Aus eins mach drei: Der Asslinger Chefsessel ist begehrt

Um einen eintönigen Stimmzettel zu verhindern, fanden sich zwei neue Listen.

Nachdem Bernhard Schneider bekanntgegeben hat, nicht mehr für das Bürgermeisteramt zu kandidieren, sah es lange Zeit nach einem Start-Ziel-Sieg für Reinhard Mair aus. Der Gemeindevorstand sitzt seit drei Perioden im Asslinger Gemeinderat und hat von Schneider die Liste „Dörfergemeinschaft“ übernommen. Bürgermeister zu werden, sei aber nicht Teil seiner Lebensplanung gewesen: „Weil die Nachfolgersuche schwierig war und die Liste zu zerfallen drohte, habe ich mich dazu entschieden.“

Sein Team hat der 65-jährige Pensionist, der bis vor kurzem die Mittelschule Abfaltersbach geleitet hat, breit aufgestellt: „Wir haben 26 Leute aus allen Dörfern – von Bannberg bis St. Justina und von Mittewald bis Thal.“ Sieben der Kandidat:innen im vorderen Feld haben bereits Erfahrung in der Kommunalpolitik gesammelt. Neu dabei ist Landwirt Richard Walder auf dem vierten Listenplatz. Er war zunächst als Nachfolger Schneiders im Gespräch, Mair holte ihn letztendlich ins Boot. Das ist der Grund, wieso der 65-Jährige am Wahlsonntag wider Erwarten auch andere Namen auf dem Stimmzettel lesen wird.

Reinhard Mair übernimmt die „Dörfergemeinschaft“ und will Bürgermeister von Assling werden. Foto: Mair

Thaddäus Stocker hat sich kurzerhand dazu entschlossen, ebenfalls für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Laut Stocker habe Richard Walder an einer Bauernliste gearbeitet, ehe er von der Dörfergemeinschaft „abgeworben“ wurde. „Dann war klar, dass es keine Alternative geben wird und das wollte ich nicht hinnehmen“, erzählt Stocker. Der Führungsstil der Einheitsliste sei in der Gemeinde, die 699 Haushalte zählt, zu „kopflastig“ geworden.

Dem widerspricht Walder: „Eine Bauernliste war kein Thema und ich wurde von niemanden abgeworben, sondern habe mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, mit der Liste Dörfergemeinschaft anzutreten, weil mir viel Rückhalt aus der Asslinger Bevölkerung zugetragen wurde und ich der Ansicht bin, wenn ich in den Gemeinderat komme, kann ich  sicher das eine oder andere bewirken.“

Stocker lobt den scheidenden Bürgermeister für dessen Engagement, will aber „wieder Bürgernähe und Fairness“ nach Assling bringen. Der leidenschaftliche Imker hat den Betrieb „Sicherheitstechnik Stocker“ und den Osttiroler Bienenladen gegründet und mittlerweile an seine Kinder übergeben. Mit seiner siebenköpfigen Liste „Unabhängig für ein lebenswertes Assling“ ist Stocker zufrieden: „Wir haben in kürzester Zeit ein kleines, aber schlagkräftiges Team zusammengestellt.“

Thaddäus Stocker ist zwar Politneuling, ist im Oberland aber kein Unbekannter. Foto: Stocker

Neben Mair und Stocker will auch Thomas Lukasser bei der Verteilung der Mandate ein Wörtchen mitreden. Der 43-jährige Rauchfangkehrer will den 1.472 Wahlberechtigten in Assling mit der „Bürgerliste“ ebenfalls eine Alternative bieten: „Die Leute haben sich beklagt. Wir wollen Assling wieder eine demokratische Wahl ermöglichen.“

Mit der „Bürgerliste“ will Thomas Lukasser den Menschen in Assling eine Alternative bieten. Foto: Lukasser

Für Mair kam dieser späte „Doppelschlag“ – der ihn sehr wahrscheinlich in eine Stichwähl drängen wird – überraschend. Der ehemalige Lehrer bleibt aber gelassen: „Ich finde das gut, das spricht für Demokratie. Es werden auch mehr Leute wählen gehen.“ Stocker und Lukasser haben ihre Listen gekoppelt und damit ein weiteres Ass im Ärmel. Stocker sieht „hohe Chancen“, um sich so möglichst viele der 13 Mandate zu sichern. Auch den Bürgermeistersessel kann er schon erspähen: „Es ist möglich, die Stimmung in Assling gibt das her.“ Auch Lukasser rechnet sich „gute Chancen“ aus.


Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2022 Osttirol

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz Journalismus und Public Relations. Er ist Reporter mit Leib und Seele, am liebsten mit Mikrophon und Kamera unterwegs und leitet das Sportressort bei Dolomitenstadt.

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