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So sah Lienz vor genau 70 Jahren aus. Das Foto entstand 1955. Im Vordergrund der Grafenanger. Ganz links die Nußdorferstraße, markant die Franz Josefs-Kaserne. Rechts der schon gut besiedelte Rindermarkt rund um die Michaelskirche. Foto: Alois Baptist; Sammlung Foto Baptist/TAP

So sah Lienz vor genau 70 Jahren aus. Das Foto entstand 1955. Im Vordergrund der Grafenanger. Ganz links die Nußdorferstraße, markant die Franz Josefs-Kaserne. Rechts der schon gut besiedelte Rindermarkt rund um die Michaelskirche. Foto: Alois Baptist; Sammlung Foto Baptist/TAP

Leben und arbeiten im Grafenanger – einst und jetzt

Der Lienzer Stadtteil hat eine bewegte Geschichte zwischen Kaserne, Konvikt und traditionsreichem Gewerbe.

Martin Kofler, Historiker und Leiter des Tiroler Fotoarchivs breitet eine Karte aus dem Jahr 1854 vor sich aus und zeigt auf einen Ort, an dem er selbst aufgewachsen ist: Den Grafenanger. Der war einst eine große Wiese, wie das Wort „Anger“ selbstredend erklärt, und lag außerhalb der Stadtmauern. Deshalb wurde auch hier das 1334 erstmals urkundlich erwähnte „Siechenhaus“ platziert, um Menschen mit gefährlichen ansteckenden Krankheiten von anderen Patienten im damaligen Bürgerspital – heute BORG – abzusondern.

Das Gespräch mit dem Historiker ist Teil unserer Stadtteil-Reportage über den Grafenanger, der eine bewegte und durchaus außergewöhnliche Geschichte hat, geprägt von Krieg, Schule und traditionellem Gewerbe. All diese Aspekte erläutert Martin Kofler im Video, illustriert mit alten Aufnahmen einer ausgedehnten Barackensiedlung, aus der sich langsam der heutige Stadtteil entwickelte. Wussten Sie, dass 1943, also während des Weltkriegs, hier um die 1000 Franzosen gefangen gehalten wurden?

Nach dem Krieg entstand hier ein Schulbezirk, mit dem Gymnasium und einem Konvikt, in dem bis zu 300 Kinder und Jugendliche untergebracht waren. Auch darüber kann Kofler einiges erzählen.

Seit 55 Jahren wohnt Gerlinde Murrer im Grafenanger. Sie liebt den sonnigen Bezirk mit seiner guten Infrastruktur. Die Wohnblöcke, die in den sechziger Jahren gebaut wurden, grenzten damals unmittelbar an die Barackensiedlung und hatten das „Brennerle“ als natürlichen Spielplatz für die Kinder in der Nähe. Frau Murrer ist fit, auch deshalb, weil die vierstöckigen Blöcke aus dieser Zeit ohne Lift gebaut wurden.

Brot für den Bezirk liefert seit den fünfziger Jahren die Bäckerei Gruber. „Die war immer schon da“, sagt Gerlinde Murrer und Martin Kofler spannt noch einmal den Bogen zum Konvikt, für das immerhin um die 600 Semmeln täglich benötigt wurden!

Also besuchen wir zum Ende des Stadtteilrundgangs die Backstube und treffen dort drei Generationen „Gruber-Bäcker“. Erich, Werner und Julian Gruber sind in der Wolle gefärbte „Grafenangerer“, die nicht nur über die Entwicklung ihres Betriebes viel erzählen können, sondern ihre ganz persönlichen Erinnerungen und Erlebnisse teilen. Es gab sogar einen Fußballplatz im Stadtteil samt „Grafenanger Sportclub GSC“, der in lokalen Derbys gegen Gaimberg antrat!

Viel Spaß bei einem „Stadtgespräch“ aus dem Grafenanger in Lienz! Hinter der Kamera: Alexandra Hassler und Nils Klinger.

Silvia Ebner ist eine Erzählerin mit Leib und Seele. Ihr erstes Buch „Vom Sterben. Und Leben“ erschien im Sommer 2018 im Dolomitenstadt-Verlag und wurde gleich zum Bestseller. Die Sprachlehrerin arbeitet auch als Journalistin, Theaterautorin und Podcasterin.

2 Postings

Medan
vor 2 Stunden

Danke für den Bericht! Da wurden viele Erinnerungen wach, beginnend im Dezember 1958, als meine Familie in eines der damals neu gebauten Doppelhäuser (die ersten Bauten der heutigen OSG) im Grafenanger übersiedelte.

 
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Oggu84
vor 4 Stunden

So rosig war das Bundeskonvikt nicht. Ich weiß aus Gesprächen und aus eigener Erfahrung, dass das BK sehr "prägend" war, v.a. für manche/mehrere/etliche Zöglinge.

 
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