Vielfältig war in unseren Breiten einst das Zwitschern der Vögel, doch längst sind viele der heimischen Arten kaum mehr vorhanden. Als besonders bedroht gelten wiesenbrütende Vogelarten, die dort vorkommen, wo durch die Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden geeignete Lebensräume vorhanden sind. Manche Arten können auch Äcker besiedeln. Daten der Vogelschutzorganisation BirdLife zeigen, dass in den letzten 30 Jahren in Europa jeder zweite Vogel des Agrarlands verschwunden ist. In Österreich liegen Daten zum Braunkehlchen vor, der Bestand dieses typischen Wiesenbrüters hat von 1998 bis 2020 um rund 60 Prozent abgenommen.
Wiesenbrüter als Indikator für Biodiversität
Vor diesem Hintergrund wurde 2015 in Tirol ein Projekt zum Wiesenvogelschutz ins Leben gerufen, das nun bis 2027 fortgesetzt wird. Denn einerseits benötigen diese Vögel die Kulturlandschaft zwar als Lebensraum, doch andererseits stellt gerade die intensive landwirtschaftliche Nutzung ihre größte Bedrohung dar. Durch früheres und häufigeres Mähen, erhöhten Düngereinsatz sowie leistungsstärkere Mähtechniken kommen diese Arten in ganz Österreich zunehmend in Bedrängnis. Wiesenvogelarten bauen ihre Nester nämlich am Boden und sind darauf angewiesen, während der Brutzeit möglichst wenig gestört zu werden. Als Brutplätze benötigen sie artenreiche Wiesen, die auch über ein vielfältiges Nahrungsangebot unterschiedlicher Insekten verfügen.

Wiesenbrütende Vogelarten sind damit Anzeiger für die Biodiversität, da sie auf strukturierte, artenreiche Lebensräume angewiesen sind. In artenarmen, ausgeräumten Landschaften fehlen dagegen Wiesenvögel ebenso wie auch die Vielfalt an Pflanzen und Insekten, die sie zum Überleben brauchen. Auch in Osttirol liegen Regionen, die besonders günstige Lebensräume für die Tiere bieten, wie beispielsweise St. Jakob in Defereggen und Matrei, wo es bedeutende Braunkehlechenvorkommen gibt. Doch auch Virgen, Oberlienz und Strassen gelten laut einer Publikation der Abteilung Umweltschutz der Tiroler Landesregierung als interessante Gebiete für Wiesenvögel.
Schutz durch spätes Mähen
Für Landwirte gilt es, auf einen späten Schnittzeitpunkt zu achten, sodass die Jungvögel vorher ausfliegen können. Denn wenn Brutpaare zu oft gestört werden oder gar während der Brutzeit gemäht wird, kann die Brut abgebrochen werden oder bereits geschlüpfte Küken können nicht mehr von den Altvögeln versorgt werden. Auch wenn nur Teilbereiche des Feldes bis zur zweiten Mahd stehengelassen werden, kann dies eine Unterstützung für Wiesenvögel darstellen. Bauern erhalten über das Agrarumweltprogramm auch eine jährliche Förderung, um finanzielle Verluste, beispielsweise durch einen geringeren Heuertrag, auszugleichen.
Erste Erfolge
Seit zehn Jahren sind mittlerweile vier eigens bestellte Wiesenvogelbeauftragte in ganz Tirol unterwegs, um mit landwirtschaftlichen Betrieben Lösungen zu erarbeiten und Aufklärungsarbeit zu leisten. Erste Erfolge gibt es: In langjährig etablierten Gebieten wie dem Natura 2000-Gebiet Silz-Stams-Haiming sind die Feldlerchenbestände auf einem konstanten Niveau angekommen und es gibt eine Zunahme bei den Schwarzkehlchen. Im Ehrwalder Becken stabilisiert sich der Bestand der Braunkehlchen laut Landespressedienst ebenfalls. Insgesamt ist das erreichte Bestandsniveau aber noch sehr niedrig, weshalb das erklärte Ziel lautet, die Vogelpopulationen weiter zu stärken.
Einen ebenso beeindruckenden wie präzisen Bericht über den Bestand und die Entwicklung der Braunkehlchen in Osttirol lieferte die Wiesenvogel-Beauftragte Petra Heinz-Prugger im September hier auf Dolomitenstadt. Sie schildert in diesem Artikel auch, wie wichtig die Mithilfe der Landwirte ist und wie viel an Überzeugungsarbeit nötig ist, um diese Mithilfe auch zu bekommen.
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