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Keine Öffentlichkeit für Georg Kasers mahnende Worte

Journalisten waren bei der Konstituierung der „Klimawandelanpassungsregion“ Osttirol unerwünscht. 

Bernhard Schneider, ehemals Bürgermeister von Assling und aktuell Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbands Osttirol lässt am Telefon keine Zweifel aufkommen: „Nein, Journalisten sind nicht vorgesehen. Ihr bekommt in ein paar Tagen eine Presseaussendung von uns.“ Ich hätte mir gerne den Vortrag von Georg Kaser vor Osttiroler Bürgermeistern am 20. Februar in Nußdorf-Debant angehört. Ungefiltert, versteht sich. Kaser ist Klimaforscher mit Weltruf, ich hatte Gelegenheit zu einem Podcast-Gespräch mit ihm (dessen Tenor mir heute noch in den Gliedern sitzt) und hätte gerne gehört, welche Ratschläge er den Dorfchefs des Bezirkes mit auf den Weg in die regionale Klimazukunft gibt. 

Genau um dieses Thema ging es nämlich bei der Versammlung hinter verschlossenen Türen. Der Raumplaner und mittlerweile mit seiner Firma Raumschmiede auch als rühriger Berater tätige Thomas Kranebitter und der Abfallwirtschaftsverband luden zur Präsentation eines Konzeptes mit dem plakativen Titel „KLAR! Osttirol“. Hinter dem Akronym KLAR verbirgt sich das Wortungetüm „Klimawandelanpassungsregion“. Neben Kaser war mit Franziska Weineiss die KLAR-Managerin der Nockregion geladen. Wie kann man die Nachteile der Klimakrise minimieren und die sich eröffnenden Chancen – sowas soll es auch geben – nutzen? 

Georg Kaser, einer der weltweit renommiertesten Klimaforscher, referierte vor Osttiroler Gemeindevertretern in „geschlossener Gesellschaft“. Archivfoto: Dolomitenstadt/Wagner

Nachdem ich ausgeladen wurde und mir zum Trost die Gemeinderatssitzung in Lienz anhörte, kann ich bestätigen: Die Stadt als größte künftige KLAR-Gemeinde war in Nußdorf-Debant bestenfalls auf Beamtenebene vertreten, die Bürgermeisterin und alle politischen Mandatare einschließlich Umweltausschuss-Obfrau Gerlinde Kieberl hatten anderes zu bereden. 

Wer nicht nur anwesend war, sondern – wie man von Augenzeugen hört – als Teilnehmer an der Podiumsdiskussion auch mit eigenwilligen Interpretationen aufhorchen ließ, ist der soeben aus dem klimawirksamen E5-Programm ausgestiegene Bürgermeister von Virgen, Dietmar Ruggenthaler. Er soll die Erkenntnisse der – 2007 mit einem Nobelpreis ausgezeichneten – Klimawissenschaftler rund um Kaser angezweifelt haben. Kein vom Mensch hervorgerufener Klimawandel? Na KLAR! Das fängt ja gut an mit der Klimawandelanpassungsregion Osttirol. Noch eine Info von unserem Kiebitz vor Ort: Das Buffet war sensationell!

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe und Kommunikationswissenschafter arbeitete Jahrzehnte als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Lienz zurückkehrte und dort 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief.

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7 Postings

TW-WU
vor 2 Monaten

Stiftung gurutest: Dieses vermeintliche thema "naturschutz vs. klimaschutz", scheint wieder mal so ein framing aus einer bestimmten politischen richtung zu sein. Ich kenne keinen naturwissenschafter der gegen biodiversität, bodenschutz, etc. ist. Ganz im gegenteil arbeiten im weltklimarat naturwissenschafter aller disziplinen mit und sind diese themen im ipcc-bericht alle berücksichtigt. Dazu österreichs wissenschafter des jahres, der biodiversitätsforscher franz essl: "Artensterben und Klimawandel sind zwei Seiten einer Medaille: Intensive Landnutzung und die Zerstörung naturnaher Lebensräume wie Wälder oder Feuchtgebiete führen zum Rückgang vieler Arten. Gleichzeitig werden dadurch massiv Treibhausgase freigesetzt – und dies befeuert den Klimawandel..."

