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Nachdem in den Kommentaren über die Datierung spekuliert wurde, klärt Martin Kofler vom Tiroler Fotoarchiv auf: „So sah Lienz vor fast 80 Jahren aus. Das Foto entstand um 1948.“ Im Vordergrund der Grafenanger. Ganz links die Nußdorferstraße, markant die Franz Josefs-Kaserne. Rechts der schon gut besiedelte Rindermarkt rund um die Michaelskirche. Foto: Alois Baptist; Sammlung Foto Baptist/TAP

Nachdem in den Kommentaren über die Datierung spekuliert wurde, klärt Martin Kofler vom Tiroler Fotoarchiv auf: „So sah Lienz vor fast 80 Jahren aus. Das Foto entstand um 1948.“ Im Vordergrund der Grafenanger. Ganz links die Nußdorferstraße, markant die Franz Josefs-Kaserne. Rechts der schon gut besiedelte Rindermarkt rund um die Michaelskirche. Foto: Alois Baptist; Sammlung Foto Baptist/TAP

Leben und arbeiten im Grafenanger – einst und jetzt

Der Lienzer Stadtteil hat eine bewegte Geschichte zwischen Kaserne, Konvikt und traditionsreichem Gewerbe.

Martin Kofler, Historiker und Leiter des Tiroler Fotoarchivs breitet eine Karte aus dem Jahr 1854 vor sich aus und zeigt auf einen Ort, an dem er selbst aufgewachsen ist: Den Grafenanger. Der war einst eine große Wiese, wie das Wort „Anger“ selbstredend erklärt, und lag außerhalb der Stadtmauern. Deshalb wurde auch hier das 1334 erstmals urkundlich erwähnte „Siechenhaus“ platziert, um Menschen mit gefährlichen ansteckenden Krankheiten von anderen Patienten im damaligen Bürgerspital – heute BORG – abzusondern.

Das Gespräch mit dem Historiker ist Teil unserer Stadtteil-Reportage über den Grafenanger, der eine bewegte und durchaus außergewöhnliche Geschichte hat, geprägt von Krieg, Schule und traditionellem Gewerbe. All diese Aspekte erläutert Martin Kofler im Video, illustriert mit alten Aufnahmen einer ausgedehnten Barackensiedlung, aus der sich langsam der heutige Stadtteil entwickelte. Wussten Sie, dass 1943, also während des Weltkriegs, hier um die 1000 Franzosen gefangen gehalten wurden?

Nach dem Krieg entstand hier ein Schulbezirk, mit dem Gymnasium und einem Konvikt, in dem bis zu 300 Kinder und Jugendliche untergebracht waren. Auch darüber kann Kofler einiges erzählen.

Seit 55 Jahren wohnt Gerlinde Murrer im Grafenanger. Sie liebt den sonnigen Bezirk mit seiner guten Infrastruktur. Die Wohnblöcke, die in den sechziger Jahren gebaut wurden, grenzten damals unmittelbar an die Barackensiedlung und hatten das „Brennerle“ als natürlichen Spielplatz für die Kinder in der Nähe. Frau Murrer ist fit, auch deshalb, weil die vierstöckigen Blöcke aus dieser Zeit ohne Lift gebaut wurden.

Brot für den Bezirk liefert seit den fünfziger Jahren die Bäckerei Gruber. „Die war immer schon da“, sagt Gerlinde Murrer und Martin Kofler spannt noch einmal den Bogen zum Konvikt, für das immerhin um die 600 Semmeln täglich benötigt wurden!

Also besuchen wir zum Ende des Stadtteilrundgangs die Backstube und treffen dort drei Generationen „Gruber-Bäcker“. Erich, Werner und Julian Gruber sind in der Wolle gefärbte „Grafenangerer“, die nicht nur über die Entwicklung ihres Betriebes viel erzählen können, sondern ihre ganz persönlichen Erinnerungen und Erlebnisse teilen. Es gab sogar einen Fußballplatz im Stadtteil samt „Grafenanger Sportclub GSC“, der in lokalen Derbys gegen Gaimberg antrat!

Viel Spaß bei einem „Stadtgespräch“ aus dem Grafenanger in Lienz! Hinter der Kamera: Alexandra Hassler und Nils Klinger.

