Demo in Innsbruck: „Ihr werdet uns nicht brechen“.

Angeführt von Herbert Kickl machten 6.000 Maßnahmengegner ihrem Ärger Luft.

„Friede, Freiheit, Demokratie“ ruft die Menge am Sonntagnachmittag, 9. Jänner, in der Innsbrucker Innenstadt. Und immer wieder „Lügenpresse“! Rund 6000 Menschen protestieren lautstark aber friedlich gegen die Beschlüsse der Bundesregierung in der Corona-Politik, insbesondere gegen die geplante Impfpflicht. Veranstalter der Demonstration ist offiziell das „Team Tirol“, das im Vorfeld auch mit der Teilnahme von MFG-Bundesgeschäftsführer Gerhard Pöttler warb.

Die Polizei war bei der Demo in Innsbruck allgegenwärtig, eingreifen mussten die Beamten nicht. Foto: Florence Lang

Mit Trommeln, Hupen und Sprechchören verschaffen sich die Demonstrant:innen Gehör. Sie sehen die Menschenrechte verletzt, kämpfen für die „Unversehrtheit ihrer Kinder“. Wie schon bei den Demos in Wien ist auf Transparenten von „Impfverbrechen“ zu lesen und wieder wird der Nürnberger Kodex bemüht, 1947 erlassen als Reaktion auf die verbrecherischen medizinischen Experimente der Nazis. Niemand stört sich an diesem Vergleich.

Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger und Generalsekretär Michael Schnedlitz heizen die Stimmung an, bevor der Star der Maßnahmengegner zu seinen Tiraden anhebt. Herbert Kickl redet sich einmal mehr in Rage, die Regierung leide an einem „schweren Verlauf politischer Verblendung“, „wir sind das Volk“, schreit der Freiheitliche und „Freiheit“ skandiert die Menge. Tirol-Flaggen und Kuhglocken verbreiten Hahnenkamm-Stimmung.

Der Einpeitscher vom Dienst. FPÖ-Parteiobmann Herbert Kickl attackiert unermüdlich die „Falotten-Regierung“. Foto: APA

Kickls Attacken werden härter. Ungeimpfte und Genesene seien die „Betrogenen“ und: „Sie wollen uns alle umprogrammieren“. Doch er und die Demonstrierenden seien „keine Knechte“ sondern „das Souverän“. Der Versuch, mit Demonstrant:innen ins Gespräch zu kommen, scheitert: „Lügenpresse“ höre ich, meine Fragen werden ignoriert. Es scheint als wäre niemand bereit, außerhalb der Sprechchöre einem regionalen Medium direkt Rede und Antwort zu stehen. En passant schnappt man einzelne Meinungsfetzen auf. „Ohne Medien keine Pandemie“ und „die Regierung zerstört uns, nicht das Virus“.

Sprechchöre, Kuhglocken, Transparente und …
… ein „Lichtermeer“ zu Klängen von David Hasselhoff. Die Proteste haben streckenweise Volksfest-Charakter. Fotos: Florence Lang

Es bleibt an diesem Spätnachmittag in Innsbruck bei verbalen Kraftakten. Die Demo selbst läuft friedlich ab, nach Einbruch der Dunkelheit kommt fast romantische Stimmung auf, als am Ziel des Protestzugs auf dem Landhausplatz die Stimme von David Hasselhoff aus dem Lautsprecher erschallt: „Looking for Freedom“ wird gespielt und die maskenlose Menge erhellt mit ihren Handys die Nacht. Herbert Kickl ruft: „Und jetzt, weil wir die Hoffnung nie aufgeben wollen und irgendwann vielleicht auch der Dümmste draufkommt, dass es so nicht weitergeht, darf ich euch bitten: macht ein Lichtermeer.“

Welche Ironie, denkt man an ein anderes Lichtermeer, an die Schweigeminuten im Kerzenlicht kurz vor Weihnachten in Wien, ein stilles Zeichen, bei dem Passant:innen der Covid-Toten gedachten und ihre Dankbarkeit symbolisierten, Dankbarkeit und Vertrauen in die Wissenschaft und in die Leistungen der Ärzt:innen und Pfleger:innen.


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