gehört, schrieb ich auf die Rückseite die Anfangsbuchstaben meines Vor- und Nachnamens. Mein ungekürzter Vorname ist „Elisabeth“.

Lilly Papsch. Foto: Privat

Das E dafür geriet allerdings immer in Spiegelschrift, also mit den Querstrichen nach links. Auch das S meines Nachnamens „Scilla“ gelang vermutlich nur in der verdrehten Windung. Das hatte einen völlig harmlosen Grund und zwar bekam ich gleich von beiden Elternteilen die Linkshändigkeit vererbt. Vor allem meine Großmutter war beunruhigt, weil ich ausschließlich mit der linken Hand nach Blei- und Malstiften griff, aber erst meine Lehrerin Zollner setzte pflichtgetreu alles daran, mir diese „Unart“ abzugewöhnen. Ich wurde gezwungen mit der „richtigen“, also mit der rechten Hand zu schreiben, daran führte kein zukünftiger Weg vorbei.

Dass ich nicht mehr die Jüngste bin beweist die Tatsache, noch mit Tafel, Schwamm und Griffel in die erste Klasse gegangen zu sein. Das kratzende Schreiben auf dem Schiefer war für mich nicht nur akustisch die reine Qual. Wie oft fiel mein Geschreibsel dem nassen Schwamm zum Opfer, weil es zu schlampig war! Der Prozess bis zur wohl oder übel akzeptierten „Schönschrift“ dauerte seine Zeit, doch schließlich hatte man mich wohl dorthin gebogen, wohin es die damalige Gesellschaft verlangte. Beim Hören meiner Texte wird niemand feststellen können, mit welcher Hand sie geschrieben wurden. Das spielt auch keine Rolle, Hauptsache sie kommen „von Herzen“:


Die Lesereihe „Unerwartete Begegnungen“ wird vom Literaturkreis der Stadtbücherei Lienz realisiert, dessen Mitglieder die Texte ausgewählt und selbst eingelesen haben. Ursprünglich waren adventliche Lesungen in der Bücherei geplant, die aber der Pandemie zum Opfer fielen.

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