Immer öfter Tiroler Kalbsfleisch auf heimischen Tellern

Bemühungen des Landes greifen, dennoch 70 Prozent Importanteil.

Wenn man sich die Kälbertransporte von Österreich ins Ausland anschaut und mit den Importen vergleicht, scheint die Rechnung nicht zu stimmen: 2018 haben etwa 45.000 Kälber das Land lebend in Richtung Spanien und Italien verlassen und wurden von dort zum Teil in Drittstaaten exportiert, in welchen die Tierschutz- und Schlachtbestimmungen der EU nicht zum Tragen kommen. Gleichzeitig wurden mehr als 100.000 Kälber in Form von Kalbfleisch nach Österreich importiert – in erster Linie aus den Niederlanden. Insgesamt kommen mehr als 70 Prozent des in Österreich konsumierten Kalbfleisches aus dem Ausland.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen ist das importierte Fleisch trotz der Transportwege billiger als die heimischen Produkte und zum anderen entspricht die Farbe des Fleisches eher den Wünschen der Konsumenten. Niederländisches Kalbsfleisch ist weiß, was hierzulande als Qualitätsmerkmal angesehen wird. Tatsächlich ist es genau umgekehrt: Das weiße Fleisch rührt von einer Mangelernährung her, die bei den Kälbern zu schmerzhaften Entzündungen führen kann. Die rosa Farbe des heimischen Kalbsfleisches zeugt von artgerechter Fütterung mit Vollmilch sowie Gras und Heu. 18 Euro pro Kilo kostet das Fleisch aus artgerechter heimischer Tierhaltung, 13 Euro pro Kilo zahlt man für niederländisches Kalbsfleisch.

Die rosa Färbung des Fleisches zeugt von artgerechter Fütterung. Foto: AMT Tirol

Das Land Tirol versucht mit Schlachtkälberprämien und Vermarktungsoffensiven heimische Kalbsfleischproduzenten zu unterstützen. Die Bemühungen scheinen nun zumindest zum Teil zu greifen: „Über 5.200 Vollmilchkälber, die sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Kälbermast nach Italien gegangen wären, konnten damit in Tirol aufgezogen und im Land vermarktet werden. Damit einher geht eine spürbare Reduktion an Verkehr und Tiertransporten sowie ein Mehr an Tierwohl“, zieht Agrarreferent LHSTv. Josef Geisler eine positive Zwischenbilanz über die im November 2020 beschlossene Beihilfe zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von heimischem Kalbsfleisch.

Mehr als 1.500 bäuerliche Betriebe haben sich mit durchschnittlich vier Kälbern von November 2020 bis Dezember 2021 an der Vermarktungsoffensive beteiligt und damit auch die regionale Versorgung mit Kalbfleisch gestärkt. „Die Agrarmarketing Tirol verzeichnet im gesamten Rindfleischbereich kontinuierliche Absatzsteigerungen. In Summe konnte die Anzahl der vermarkteten Tiere in den vergangenen fünf Jahren um 60 Prozent gesteigert werden“, so Geisler.

Immer mehr in Tirol geborene Kälber werden auch im Land aufgezogen und vermarktet. Foto: Fam. Isser/AMT Tirol

Die Tiroler Landwirtschaft ist stark auf Viehwirtschaft ausgerichtet, weil nur so die flächendeckende Bewirtschaftung des Grünlands in den Tallagen und die Bewirtschaftung der Almen gewährleistet werden kann. Die Milchviehhaltung wiederum ist mit einer regelmäßigen Produktion von Kälbern verbunden. „Wer heimisches Kalb- und Rindfleisch genießt, hat nicht nur höchste Qualität, sondern auch ein Stück gepflegter Landschaft auf dem Teller“, appelliert Geisler an die Konsumenten.

4 Postings

bobbilein

und ganz allgemein dreht es mir den magen um u. stellt es mir die haare auf, wenn ich hier so lese, wie man mit lebewesen - egal, ob im in- oder ausland - umgeht. ich frage mich, welche heile welt will geisler der kundin/dem kunden hier verkaufen?

 
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bobbilein

wenn ich mir das foto der heimischen kälber anschaue - zusammengefasst in einem holzverschlag, offensichtlich von der mutterkuh getrennt (dies ist für die tiere ein besonders traumatisches erlebnis!) u. abgespeist mit ersatzmilch, um am ende als kalbschnitzel auf dem teller zu landen.

viel besser kommt mir das auch nicht vor.

 
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chiller336

mich beschäftigt schon seit langem die frage, warum mann überhaupt kalbfleisch essen muß. quasi tierbabys müssen sterben damit der menschen gaumen befriedigt wird 😡😡😡

 
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so ist es vielleicht

Ein grundsätzlich zu förderndes System! Freut mich sehr! 😊

Vor Ort produzieren und auch verwerten, dies muss die Zukunft der EU sein. Regionalität unterstützen, Transporte massiv verteuern.

Das würde grundsätzlich weltweit so viele Probleme verringern, man muss es nur endlich einsehen.

Wer braucht denn wirklich Rindfleisch oder Viehfutter aus Südamerika, vorallem wenn dafür die Regenwälder in einem Ausmaß verschwinden, wie es das noch nie gab!!! Es muss ein Umdenken eintreten, wir stehen nämlich schon am Abgrund der Unumkehrbarkeit auf lange Zeit!

 
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