Unter diesem hintergrund sind die aussagen von ruggenthaler in dolomitenstadt.at von 2020 interessant: "Ich empfehle wenn möglich das Buch 'Klima' von Charles Eisenstein... Er schlägt vor, das 'Klimachaos' in der Perspektive der biologischen Vielfalt zu sehen und empfiehlt die Resilienz der Biosphäre zu erhöhen... Ich wünsche ... das ganzheitlichere Betrachtungen einfließen dürfen..."

Abgehesehn davon, dass wohl nicht mal der autor selbst weiß, welche konkreten maßnahmen darunter zu verstehen sind - das klingt doch extrem nach esotherischen und anthroposophischen schwachsinn. Eisenstein selbst ist philosoph und mathematiker, und hat noch nie irgendeine naturwissenschaftliche arbeit verfasst und auch nie auf diesem gebiet gearbeitet. Dagegen scheint eisenstein auch eine experte für virologie und epidemiologie zu sein. Wärhrend der covid-pandemie ist er mit folgenden aussagen aufgefallen: "Angehörige einer Quechua-Gruppe in Peru würden bei einer schweren Corona-Erkrankung kein Beatmungsgerät verlangen, sondern eine Schamanen der sie beim Sterben begleitet...."

https://matthewremski.com/wordpress/tag/charles-eisenstein/

 
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Hans
vor 2 Monaten

2 x 3 macht 4 - Widdewiddewitt - und Drei macht Neune !! - Wir machen uns die Welt - Widdewidde wie sie uns gefällt .... ;-) Bin ja mal gespannt was so alles an innovativen Lösungen für den Klimawandel in Osttirol die Zunkunft bringt. Noch mehr grüne Gewerbegiete? Klimaschutz jetzt, Naturschutz war gestern

 
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wolf_C
vor 2 Monaten

die meisten Bürgermeister hier werdens nimma lernen: Sie sind in der Regel TIWAG Knechte und AUTO Lobbyisten und können und dürfen von Gesetz wegen nit viel anders wie betonieren; sie machen halt, was ihren Bürgern am wichtigsten ist

 
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manchmalgottseidankexilosttiroler
vor 2 Monaten

Schaut fast so aus, als ob in letzter Zeit mehrere Bürgermeister aus dem Iseltal, der aktuelle in Virgen und die ehemaligen aus St. Jakob und Matrei dem Colonel Walter E. Kurtz Syndrom anheim gefallen sind und immer mehr dem Größenwahnsinn oder gleich dem Wahnsinn entgegensegeln. Wahrscheinlich ausgelöst durch die langen Amtszeiten oder doch durch die Abgeschiedenheit? Höchst erstaunlich auf jeden Fall.

 
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r.ingruber
vor 2 Monaten

Lieber Herr Pirkner,

Sie sollten im nächsten Leben Bürgermeister:in werden, dann können Sie lästige Journalisten eigenhändig ausladen. Das Konzept von KLAR ist aber nicht schwer zu erraten: Im Vordergrund wird die Aufnahme von Klimaflüchtlingen stehen, die Symbole einer neuen Willkommenskultur mit der sinnigen Aufschrift "Sonnenstadt" sind schon errichtet. Osttirol tut gut daran, mit Dingen zu werben, die es hier nicht gibt: Gletscher, Weltcup-Rennen und – den Klimawandel!

 
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    F_Z
    vor 2 Monaten

    da muss man nicht raten: https://klar-anpassungsregionen.at/regionen/klar-region-osttirol

     
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Franz Brugger
vor 2 Monaten

Da will wohl jemand den Hauser überholen? Noch dazu auf Rechtsaußen?

 
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