Silvia Ebner ist eine Erzählerin mit Leib und Seele. Ihr erstes Buch „Vom Sterben. Und Leben“ erschien im Sommer 2018 im Dolomitenstadt-Verlag und wurde gleich zum Bestseller. Die Sprachlehrerin arbeitet auch als Journalistin, Theaterautorin und Podcasterin.

15 Postings

Norbert Hopfgartner
vor 5 Tagen

Das Fotodatum kann nicht stimmen : "...genau vor 70 Jahren..." weil es ist keine Plonerstraße, keine Rennerstraße usw. oben. Das Foto ist vor 1950!! Bitte korrigieren!

 
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    Mahl Maria
    vor 5 Tagen

    du hast recht, das ist eher 1945. Denn meine Eltern haben 1950 auf die ganz linke Baracke aufgebaut. Da gabs noch keine Nachbarn, Troger und Forcher kamen Jahre später, mein Vater musste sich auch oft den Vorwurf gefallen lassen, in der 'Wildnis', inmitten Maisfelder, gebaut zu haben. Und das ist auch nicht die Nussdorferstraße, sondern die heutige Zettersfeldstraße.

     
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      r.ingruber
      vor 4 Tagen

      Ist es überhaupt ein Foto von Lienz??

       
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    wolf_C
    vor 5 Tagen

    ... bist Du deppat, so a hässlicher Talboden, gemmagemma, jetzt kommt der Fortschritt mit den ganzen Günstlingen ...

     
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      senf
      vor 4 Tagen

      @W_C, ast du schon vergessen, wer aller da heute Nutznieser ist und Dreck auf ander Leute wirft?

       
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      wolf_C
      vor 4 Tagen

      ... da haben noch viele Autostrassen Platz, und viel Lärm und die neue Leitung erst, a Wahnsinn so klass, und Leit sind s a nit mehr geworden wie damals ...

       
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      senf
      vor 3 Tagen

      Man weiss es, nur a paar gstopfte und deswegen sinds nit mehr geworden, seit damals, gel, wolfi

       
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    atomsix
    vor 4 Tagen

    Das Bild wurde sicher in den 50ern aufgenommen. Beispielsweise wurde das am Bild ersichtliche neue Bahnhofsgebäude erst 1950 fertiggestellt.

     
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unholdenbank
vor 5 Tagen

Sehr schöner Bericht über den Grafenanger - Danke. Stimme @Medan zu, alles war nicht rosig, weder im Gymnasium noch im Konvikt (historischer Baugrund=>Gefangenenlager), wie schon Johannes Schmidl in seinem Essay bemerkt hat. Traurig stimmt mich immer, wenn ich am Konviktsplatz vorbeikomme: Ich habe beim Bau des 2. Hauses als Ferialarbeiter bei der Fa. Urbaner mitbetoniert. Dass "mein" Werk nicht mehr steht macht mich ein wenig melancholisch. So ist der Lauf der Zeit, von Wiesen über Barackenlager über Schülerheim zurück zur Wiese. Danke nochmal für den interessanten Film.

 
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    Joe B. Tolliver
    vor 4 Tagen

    Die allermeisten ehemaligen Insassen des Konvikts dürften glücklich sein dass "Ihr" Werk nicht mehr steht.

     
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    r.ingruber
    vor 4 Tagen

    Irgendwann werden wir alle renaturiert.

     
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Medan
vor 6 Tagen

Danke für den Bericht! Da wurden viele Erinnerungen wach, beginnend im Dezember 1958, als meine Familie in eines der damals neu gebauten Doppelhäuser (die ersten Bauten der heutigen OSG) im Grafenanger übersiedelte.

 
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Oggu84
vor 6 Tagen

So rosig war das Bundeskonvikt nicht. Ich weiß aus Gesprächen und aus eigener Erfahrung, dass das BK sehr "prägend" war, v.a. für manche/mehrere/etliche Zöglinge.

 
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    Joe B. Tolliver
    vor 4 Tagen

    Die NS-Zeit arbeitet der Herr Historiker mit großer Hartnäckigkeit und Energie auf, die Geschichte des Konvikts seltsamerweise nicht.

     
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      Photon 07
      vor 3 Tagen

      die beginnt u. endet mit dem Wort 'Zõgling'; da ist der 'Konvikt' folglich inkludiert.

       
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