Kriminalität verschob sich 2021 in den privaten Raum

Bei sinkender Kriminalitätsrate in Tirol verändert sich der Charakter der Delikte.

Gesellschaftliche Entwicklungen haben Auswirkungen auf die Gewalt- und Übergriffbereitschaft der Bevölkerung. Das zeigt sich auch im zweiten Jahr der Corona Pandemie. 2021 wurden von der Polizei 31.370 Strafanzeigen in Tirol registriert. Die Zahl der Anzeigen sank im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent, erklärte Landespolizeidirektor Edelbert Kohler. Um 4,7 Prozent rückläufig war die Kriminalität in Osttirol. Strafbare Handlungen „gegen Leib und Leben“ verringerten sich im Bezirk Lienz sogar um 17 Prozent.

In puncto Aufklärungsquote hatte Tirol mit 65,1 Prozent österreichweit die Nase vorn. 2021 wurden 24.120 tatverdächtige Personen ausgeforscht und angezeigt, davon 9.313 sogenannte fremde Tatverdächtige – also Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Die „Top 5 Herkunftsländer“ der in Tirol angezeigten Ausländer waren wie im Vorjahr Deutschland – mit großem Abstand auf Platz eins – dahinter folgten Rumänien, die Türkei, Italien und Serbien.

Warum sinkt die Kriminalität? Die Behörden gehen davon aus, dass die Pandemie mit Einschränkungen im Nachtleben, verstärkten Grenzkontrollen und weit weniger Touristen der ausschlaggebende Faktor für diesen Rückgang sind. Covid-Maßnahmen führten allerdings nicht nur zu einem Rückgang, sondern auch zu einer Verlagerung der Straftaten und zwar vom öffentlichen in den privaten Raum, wie Katja Tersch, Leiterin des Tiroler Landeskriminalamtes, betont.

Bei 64,5 Prozent der begangenen Taten wurde ein Bekanntschaftsverhältnis zwischen Täter und Opfer erfasst. Die 1556 Opfer der Gewaltdelikte im privaten Raum reichen von Nötigung, Drohungen, Körperverletzungen bis hin zu Vergewaltigungen. Bereits 2020 waren Fälle häuslicher Gewalt um 16,3 Prozent gestiegen. 2021 wurde ein erneuter Anstieg um 16,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Dieses Resultat wird von den Ergebnissen der Osttiroler Kriminalstatistik bestätigt. Während 2020 noch 32 Personen durch Betreuungs- und Annäherungsverbot geschützt worden sind, waren es 2021 bereits 43 Menschen.

Mit 41,1 Prozent stieg im vergangenen Jahr auch die Internetkriminalität in Tirol massiv an. Der Bezirk Lienz weist hier ebenfalls eine Steigerung und zwar um 37,6 Prozent auf. Während 2020 noch 101 Delikte aufgelistet wurden, erfasste das Kriminalamt 2021 bereits 139 Online-Straftaten in Osttirol bei einer Aufklärungsrate von rund einem Drittel.

Erfreulich war die Kriminalitätsentwicklung in den Bereichen Suchtmittel- und Eigentumskriminalität, hier sank die Zahl der Tiroler Anzeigen im vergangenen Jahr um ein Viertel. Die Suchtmittelkriminalität im Bezirk Lienz sank um 21,1 Prozent. Die Eigentumskriminalität in Osttirol hat sich 2021 im Vergleich zu 2020 jedoch kontrovers zum Land Tirol verstärkt. Die Zahl von Einbruchsdiebstählen in Wohnhäuser stieg von 7 auf 8, in Wohnungen von 1 auf 4. In Keller wurde 2020 dreimal und 2021 sogar 16 Mal eingebrochen.

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