In Nordtirol häufen sich aufgrund der schlechten Schneelage die - mitunter auch tödlichen - Skiunfälle. Foto: ÖKAS

In Nordtirol häufen sich aufgrund der schlechten Schneelage die - mitunter auch tödlichen - Skiunfälle. Foto: ÖKAS

Skiunfälle in Osttirol derzeit „im Durchschnitt“

Schneedecke abseits der Piste verhindert schwere Unfälle. Tölderer und Zimmermann für Eigenverantwortung.

13 Skisportler:innen sind seit dem 1. November in Österreichs Skigebieten ums Leben gekommen, 11 davon allein in Tirol. Das löste in den vergangenen Tagen eine breite Debatte darüber aus, ob Pisten von den Liftbetreibern vorausschauend gesperrt werden sollten, wenn sie ein erhöhtes Risiko bergen oder ob es den einheimischen wie auswärtigen Wintersportler:innen zuzutrauen ist, ihr skifahrerisches Können eigenverantwortlich einzuschätzen.

Wie berichtet, sprechen sich sowohl der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS), Peter Paal, als auch der Präsident des Alpenvereins, Andreas Ermacora, klar für die Eigenverantwortung der Skifahrer:innen aus.

Eine ähnliche Meinung wird auch in Osttirol vertreten: Thomas Zimmermann, Ortsstellenleiter der Lienzer Bergrettung, meint: „Es kommt auf das Fahrverhalten an. Wenn abseits der Piste kein Schnee liegt und es dementsprechend keine Sturzräume gibt, muss ich die Geschwindigkeit anpassen.“ Man könne nicht immer andere für Probleme verantwortlich machen, man müsse auch selbst den „Hausverstand“ einschalten, so Zimmermann.

Auch der Vorstand der Lienzer Bergbahnen, Mario Tölderer, appelliert an die Eigenverantwortung der Skifahrer:innen. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Mario Tölderer, Vorstand der Lienzer Bergbahnen, erklärt: „Es gibt in jedem Skigebiet einen zuständigen Pistenchef, der beurteilt, welche Pisten die Verkehrssicherungspflichten erfüllen. Keiner der Verantwortlichen würde hier ein erhöhtes Risiko eingehen und eine gefährliche Piste nicht sperren.“ Das Risiko von Pistenrandunfällen sei natürlich ungleich höher, wenn man abseits der Piste steiniges Gelände vorfindet oder dort Bäume stehen – hier sei beispielsweise das Zettersfeld mit seinen weitläufigen Wiesenflächen geländetechnisch im Vorteil. Er habe allerdings in den letzten Jahren bemerkt, dass die Eigenverantwortung der Skifahrer:innen immer weiter abnimmt, so Tölderer.

Sowohl Tölderer als auch Zimmermann sehen die Zahl der Skiunfälle im Bezirk Lienz momentan im „Durchschnitt der letzten Winter“. Meist würde es sich um „Standardunfälle“ handeln, wie man sie auch aus Wintersaisonen mit guter Schneelage kennt. Prinzipiell habe man derzeit in Osttirol noch das Glück, dass auch abseits der präparierten Pisten noch Schnee liegt, somit wird der Sturzraum erweitert, schwere Verletzungen werden dadurch weitgehend verhindert.

In einem der Skiunfälle mit tödlichem Ausgang in Nordtirol hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck indes ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung gegen den Betriebsleiter und die Hintertuxer Gletscherbahnen als Verband eingeleitet. Es werde überprüft, ob die Verkehrssicherungspflichten eingehalten wurden und was die genaue Unfallursache war bzw. ob dieser hätte verhindert werden können.

Anna Maria Huber studiert in Innsbruck, schreibt nicht nur für dolomitenstadt.at sondern auch für die Straßenzeitung 20er und betreut unser Redaktionsbüro in der Landeshauptstadt. Annas Stärken sind penible Recherchen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in klare und verständliche Artikel zu verwandeln.

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Ein Posting

Godmensch

Einen Tag am Zettersfeld verbracht und auf der Piste die Eigenverantwortung gesucht, vergeblich. Egoismus ist hier das richtige Wort. Es wird über die Verhältnisse und viel zu schnell gefahren. Keiner/die wenigsten schaut/en nach links oder rechts. Stehengeblieben wird oft in Gruppen und mitten auf der Piste. Snowboarder knien unterhalb Kuppen uvm. Ich habe den Tag gottseidank "überlebt".

 
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